Steigende Erdöl- und Erdgaspreise sowie fallende Aktienkurse sind die Auswirkungen des Iran-Krieges. Die höheren Energiekosten schüren rund um den Globus neue Inflationsängste, welche wiederum die hiesigen Zinssätze in die Höhe treiben. So schoss die Rendite der eidgenössischen Bundesobligationen in den vergangenen zehn Tagen auf 0,44 von 0,23 Prozent hoch. 

Im Zuge des Renditeanstiegs bei den «Eidgenossen» sind auch die durchschnittlichen Sätze für Festhypotheken vorgerückt. Eine dreijährige Hypothek hat sich um 0,19 Prozent auf 1,34 Prozent verteuert, eine fünfjährige um 0,14 auf 1,47 Prozent und eine zehnjährige um 0,10 auf 1,96 Prozent, wie Daten von hypotheke.ch zeigen.

Wer eine mittel- bis langfristige Hypothek abschliessen will oder erneuern muss, ist auch in diesem Umfeld gut beraten, verschiedene Angebote einzuholen. Je volatiler die Zinsbewegung, desto grösser sind die Preisunterschiede zwischen Banken, Versicherungen und Pensionskassen. Ein attraktives und ein weniger attraktives Angebot können schnell eine Differenz von 0,2 Prozent aufweisen. Das geht ins Geld, die Differenz von 20 Basispunkten bei einer Hypothek von einer Million ergibt eine Ersparnis von 2000 Franken pro Jahr. 

Wer auf eine Saron-Hypothek setzt, fokussiert auf die kurzfristigen Zinssätze. Diese orientieren sich am Leitzins der Schweizerischen Nationalbank (SNB), welcher bei null Prozent steht. Hier notieren die ganz kurzen Laufzeiten von Overnight, einer Woche oder einem Monat noch im negativen Bereich. 

Das Gespenst von Negativzinsen ist aber vom Tisch, erklärt Jean-François Alarie, Gründer der auf Zinsdaten spezialisierten Researchboutique Derivox, auf Anfrage von cash.ch. «Die Zinsen am kurzen Ende haben rasch angezogen. Der Saron-Futures-Markt preist nun eine Zinserhöhung - die erste seit Juni 2023, als die SNB letztmals die Zinsen erhöhte - für Dezember 2026 ein, gefolgt von weiteren ab 2028. Da die Wahrscheinlichkeit für die erste Erhöhung jedoch nur bei etwa 54 Prozent liegt, ist der Zeitpunkt noch recht ungewiss.»

Unter Berücksichtigung der Marge würde eine Saron-Hypothek nach zwei Zinserhöhungen bei rund 1,3 bis 1,5 Prozent je nach Schuldner zu stehen kommen. Somit wäre die Saron-Hypothek dann gleich teuer wie eine aktuelle Festhypothek mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Deshalb sei es zu früh, Panik zu machen, sagt Burak Er, Leiter Research & Advisory Solutions beim Finanzberater smzh in Zürich. Dies gelte umso mehr, weil sich die Bankmargen nach der letztjährigen Verteuerung nunmehr stabil entwickeln.

Vorerst bleibt die Saron-Hypothek die günstigste Finanzierungsvariante, auch weil die Festhypotheken in den kürzeren Laufzeiten zwischen drei und fünf Jahren um bis zu 20 Basispunkte angezogen haben. Ein Mix von Hypotheken mit kurz-, mittel- und langfristigen Laufzeiten bleibt weiterhin eine risikoarme und jederzeit tragbare Lösung. Daran dürfte sich auch künftig nichts ändern. Hypothekarschuldner mit einem höheren Sicherheitsbedürfnis geben dem Anteil Festhypothek eine stärkere Gewichtung, respektive solche mit mehr Risikobereitschaft dem Saron.

Erdölmarkt bleibt im Fokus

Hält der Krieg im Nahen Osten an, könnte eine Zinserhöhung durch die hiesigen Währungshüter schon früher auf das Tapet kommen. Zur Erinnerung: Der SNB-Präsident Thomas Jordan fackelte im Juni 2022 nicht lange, um mit einer ersten Leitzinserhöhung gegen die ungezügelte Inflation vorzugehen. Innert Jahresfrist folgten vier weitere Zinserhöhungen, die den Saron bis auf 1,75 Prozent hochtrieben. 

Der nächste zinspolitische Entscheid der SNB steht am Donnerstag an. Marktkommentatoren erwarten vor dem Hintergrund des starken Frankens einen unveränderten Leitzins. Ein Vorpreschen der SNB ist deshalb nicht zu erwarten, weil dies den Franken noch stärker unter Aufwertungsdruck setzen würde. Ferner wirken sich die höheren Erdölpreise erst mit Verzögerung auf die Teuerung aus. Die Anfang April für den Monat März vorzulegenden Inflationszahlen werden erst dann einen ersten Einblick erlauben.

Die SNB ist dabei nicht die einzige Zentralbank, welche Zinserhöhungen auf dem Radar hat. So signalisierte die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag, eine Zinserhöhung im April oder Juni stünde zur Diskussion. Denn im Gegensatz zu 2022, als die EZB erst verzögert mit Zinserhöhungen gegen die gestiegene Inflation vorging, will deren Präsidentin Christine Lagarde dieses Mal nicht den gleichen Fehler begehen. 

Auf der anderen Seite ist die Hoffnung auf stark sinkende Zinsen bei einem schnellen Ende des Iran-Krieges wenig realistisch. Experten wie jene von Société Générale wiesen darauf hin, dass sich die Situation an den Energiemärkten nicht über Nacht normalisieren werde. Dies zeigt auch ein Blick auf die Prämien zur Absicherung der Schwankungsanfälligkeit an den Erdölmärkten. Diese signalisieren eine graduelle Beruhigung über die nächsten neun Monate, während sich ein kurzer Schock normalerweise innerhalb von zwei bis drei Monaten korrigiert. Zudem darf nicht vergessen werden, dass eine Normalisierung der gestörten Lieferketten längere Zeit in Anspruch nehmen dürfte. 

Thomas Daniel Marti
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