Hypotheken in der Schweiz werden deutlich teurer

Mit den Renditen auf Schweizer Bundesobligationen sind auch die hiesigen Festhypotheken in die Höhe geschossen. Aktuell sind sie so teuer wie im letzten Frühling.
13.12.2016 12:22
Von Ivo Ruch
Schweizer Backsteine sind historisch immer noch günstig.
Schweizer Backsteine sind historisch immer noch günstig.
Bild: pixabay.com

Immobilienbesitzer aufgepasst: Wer in der Schweiz Wohneigentum finanzieren will, muss laufend tiefer in die Tasche greifen. Die offiziellen Zinsen auf Festhypotheken sind in den letzten Wochen merklich teurer geworden. Noch vor zwei Monaten – also vor den Präsidentschaftswahlen in den USA – kostete eine zehnjährige Festhypothek im Durchschnitt 1,38 Prozent Zins. Nun ist der Zinssatz auf 1,58 Prozent geklettert, wie Daten des Winterthurer Finanzberaters Vermögenspartner zeigen.

Damit kosten die Zehnjährigen so viel wie zuletzt in diesem Frühling. Auch die fünfjährigen Hypotheken werden deutlich teurer angeboten, während bei "Kurzläufern" kaum eine Veränderung feststellbar ist.

Grund dieser Verteuerung sind Verschiebungen bei den Schweizer Kapitalmarktzinsen: Seit langem gibt es wieder einmal Zinsen für Schweizer Bundesobligationen. Der zehnjährige Schweizer Kassazinssatz ist am Montag auf 0,01 Prozent gestiegen. Damit stiess die Rendite der Bundesobligationen erstmals seit Mitte September 2015 wieder in den positiven Bereich vor. Der Kassazinssatz ist ein von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) aus verschiedenen Bundesanleihen berechneter Durchschnittszinssatz.

Die Rendite der am Markt gehandelten zehnjährigen Anleihe der Eidgenossenschaft ("Eidgenoss") liegt dagegen weiterhin im negativen Bereich. Aber auch dieser Zins ist in den letzten Monaten stark angestiegen. Diese Zinsen sind entscheidend für die Berechnung der langfristigen Hypothekenzinsen.

Mitte Juli erreichten die Zinsen auf Bundesobligationen mit minus 0,6 Prozent ein Rekordtief. In den vergangenen Wochen zogen die Inflationserwartungen der Anleger aufgrund weltweit positiver Konjunkturzahlen und wegen des steigenden Ölpreises an, was den Aufwärtstrend der Kapitalmarktrenditen beschleunigte. Zusätzlich wird erwartet, dass morgen Mittwoch die amerikanischen Notenbank Fed ihre Leitzinsen zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres anhebt. Auch ein solcher Schritt gilt in der Tendenz als stützend für das globale Zinsgefüge.

Doch kein Zinsbuckel?

Setzt sich der Trend steigender Bondsrenditen fort,  ist das zu einem gewissen Grad überraschend. Noch vor rund drei Wochen sagte Hypotheken-Spezialist Giampiero Brundia zu cash, er erwarte ein erneutes Absinken der Renditen auf Staatsanleihen und analog der Hypothekenzinsen.

Die Credit Suisse hingegen geht bei den langen Laufzeiten (10-15 Jahre) von einem weiteren Anstieg um 10 bis 15 Basispunkte aus, während sie bei kurzen Laufzeiten eine Seitwärtsbewegung erwartet.

Ein Blick auf die verschiedenen Hypotheken-Anbieter zeigt, dass praktisch alle Institute die Gelegenheit höherer Obligationenrenditen beim Schopf packten und ihre offiziellen Zinssätze nach oben angepasst haben. Teuerster Anbieter ist momentan die Regiobank Solothurn (1,9 Prozent), gefolgt von der Baloise Bank Soba (1,85) und der Basler Kantonalbank sowie der Banque Cantonale Neuchâteloise (je 1,84). Auch die Bank Coop gehört mit 1,8 Prozent zu den teuren Finanzierern (siehe Tabelle).

Günstiger sind traditionellerweise Versicherungen, Pensionskassen und Online-Anbieter. Die tiefsten Zinsen bietet derzeit Crédit Agricole Financements (1,24) an. Dahinter folgen die Aargauische Pensionskasse (1,3), die Personalvorsorge des Kantons Zürich BVK und family-net.ch.

Libor-Produkte dürften vor Anstieg stehen

Am allergünstigsten fährt man immer noch mit Libor-Hypotheken, wo der Durchschnitt für drei Monate bei 0,91 Prozent liegt. Diese Produkte orientieren sich am Referenzzinssatz für kurzfristige Ausleihungen von Banken untereinander (London Interbank Offered Rate) und werden je nach Laufzeit alle 1, 3, 6 oder 12 Monate angepasst.

Der Nachteil für Kunden ist jedoch, dass eine Beobachtung des Marktes notwendig ist, um den richtigen Ausstiegspunkt nicht zu verpassen. Gemeinhin raten viele Experten deshalb im Umfeld steigender Zinsen zu Festhypotheken.

Die günstigsten Anbieter von zehnjährigen Festhypotheken

Institut Zinssatz (in %)
Crédit Agricole Financements 1,24
APK Aargauische Pensionskasse, BVK, family-net.ch 1,3
Zürich Versicherung 1,31
AXA Winterthur 1,34
Allianz Suisse, homegate.ch 1,35
EasyHypo 1,37
hypomat.ch 1,38
Swissquote 1,39
e-Hypo, Swiss Life 1,4
digihyp 1,45

Quelle: Vermögenspartner (Stand 13.12.15)