Eigentumswohnungen in Deutschland haben sich erstmals seit mehr als zwei Jahren verbilligt. Die Preise sanken im Sommer-Quartal um 0,2 Prozent zum Vorjahr, ‌wie ⁠des Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Donnerstag mitteilte. Dies sei das erste Minus ⁠seit Frühjahr 2024. Gegenüber dem Vorquartal legten die Preise für Eigentumswohnungen zwar um 0,5 Prozent zu. ‌Dies reichte jedoch nicht aus, um einen Rückgang vom ‌Herbst 2025 auszugleichen. Der Index basiert auf ​notariell beurkundeten Verkaufspreisen.

«Der Preisanstieg bei Eigentumswohnungen ist praktisch zum Stillstand gekommen», sagte IfW-Immobilienexperte Jonas Zdrzalek. Das erste Minus im Jahresvergleich seit mehr als zwei Jahren markiere eine Trendwende. Auch die Inseratsdaten sprächen für einen schwächeren Markt. «Wohnungen und Häuser bleiben länger ‌inseriert, und die Angebotspreise werden häufiger nach unten angepasst.»

Auch weniger Immobilien verkauft

Inflationsbereinigt sanken die Preise in allen Segmenten. Zudem wurden weniger Immobilien verkauft. Im zweiten Quartal sank die ​Zahl der verkauften Eigentumswohnungen im Jahresvergleich um 1,7 Prozent, bei ​Einfamilienhäusern betrug der Rückgang sogar 8,2 Prozent.

Die Entwicklung ​auf den städtischen Wohnungsmärkten verlief uneinheitlich. Während die Preise in Köln und Frankfurt am Main im ‌Quartalsvergleich um 2,8 und 2,4 Prozent stiegen, fielen sie in Berlin um 0,9 Prozent. Eine Sonderauswertung zeigt zudem, dass sich teure Märkte schwerer erholen. So lagen ​die Preise ​in Stuttgart zuletzt noch fast 22 ⁠Prozent unter ihrem früheren Höchststand, während sie in Leipzig ​bereits wieder 3,6 ⁠Prozent darüber lagen.

Experte: Teure Märkte reagieren stärker auf Zinsen

«Von einer flächendeckenden Erholung kann ‌keine Rede sein», erklärte Zdrzalek. «Während einige günstigere Märkte ihre früheren Höchststände bereits wieder erreicht haben, liegen viele teure Märkte noch deutlich darunter.» Eine ‌mögliche Erklärung sei hier die stärkere Zinsempfindlichkeit. «Wo Immobilien schon vor der ​Zinswende teuer waren und vergleichsweise geringe Renditen boten, dürften die gestiegenen Finanzierungskosten besonders stark auf die Preise gewirkt haben.»

(Reuters)