ImmobilienfinanzierungHypo-Zinsen: Zwischenhoch oder Aufwärtstrend?

Die steigenden Renditen der Staatsobligationen haben auch Schweizer Festhypotheken spürbar verteuert. Wie weit diese noch steigen können, hängt in erster Linie von der Europäischen Zentralbank ab.
11.07.2017 06:39
Von Ivo Ruch
Ein Eigenheim ist in der Schweiz immer noch sehr günstig.
Ein Eigenheim ist in der Schweiz immer noch sehr günstig.
Bild: pixabay.com

Hypotheken sind so teuer wie schon lange nicht mehr. Am Montag kostete eine durchschnittliche Schweizer Festhypothek mit einer Laufzeit von zehn Jahren 1,54 Prozent Zins. Vor drei Monaten stand der entsprechende Zins noch bei 1,47 Prozent. Insbesondere in den letzten zwei Wochen ist eine Beschleunigung des Anstiegs zu beobachten (Übersicht der günstigsten Anbieter).

Hintergrund dieser Verteuerung sind Verschiebungen am Obligationenmarkt. Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), äusserte sich Ende Juni positiv über die europäische Wirtschaft und die Inflationsentwicklung in der Euro-Zone (cash berichtete). Daraufhin sprangen nicht nur Renditen auf langfristige europäische Staatsanleihen in die Höhe. Derselbe Mechanismus zeigte sich auch in der Schweiz.

Am Montag betrug die Rendite zehnjähriger Schweizer Bundesanleihen 0,03 Prozent. Noch vor zwei Wochen stand sie noch bei -0,15 Prozent. Der "Eidgenoss" ist für die Preisgestaltung der langfristigen Festhypotheken massgebend.

Folgt der nächste Zinsbuckel?

In der jüngeren Vergangenheit folgte auf ein rasches Ansteigen der Anleiherenditen stets eine Gegenbewegung ähnlichen Ausmasses, so zum Beispiel nach der Wahl Donald Trumps im November und Dezember 2016. Auf dem Chart zeigen sich diese "Zinsbuckel" deutlich:

Renditeverlauf zehnjährige Bundesobligationen in den letzten zwölf Monaten (Quelle: cash.ch)

Erleben wir nun erneut einen solchen Buckel - oder sind die Zinsen dieses Mal in einer längeren Aufwärtsbewegung? Thomas Stucki, Anlagechef der St.Galler Kantonalbank, sieht weiterhin einen Trend leicht steigender Zinsen, das Ausmass künftiger Zinserhöhungen hält er aber für begrenzt. In zwölf Monaten erwartet er die zehnjährigen Schweizer Staatsanleihen zwischen 0,1 und 0,3 Prozent, wie er in einem Marktkommentar schreibt.

Mit noch etwas mehr Zins rechnet die Bank Raiffeisen: In drei Monaten sieht sie die entsprechende Rendite bei 0,1 Prozent, in zwölf Monaten bei 0,4 Prozent. Anderer Meinung ist man bei der liechtensteinischen VP Bank. Chefökonom Thomas Gitzel schreibt auf Anfrage: "Die Renditeaufwärtsbewegung sollte nicht fortgeschrieben werden. Wir rechnen vielmehr damit, dass wir in eine Konsolidierungsphase übergehen werden."

Ein (zu) euphorischer Markt

Als Grund nennt Gitzel die übertriebenen Erwartungen an eine Zinserhöhung der EZB im kommenden Jahr. Daran glaubt er nicht: "Wir rechnen damit, dass diese Erwartungen wieder ausgepreist werden." Auch für Florian Schubiger vom Finanzberater Vermögenspartner hat der Markt bei den langfristigen Zinsen zuletzt etwas zu euphorisch reagiert.

Umgemünzt auf den Hypothekarmarkt bedeutet das: weiter wie bisher. "Ich erkenne bei den Hypotheken eher ein Zwischenhoch als ein Ende der rekordtiefen Zinsen", sagt Hypotheken-Experte Florian Schubiger. Auf jeden Fall sei eine Normalisierung der Hypotheken noch weit entfernt. In anderen Worten: Die Immobilienfinanzierung dürfte in der Schweiz weiterhin günstig bleiben.