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Industriekonzern - Die ABB-Aktie vor der Bewährungsprobe

25 Franken: Der Aktienkurs von ABB steht wieder so hoch wie zuletzt im Jahr 2008. Doch der Industrieriese steht vor mehreren Herausforderungen - und mit den Quartalszahlen wartet der nächste Prüfstein für die Aktionäre.
24.10.2017 15:58
Von Ivo Ruch
Ulrich Spiesshofer, seit September 2013 CEO von ABB.
Ulrich Spiesshofer, seit September 2013 CEO von ABB.
Bild: cash

Lange Zeit galt diese Finanz-News als höchst unwahrscheinlich: Die Aktie von ABB löst sich nachhaltig von 20 Franken und knackt gar die Marke bei 25 Franken. Doch genau das ist in der jüngsten Vergangenheit eingetroffen. Am vergangenen Freitag übersprang der ABB-Aktienkurs erstmals seit mehr als neun Jahren 25 Franken. Er schloss auf dem höchsten Stand seit September 2008. Für ABB-Aktionäre nimmt dieses Ereignis fast schon historische Züge an, wie der folgende Chart zeigt.

Jahrelanger Seitwärtstrend: Die ABB-Aktie in den letzten zehn Jahren (Quelle: cash.ch)

Alleine seit Anfang September 2017 ist die ABB-Aktie um mehr als 10 Prozent angestiegen. Wofür es verschiedene Gründe gibt. Ermutigend sind für die ABB-Aktionäre bestimmt die positiven Signale der globalen Konjunktur. Der Industriekonzern gilt an der Börse als konjunktursensitiv, weil er beispielsweise von Investitionen in Infrastrukturprojekte profitiert.

Kurstreibend dürfte auch der "Technologietag" in Detroit am 6. September gewesen sein. Das Management von ABB teilte mit, die Marktdynamik sei dabei sich zu verbessern und ABB werde zu profitablem Wachstum zurückfinden. Weiterhin für die ABB-Aktie spricht auch die überdurchschnittliche Dividendenrendite von rund 3 Prozent.

Erneut ein Übergangsjahr?

Zu beachten sind auch die bevorstehenden Geschäftszahlen zum dritten Quartal, nämlich am 26. Oktober. Die letzten Enttäuschungen beim Bestellungseingang haben dafür gesorgt, dass die Erwartungen tief sind. So könnte es hier eventuell zu einer Überraschung kommen. Die Bank Vontobel schreibt denn auch in einem aktuellen Kommentar, dass der Rückenwind von der makroökonomischen Situation zu mehr Bestellungen, Gewinnwachstum und einem Profitabilitätsschub führen könnte.

Der Analysten-Konsens bei den Bestellungen für das dritte Quartal liegt bei 8 Prozent Wachstum im Vergleich zum Vorjahr, beim Umsatz sind es 3 Prozent. Doch nicht alle teilen diese Einschätzung. Denn die momentan stärkste zyklische Erholung findet in Europa statt. Und hier gehört ABB mit einem Europa-Umsatzanteil von 34 Prozent nicht zu den grössten Profiteuren – verglichen mit anderen Industrieunternehmen wie Siemens.

Mit Blick auf das kommende Jahr wirft die Deutsche Bank gar die Frage auf, ob 2018 erneut zu einem Übergangsjahr werde. Das Geschäft mit Stromübertragungen (Power Grids) – die grösste ABB-Division – werde organisch kaum wachsen. Zudem dürften die Grossübernahmen von GE Industrial Solutions (im Wert von 2,6 Milliarden Dollar) und B&R (ca. 1,5 Milliarden Franken) Margen sowie Umsatz für die nächsten zwei Jahre belasten. Ob sich diese Deals zum "Game Changer" für ABB entwickeln, wird mehr als bezweifelt.

Warten auf den «Game Changer»

Bleibt die Vision des Managements. Bislang hat es CEO Ulrich Spiesshofer nicht geschafft, den Konzern gegenüber der Konkurrenz deutlich besser zu positionieren. Klar, die Roboter-Sparte gilt als zukunftsträchtig. Doch gleichzeitig bleiben die Märkte für Öl und Gas oder Bergbau sehr anspruchsvoll.

Stellvertretend für die Schwierigkeit, ABB voran zu bringen, war der Ausblick anlässlich der letzten Resultate. Bis auf wenige Worte brauchte das Management dasselbe Vokabular wie in den letzten fünf Quartalen zuvor.

Wird 2018 nicht zum Jahr der erhofften Belebung, dürften auch die Grossaktionäre wieder aktiver werden. Investor AB und Cevian Capital vereinen gut 16 Prozent aller Stimmen. Gerade Cevian sorgte mit der Forderung nach einer Abspaltung der Division "Power Grids" für Aufsehen. Getan hat sich diesbezüglich offensichtlich wenig. Aktionäre müssen das als zusätzliches Risiko – oder Chance? – im Auge behalten.