Hype-Aktien - UBS-Analyst: Aktienblasen wie Nikola Motor sind was für Daytrader und Spekulanten

Die UBS rät Kunden davon ab, Daytradern bei ihrer Jagd nach schnellen Gewinnen zu folgen und auf gehypte Aktien zu setzen. Stattdessen sollten Anleger auf eine andere Aktiengruppe setzen.
21.06.2020 05:45
Die Aktien von Nikola Motor
Die Aktien von Nikola Motor
Bild: ZVG

Auch wenn wenig bekannte Unternehmen wie Fangdd Network Group Inc. oder Nikola Corp. während der jüngsten Marktrally ihre Aktienkurse vervielfachen konnten - manchmal innerhalb weniger Tage oder Stunden -, sollten sich reiche Kunden an die sichereren Namen halten, empfiehlt Charles Day von UBS Global Wealth Management.

“Aktien, von denen ich vor drei Monaten noch nichts gehört hatte, sind plötzlich die aktivsten - so etwas sollten wohlhabende Investoren nicht kaufen, das ist vielleicht was für Spekulanten oder Hobbyanleger”, sagt Day, geschäftsführender Direktor und Private-Wealth-Berater bei der Schweizer Bank, die ein Vermögen von 2,3 Billionen Dollar verwaltet. “Wenn Sie ein vermögender Investor sind, sollten Sie nicht darüber nachdenken, dass Sie vielleicht riesige Gewinne mit solchen Aktien verpassen.”

Seit den Tiefs vom März ist der S&P 500 um mehr als 30 Prozent gestiegen, und die Angst etwas zu verpassen heizt die Käufe von Daytradern an, wie beispielsweise beim provisionsfreien Broker Robinhood. Sie setzen auf Unternehmen mit geringem oder keinem Gewinn und treiben deren Aktienkurse in die Höhe. Kleinanleger haben mittlerweile eine Rekordzahl an Handelskonten eröffnet. Nun versuchen die Finanzprofis von der Wall Street herauszufinden, inwieweit die Nachfrage der Privatanleger in vielen Marktsegmenten zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung geworden ist und welche Risiken das für die Rally darstellt.

Angesichts der wachsenden Besorgnis über das Tempo der Konjunkturerholung und das Risiko einer zweiten Infektionswelle empfiehlt Day seinen Kunden, sich auf Blue-Chip-Wachstumsaktien in den Branchen Einzelhandel und Technologie mit stabilen Cashflows zu konzentrieren und nach Chancen bei günstigeren Value-Aktien Ausschau zu halten. Er rät auch, etwas Liquidität und Staatsanleihen zu halten, um sich vor möglicher Volatilität zu schützen.

Bei den zunehmenden Kursexplosionen von Aktien sieht Day Parallelen zum Marktcrash von 2000, “als sich der Börsenwert von obskuren Unternehmen innerhalb eines Monats verdoppelte und verdreifachte”, sagte er in einem Telefoninterview. An einem Tag in der vergangenen Woche verdreizehnfachte sich der Aktienkurs von Fangdd, einem kleinen chinesischen Immobilienunternehmen, in einem Nachrichten-Vakuum, so dass die Marktkapitalisierung auf vier Milliarden Dollar hochschnellte. In wenigen Tagen fiel sie wieder unter eine Milliarde Dollar.

„Wenn Sie sehr reich sind, möchten Sie einen gewissen Schutz nach unten haben, damit Sie sich mit Ihren Risikoaktiva wohler fühlen“, erklärt Day.

Aber nur weil Daytrader jetzt aktiver sind und keine professionelle Ausbildung haben, heisst das nicht, dass sie falsch liegen. Bisher brachte der Löwenanteil ihrer Handelsgeschäfte Gewinne ein, und ihre Lieblingsaktien schlagen locker diejenigen von Hedge- und Investmentfonds, stellt Goldman Sachs Group Inc fest.

Dennoch warnt Day davor, dass einige private Händler Gefahr laufen, von der Marktvolatilität einiger kleinerer Namen mitgerissen zu werden.

Solche Werte seien äusserst anfällig für extreme Volatilität. “Die Leute, die solche Handelsgeschäfte machen, haben nicht viel Erfahrung, und jetzt fangen sie an zu glauben es ist einfach, und das ist gefährlich”, sagt Day. “Ich denke, das die Robinhood-Namen fast alle Schaum sind.”

(Bloomberg)