Sie rechnen in ihrem ‌am ⁠Donnerstag vorgelegten Herbstgutachten damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen im ⁠Dezember zum dritten Mal im laufenden Jahr anheben wird. Bei einer Erhöhung ‌um einen Viertelpunkt dürfte der für die Geldpolitik ‌relevante Einlagensatz dann bei 2,75  Prozent ​liegen. «Dem dürften die Zinssätze an den Geldmärkten folgen», heisst es in der sogenannten Gemeinschaftsdiagnose der Institute.

Im Zuge anziehender Energiepreise und gestiegener kurzfristiger Inflationserwartungen hatte der EZB-Rat um Präsidentin Christine Lagarde den Leitzins ‌im Juni und im September um je 0,25 Prozentpunkte angehoben - auf aktuell 2,50 Prozent.

Die Teuerungsrate im Euroraum war im August auf ​3,2 Prozent gestiegen. Wegen des Iran-Krieges und der ​damit verbundenen höheren Benzin- und Gaspreise ​rechnen einige Experten bis zum Jahresende mit einem Anstieg auf vier Prozent. ‌Der Preisschub bei Energie hat an den Finanzmärkten die Wetten auf weitere Zinserhöhungen angeheizt. Dabei wird auch darüber spekuliert, ob die EZB bereits ​Ende ​Oktober den nächsten Schritt ⁠nach oben machen könnte.

Das österreichische EZB-Ratsmitglied Martin ​Kocher schliesst weitere Zinserhöhungen ⁠im Kampf gegen die Inflation nicht aus und verweist dabei ‌auf die robuste Konjunktur im Euroraum. Die EZB werde angesichts der grossen Unsicherheit, auch durch den Preisschock im ‌Nahen und Mittleren Osten, die Situation bei jeder ​Sitzung neu bewerten, sagte er der Tageszeitung «Kurier».

(Reuters)