Ruch meint

Immobilien - Der heisse Tanz mit den Hypotheken

Immer mehr alternative Anbieter drängen in den Hypotheken- und Immobilienmarkt. Noch läuft die Party rund. Doch der Kater lauert gleich um die Ecke.
13.11.2018 22:21
Von Ivo Ruch
cash-Redaktor Ivo Ruch.
cash-Redaktor Ivo Ruch.
Bild: cash

Wann ist ein Markt gesättigt? Der wievielte Anbieter ist einer zu viel? Wann wird aus einem Trend ein verzweifelter Hype? Solche Fragen stellt man sich mit Blick auf den Markt für Immobilienfinanzierung. Denn nach 20 Jahren Immobilienboom in der Schweiz mehren sich die Warnsignale der Übertreibung.

Zuletzt wurde bekannt, dass der Kunstsammler und frühere Schindler-Manager Uli Sigg mit der Firma Kreditfabrik ins digitale Hypothekargeschäft einsteigt. Ebenso ging kürzlich die Onlineplattform Credex an den Markt. Dank Auktionsverfahren offeriert sie massgeschneiderte und günstige Baukredite. Mit an Bord sind die Schweizerische Mobiliar, Swisscom, der Versicherer Vaudoise und die Regionalbank Clientis. Ganz nach dem Motto: Wer macht noch kein Geld mit Betongold?

Daneben sind in den letzten Jahren findige Firmen wie Crowdhouse oder Crowdli entstanden, welche die Wertsteigerung von Immobilien auch Personen mit wenig Investitionskapital zugänglich machen wollen. Schwarmfinanzierung lautet hier das Zauberwort. Sie alle treten in Konkurrenz zu den ohnehin schon zahlreichen herkömmlichen Anbietern wie Banken, Versicherungen oder Pensionskassen.

Doch wenn mehr Leute an einem Tisch Platz nehmen, müsste eigentlich auch mehr Essen aufgetragen werden. Bloss: Dem Immobilienmarkt scheint allmählich die Puste auszugehen. Leer stehende Wohnungshäuser prägen das Bild in einigen Gemeinden des Schweizer Mittellandes, die Mieten geraten immer stärker unter Druck und auch die Nachfrage durch die Zuwanderung zeigt eher nach unten.

Eine baldige Trendwende bei den Immobilienpreisen wäre nicht erstaunlich. Daher ist es verständlich, dass mancherorts noch nach Rendite gesucht wird, kurz bevor die Party zu Ende geht. Doch der richtige Test steht dem Immobilienmarkt noch bevor: Steigen im Euro-Raum die Zinsen, löst sich auch in der Schweiz die Baufinanzierung von ihren Tiefstständen.

Die Folgen davon sind aus heutiger Sicht ungewiss. Aber schon in der Vergangenheit wurde die Zinssensibilität des Immobilienmarktes häufig unterschätzt. Klar ist deshalb: Versiegt die Quelle des Gratisgeldes, werden nicht wenige Anbieter im Markt der Immobilienfinanzierung wieder verschwinden. Umso wertvoller, wenn einige widerstandsfähige Geschäftsmodelle die Marktbereinigung überstehen.