IBM-Schweiz-CEO: «Der Mensch ist das Restrisiko»

Nach dem Datenklau bei Swisscom äussert sich IBM-Schweiz-Chef Christian Keller im cash-Video-Interview zu den Gefahren beim Auslagern von Daten. Und er sagt, wieso die Nachfrage nach Cloud-Lösungen dennoch steigt.
23.09.2013 06:54
Von Pascal Meisser
IBM-Schweiz-Chef Christian Keller im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Der dreiste Datendiebstahl bei Swisscom, der erst vergangene Woche publik wurde, hat auch Christian Keller beschäftigt. "Das beweist einmal mehr, dass der Mensch das schwächste Glied in der Kette ist", sagt der Schweiz-Länderchef von IBM im cash-Video-Interview. Ein Restrisiko könne man nie ausschliessen, wenn kriminelle Energie dahinterstecke. 

IBM ist vom Vorfall zumindest indirekt betroffen, da der Schweizer Ableger des Computerkonzerns landesweit zu den grössten Anbietern von IT-Outsourcing und dem so genannten Cloud Computing gehört. 

Am letzten Mittwoch war bekannt geworden, dass vor Monaten in zwei Rechenzentren der Swisscom insgesamt vier Datenbänder mutmasslich entwendet worden waren und anschliessend der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) übergeben wurden. Gemäss NZZ-Journalisten hatten sich auf den Kassetten Verträge mit Privat- und Geschäftskunden, Angaben zu Bestellungen und Telefonanschlüssen sowie Verrechnungsaufträge befunden. Zusätzlich gab es laut NZZ Absagen auf Blindbewerbungen und Mitteilungen zu Entlassungen von Mitarbeitern.

IBM Schweiz im Rahmen der Erwartungen unterwegs

Einen solchen Zwischenfall kann Keller auch für IBM nicht hundertprozentig ausschliessen. "Wir sind aber laufend daran, die Sicherheitskonzepte zu überarbeiten und anzupassen sowie neue Lösungen auf den Markt zu bringen, die dem letzten Stand der Technik entsprechen", so Keller. Allerdings reiche alleine eine technologische Aufrüstung nicht aus. "Wichtig ist, dass auch die Governance und Ablaufkonzepte eingehalten und überwacht werden", so Keller im Gespräch mit cash. 

Die Datenzwischenfälle der letzten Monate und Jahre - CD-Klau bei Banken, NSA-Schnüffelaffäre und Swisscom-Datenleck - haben bislang beim Geschäft der IBM Schweiz keine negativen Spuren hinterlassen. "Wir sind im laufenden Jahr im Rahmen der eigenen Erwartungen unterwegs", sagt Keller. Vor allem die Nachfrage nach Cloud-Computing- und Big Data/Analytics-Lösungen habe deutlich zugenommen. 

Schweiz als Testmarkt

Deshalb hat IBM Schweiz erst vor wenigen Wochen in Winterthur das modernste Cloud-Rechencenter des global tätigen Konzerns in Betrieb genommen. Damit reagiert IBM auf die grosse Nachfrage nach Datenlösungen. "Wir stellen fest, dass eine grosse Zahl von ausländischen Firmen ihre Daten in der Schweiz lagern wollen", sagt Keller. Vor allem die politisch und wirtschaftlich stabile Lage der Schweiz biete die Möglichkeit, die Rolle als "safe haven for data" zu spielen. 

Den steigenden Bedarf an solchen externen Speicher- und Rechenkapazitäten spürt nicht nur IBM. In der letzten Zeit sind schweizweit zahlreiche Datencenter wie Pilze aus dem Boden geschossen. Das liegt nicht zuletzt an der exponentiell zunehmenden Datenflut. So schätzt das Marktforschungsunternehmen IDC, dass der weltweite Datenverbrauch in diesem Jahrzehnt um den Faktor 50 steigen wird. 

Der Schweizer Ableger von IBM geniesst aber nicht nur wegen der hohen Nachfrage nach Outsourcing-Möglichkeiten eine hohe Bedeutung innerhalb des weltweit tätigen Konzerns. Wegen der guten Positionierung und der geographischen Nähe zu den Hochschulen befindet sich eines von 12 Forschungszentren hierzulande. Dazu kommt, dass die Schweiz von IBM gerne als Testmarkt angeschaut wird - "wegen der hohen Ansprüche unserer Kunden", sagt Keller. 

Im Video-Interview äussert sich Keller zudem zur Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen und zum neuen Cloud-Rechencenter.