Häuser und Wohnungen verteuerten sich von April bis Juni nur noch um durchschnittlich 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Damit schwächte sich der Preisauftrieb bereits das fünfte Quartal in Folge ab. Er fiel damit so gering aus wie seit dem Sommer 2024 nicht mehr. Zu Jahresbeginn waren die Preise mit 1,2 Prozent noch doppelt so stark nach oben gegangen.
Als Gründe für die Entwicklung gelten neben den gestiegenen Bauzinsen auch hohe Materialkosten, die das Interesse potenzieller Käufer dämpfen. «Eine der grössten Schwierigkeiten besteht aktuell in den kräftig steigenden Baupreisen», sagte Analyst Benedikt Horwedel von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und fügte mit Blick auf den Iran-Krieg hinzu: «Die Verknappung von Baumaterialien durch die anhaltende Blockade der Strasse von Hormus wird diese Entwicklung in den kommenden Wochen wohl noch befeuern.»
Zudem hat die Europäische Zentralbank (EZB) wegen der höheren Inflation ihren Leitzins in diesem Jahr bereits zweimal angehoben - von 2,00 auf aktuell 2,50 Prozent. Das verteuert auch Immobilienkredite. Dem Finanzdienstleister Dr. Klein zufolge sind die Bauzinsen seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar 2026 um etwa 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte gestiegen. «Bauzinsen von mehr als vier Prozent werden vorerst wohl zur Realität gehören», sagte Analyst Horwedel. «Von einem Abwarten auf bessere Zeiten halten wir aktuell wenig. Entspannungstendenzen sind kaum ersichtlich.»
Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen rechnen für 2026 insgesamt mit einem Anstieg der Immobilienpreise von zwei Prozent, für 2027 von 2,5 Prozent. «Regionale Unterschiede treten immer deutlicher hervor», sagte LBBW-Experte Horwedel voraus.
Die Entwicklung verlief schon im vergangenen zweiten Quartal je nach Region und Immobilientyp sehr unterschiedlich. In den sieben grössten Metropolen (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf) gaben die Preise für Eigentumswohnungen im Jahresvergleich leicht um 0,4 Prozent nach, während Ein- und Zweifamilienhäuser um 0,7 Prozent teurer wurden.
In den Grossstädten ausserhalb der genannten sieben Metropolen zogen die Preise hingegen breiter an: Eigentumswohnungen verteuerten sich um 2,0 Prozent, Häuser um 0,7 Prozent. In dünn besiedelten ländlichen Kreisen gaben die Preise sowohl für Häuser (-0,4 Prozent) als auch für Wohnungen (-0,6 Prozent) nach, fanden die Statistiker heraus.
(Reuters)

