Insurtech - «Blockchain kann die Versicherungen bis zehnmal günstiger machen»

Blockchain nimmt nicht nur Banken ins Visier, sondern auch die Versicherer. An vorderster Front dabei ist das Start-up Etherisc. cash sprach mit CEO Stephan Karpischek über neue und günstige Versicherungslösungen.
25.10.2017 16:45
Von Pascal Züger
Stephan Karpischek, Mitgründer und Geschäftsführer von Etherisc.
Bild: cash

In der Bankbranche ist der digitale Umbruch schon längst im Gange: Prozesse werden vereinfacht, Geschäfte zunehmend online abgewickelt, Mitarbeiterbestände reduziert. Im Hinterkopf haben die Banken dabei immer auch die Blockchain-Technologie, auf der etwa die Kryptowährung Bitcoin basiert. Die Technologie könnte dereinst die ganze Branche umwälzen. 

Etwas gemächlicher als bei den Banken scheint diese Entwicklung in der Versicherungsbranche vonstatten zu gehen: "Dass Blockchain eine wichtige Rolle spielen wird, fängt erst langsam an ins Bewusstsein der Versicherungen zu dringen", sagt Stephan Karpischek, Mitgründer und Geschäftsführer von Etherisc im Video-Interview mit cash.

Der Etherisc-Chef geht davon aus, dass in den nächsten "ein bis zwei Jahren" erste massentaugliche Versicherungsprodukte basierend auf Blockchain auf den Markt kommen werden. Der grosse Wandel in der Branche soll dann in "drei bis fünf oder vielleicht noch mehr Jahren" kommen. Derzeit befinde man sich noch in einem Experimentier-Stadium.

Karpischek ist einer, der intensiv an Blockchain-Versicherungen tüftelt: Sein Start-up Etherisc - in Oberbayern gegründet, seit kurzem aber in Zug ansässig - gibt es erst seit Juli 2016 und gewann in diesem Frühling in München den erstmals verliehenen "Blockchain Oscar" in der Kategorie "innovativstes Blockchain-Start-up".

Flugverspätungs- und Ernteausfall-Versicherung

Etherisc baut dezentrale Versicherungen, die in einem sogenannten Smart Contract laufen. Das sind Verträge, die strikte Regeln befolgen und automatisch abgewickelt werden. Das erste marktreife Produkt ist eine Flugverspätungs-Versicherung, die im Fall einer Verspätung dem Versicherten automatisch Geld ausbezahlt.

"Das Interessante dabei ist, dass kein Versicherungsunternehmen mehr notwendig und beteiligt ist", sagt Karpischek. Alles was es brauche, sei ein Stück Software, welches die Einzahlungen sammelt und im Schadensfall auszahlt. "Also genau das, was heute eine Versicherung macht."

Ganz so einfach ist es allerdings doch nicht. Traditionelle Versicherungen fallen bei der Flugverspätungs-Versicherung nur weg im Fall des Prozessablaufes. Denn nicht das Insurtech Etherisc garantiert selber die Policen, sondern die Atlas Insurance in Malta - laut Eigendeklaration einer der führenden Versicherer des Landes. Das ist deshalb so, weil aus regulatorischer Sicht ein Versicherer hinter dem Produkt stehen muss. 

Nach Meinung von Insurtech-Firmen wäre eine Absicherungen jedoch gar nicht notwendig, da der Smart Contract von sich aus eine Abdeckung der Kosten garantieren soll. Kritiker hingegen monieren, dass es nie eine hundertprozentige Sicherheit gibt und etwa ein Softwarefehler doch zu grösseren Verlusten führen könnte.

Screenshot der "Flight Delay Dapp" von Etherisc (Für Link auf Bild klicken).

Das erste Projekt von Etherisc soll indes erst der Anfang sein: Die Firma arbeitet derzeit an einer Lösung für eine Ernteausfall-Versicherung für Bauern, die dank Smart Contracts und dem Zugriff auf Wetterdaten Schadensfälle vollautomatisch abwickeln soll. Das könnte etwa für Bauern in Entwicklungsländern interessant sein, die sich aktuell oftmals keine Versicherung leisten können.

Dank der neuen Technologie sollen nicht nur Prozesse von Versicherern beschleunigt, sondern auch Kosten massiv gedrückt werden: "Wir können mit Blockchain die operativen Kosten für Versicherungslösungen bis zum Faktor zehn senken", ist Karpischek überzeugt. Das ermöglicht auch den Zugriff auf noch unerschlossene Märkte, wo sich eine Versicherung bisher finanziell nicht lohnte.

Diese Entwicklung dürfte die traditionellen Versicherer herausfordern, da ihnen Konkurrenz mit weitaus günstigeren Produkten und effizienteren Prozessen droht. Zumindest verschliessen sich diese nicht komplett vor diesen Neuerungen und stehen in regem Austausch zu innovativen Start-ups der Insurtech-Szene. Dazu tragen Anlässe wie etwa die "InsurTech17"-Konferenz in Zürich bei, an der auch das Interview durchgeführt wurde.

Im Video-Interview mit cash , das an der "InsurTech17"-Konferenz in Zürich geführt wurde, äussert sich Stephan Karpischek detaillierter zu dezentralisierten Versicherungslösungen.