«Ich erwartete den Rücktritt früher»

Überraschend tauscht die Credit Suisse ihren Chef aus. Doch es bleiben wichtige Fragen offen. Der einflussreiche Fondsmanager Peter Stenz nimmt im cash-Interview Stellung.
10.03.2015 09:55
Interview: Marc Forster
Peter Stenz ist Fondsmanager bei Swisscanto.
Peter Stenz ist Fondsmanager bei Swisscanto.
Bild: cash

cash: Haben Sie Brady Dougans Rücktritt erwartet?

Peter Stenz: Anlässlich eines Treffens von Ende Oktober 2014 hatte ich Brady Dougan die Frage gestellt, welche Ziele er sich für die verbleibenden 5-8 Jahre seines Berufslebens gesetzt habe. Seine Antwort blieb recht vage. Ich mutmasste in der Folge, dass ein Rücktritt von Dougan zusammen mit der Veröffentlichung der Jahreszahlen für das Geschäftsjahr 2014 bekannt gegeben werden könnte.

Dougan war fast acht Jahre CEO der CS. Zu lange?

Brady Dougan war unter den grossen weltweit aktiven Banken nicht nur einer der dienstältesten CEOs, er dürfte mit beinahe 25 Jahren Zugehörigkeit zur Credit Suisse Gruppe auch einer der firmentreusten gewesen sein.

Aber war er eine Belastung?

Über die letzten 12 bis 24 Monate ist von institutionellen und privaten Investoren immer mal wieder der Rücktritt von Brady Dougan gefordert worden. Brady Dougan hatte seine Credit Suisse zwar sehr gut durch die Finanzkrise gemanagt, weshalb wohl der Druck danach, Dinge im Konzern rascher und entschiedener zu ändern weniger gross war als anderswo. Immerhin hat sich auch die Credit Suisse vor rund drei Jahren eine Fokussierung der Investment Bank und ein gezieltes Herunterfahren von Altlasten zum Ziel gesetzt und diese bisher plangemäss umgesetzt.

Die CS verkleinert das Investmentbanking stellenweise, aber nicht so stark wie die UBS.

Die CS will eine starke Position in jenen Bereichen des Investment Bankings behalten, wo sie entweder bereits stark ist oder bereits hohe Marktanteile hält. Das macht in meinen Augen auch Sinn. Wenn sich zu viele aus dem Investment Banking verabschieden, dann ergeben sich für die verbleibenden Spieler Opportunitäten. Die Ertragskraft der CS-Investmentbank ist so schlecht auch nicht. Und die Ziele beim Umbau des Investment Bankings, die sich die CS vor drei Jahren gesetzt hatte, wurden übertroffen.

Wenn Dougan bei den Anlegern nicht beliebt war – ist das ein Grund für die Kursschwäche der CS-Aktie?

In der Tendenz dürfte Brady Dougan den Aktienkurs wohl eher belastet haben. Seit Jahresbeginn hat der Kurs erneut gelitten und ist sowohl hinter dem SPI als auch hinter der UBS zurück geblieben. Den wichtigsten Grund für die Underperformance sehe ich allerdings in den Zweifeln der Anleger über eine ausreichende Kapitalstärke der Credit Suisse.

Der neue CS-Chef Tidjane Thiam ist auch kein Schweizer. Hätte die CS nicht einen Schweizer nominieren sollen?

Das Schweizer Geschäft ist für die Credit Suisse nicht unwichtig und ein stabiler Ertragbringer. Insgesamt kann die Credit Suisse aber als international tätiges Unternehmen bezeichnet werden, weshalb die Herkunft des CEO irrelevant ist. Erfreulich aus meiner Sicht ist allerdings: Der neue Chef Tidjane Thiam spricht deutsch.