Die hohen Hypothekenzinsen haben die Zahl der noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufe (die sogenannten «Pending Sales») in den USA auf ein fast zwölfjähriges Tief stürzen lassen. «Die Stimmung in der Immobilienbranche hat sich grundlegend gewandelt», sagte Daryl Fairweather, Chefökonomin von Redfin. «Wenn die Zinsen derart steigen, können sich weniger Menschen den Hauskauf leisten; folglich müssen die Verkaufszahlen zurückgehen.»
Laut saisonbereinigten Daten des Maklerunternehmens Redfin brachen die noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufe im September gegenüber dem Vormonat um 4 Prozent ein. Das ist der stärkste Rückgang seit mehr als drei Jahren. Damit erreichten sie den niedrigsten Stand seit 2014 - abgesehen von den ersten Monaten der Covid-Pandemie 2020.
Gleichzeitig kletterte das Angebot an zum Verkauf stehenden Häusern auf den höchsten Stand seit März 2020. Der sprunghafte Anstieg der Finanzierungskosten im September drückte die Nachfrage nach Wohneigentum auf ein Niveau, wie man es zuletzt in der Folge der Zwangsversteigerungskrise der Jahre 2007 bis 2012 erlebt hatte.
Dies offenbart die aktuelle Anfälligkeit des Marktes nach Jahren rasant steigender Preise. In allen 50 von Redfin beobachteten grossen US‑Metropolregionen gingen die noch nicht abgeschlossenen Verkäufe zurück - erstmals seit September 2023, als die Hypothekenzinsen ein ähnlich hohes Niveau aufwiesen.
Nach Angaben von Freddie Mac sprang der durchschnittliche Zinssatz für 30-jährige Hypotheken bis zum 8. Oktober auf 7,4 Prozent (gegenüber 6,66 Prozent Ende August). Dies ist der höchste Wert seit fast drei Jahren und liegt mehr als einen Prozentpunkt über dem Niveau des Vorjahres.
Seattle verzeichnet den stärksten Rückgang bei den noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufen
Fast jeder fünfte Verkäufer senkte im vergangenen Monat seine Preisvorstellungen, und bei Käufern wuchs die Sorge angesichts der steigenden Zinsen. 14,5 Prozent der Kaufverträge kamen nicht zustande. Das ist der höchste Anteil, der jemals in der Statistik des Unternehmens verzeichnet wurde.
Der Zinsschock vom September wirkt sich regional unterschiedlich aus. Ein knappes Angebot stützt die Preise in weiten Teilen des Nordostens und Mittleren Westens, während Verkäufer in Teilen des «Sun Belt» (der südlichen US-Regionen) mit schwächerer Nachfrage und sinkenden Preisen zu kämpfen haben. Den stärksten Rückgang bei den Verkäufen verzeichnet die Westküste, wo hohe Immobilienpreise die Käufer besonders anfällig für steigende Finanzierungskosten machen.
Unter den grossen Metropolregionen verzeichnete Seattle den stärksten Rückgang bei den noch nicht abgeschlossenen Hausverkäufen. Das Volumen sank im Jahresvergleich um 24,4 Prozent, da hohe Finanzierungskosten die Abkühlung des stark von der Technologiebranche geprägten Arbeitsmarktes der Stadt noch verschärften. Der mittlere Verkaufspreis fiel um 4,4 Prozent - ebenfalls der stärkste Rückgang landesweit.
Auch in Los Angeles, San Diego und Anaheim gingen die noch nicht abgeschlossenen Verkäufe um mehr als 15 Prozent zurück, wie das Unternehmen Redfin berichtete. Immobilien in Südkalifornien zählten zu den «teuersten der USA, weshalb sie von den steigenden Hypothekenzinsen besonders hart getroffen wurden», so das Unternehmen.
(Bloomberg/cash)

