Sorgen über die Nachfrage nach KI-Technologien und Beschränkungen für chinesische Exporte haben die Spekulationsblase bei Werten aus den Branchen künstliche Intelligenz (KI) und Halbleiter platzen lassen. Der Ausverkauf hat den technologielastigen STAR50-Index in weniger als vier Monaten um 40 Prozent fallen lassen und rund 480 Milliarden Dollar an Marktwert vernichtet. Der Einbruch ist nicht nur ein schlechtes Omen für die Weltmärkte, sondern durchkreuzt auch Pekings Bemühungen, mit einem stabilen und berechenbaren Aktienmarkt den heimischen KI-Boom zu finanzieren und Sparer zum Investieren zu bewegen.
«Der Aktienmarkt entwickelte sich zu einer spekulativen, verrückten Hausse», sagt der in Peking ansässige Fondsmanager Dong Baozhen. «Und jetzt sehen wir, wie die Blase platzt.» Der Umschwung folgt auf eine zweijährige Rally, die weit über die Gewinne an den westlichen Märkten hinausging. Einen konkreten Auslöser für den Ausverkauf gab es nicht. Händler nannten jedoch eine Mischung aus überzogenen Bewertungen, anstehenden Steuerzahlungen und drohenden US-Exportverboten für chinesische Technologie als Gründe für die Talfahrt.
Besonders hart trifft der Absturz die Kleinanleger, die den chinesischen Markt dominieren. Die Aktien des Roboterherstellers Unitree, bei der Börseneinführung von Privatanlegern 8000-fach überzeichnet, haben sich seit ihrem Debüt im August halbiert. Der Chiphersteller CXMT verlor binnen eines Monats mehr als ein Viertel seines Wertes. Die Frustration ist gross, da viele wie der Kleinunternehmer Chen Wensheng auf das von Peking unterstützte Anlagethema vertrauten und nun hohe Verluste beklagen.
«Alle Blasen platzen zwangsläufig»
Die Folgen des Crashs dürften weitreichend sein. So sind die Aktien der einstigen Börsenlieblinge Zhongji Innolight und Eoptolink Technology um rund 60 Prozent eingebrochen, auch weil Washington erwägt, sie von der Belieferung von US-Rechenzentren auszuschliessen. «Dies wird viele Unternehmen, die einen Börsengang anstreben, abschrecken», sagt Hong Hao vom Vermögensverwalter Lotus Asset Management. Trotz des Absturzes sind die Bewertungen zudem weiter hoch. Der STAR50-Index wird immer noch mit dem 100-Fachen der Unternehmensgewinne gehandelt, verglichen mit dem 30-Fachen beim US-Index Nasdaq 100, was weitere Kursverluste befürchten lässt.
Der Rausch und seine Folgen stehen im Widerspruch zu den Bemühungen der Behörden, mit einem «langsamen Bullenmarkt» für stabilere Renditen zu sorgen. Kritiker sehen die Ursache in einer fehlgeleiteten Politik. «Wenn der hohe Technologieanteil überbetont wird – also das starke Gewicht von Tech-Unternehmen aufgrund ihrer Marktkapitalisierung in den grossen Indizes –, führt das zu Fehlentwicklungen, ja sogar zu Verzerrungen beim Anlageverhalten», erläutert Leo Wang von Qianchuang Capital. «Dadurch ist in einigen Branchen eine massive Blase entstanden, während aus anderen in erheblichem Umfang Kapital abgezogen wurde.» Einige Experten sehen in dem Ausverkauf auch Chancen. Andere sind vorsichtiger und erwarten Preiskämpfe. Wie alle anderen chinesischen Hersteller müssten sich auch die Chiphersteller und die KI-Firmen dem Wettbewerb stellen, kommentiert Fondsmanager Wang Zhuo. «Es gibt keine Ausnahme. Alle Blasen platzen zwangsläufig.»
(Reuters)

