Unumstritten ist Jim Cramer nicht. Das Auftreten des früheren Hedgefonds-Managers, der durch das Format "Mad Money" des US-Senders CNBC sehr bekannt geworden ist, gefällt nicht allen. Oft gleichen seine Moderationen eher einem "rant", also so etwas wie Schimpftiraden. Auf Twitter legt sich Cramer mit unerschütterlichem Elan mit anderen Userinnen und Usern an. Seine Allüren sind Gesprächsthema an der Wall Street und auf Social Media. Manche nennen ihn einfach einen Wall-Street-Clown. 

Fans folgen Cramer auch auf dem Blog "The Street", den er mitbegründet hat und wo er regelmässig Beiträge verfasst. Wer gepfefferte Aussagen mag, schätzt Cramer. Wer Anlegen eher als einen Vorgang des ruhigen Überlegens sieht, dürfte gegenüber dem Mad-Money-Host etwas skeptischer eingestellt sein. 

Vor allem in der jetzigen Marktlage. Eine Reihe von Prognosen, mit denen er falsch gelegen hat, haben Cramers Image getrübt. Cramer ist durchaus tech-affin und hat ähnlich wie Wall-Street-Übermutter Cathie Wood die hohen Bewertungen von Zukunftsaktien für eine lange Zeit kleingeredet. Als die Kryptoplattform Coinbase vor rund 13 Monaten an die Börse ging, sagte Cramer einen Kurs von 475 Dollar voraus. Im allgemeinen Krypto-Kater angekommen, handelt der Titel inzwischen für 66 Dollar.  

So etwas lässt Social Media nicht kalt. Die Häme gegenüber dem zeitweise gefeierten Wall-Street-Star folgt auf dem Fuss. Der Twitter-Account "Inverse Cramer ETF (Not Jim Cramer)" gehört zu jenen, welche die grössten Fehlgriffe des omnipräsenten Stock Pickers kommentieren.

 

 

Anders, als es der Name sagt, steckt dahinter aber kein ETF. Doch die Idee, immer gegen etwas zu wetten, was Cramer gerade empfiehlt, ist auf Chat-Plattformen beliebt geworden. Dies liegt zunächst auf der Hand: Cramer hat beispielsweise auch Netflix, Robinhood oder AMC empfohlen. Netflix ist fast 70 Prozent weniger wert als Anfang Jahr, Robinhood hat 45 Prozent verloren und bei AMC steht das Minus bei 54 Prozent. Diese Titel zu shorten hätte Rendite gebracht.

Die Index-Informationsdienstleister von IndexOne zeichnen die Performance eines imaginären "Anti-Cramer-ETF" aufgrund von dessen Twitter-Empfehlungen nach. Die Jahres-Performance eines ETF, der das Gegenteil von Cramers Tipps investieren würde, läge allerdings bei -17 Prozent. Immerhin wäre dies ein etwas geringeres Minus als beim S&P 500, der fast 19 Prozent eingebüsst hat. 

 

 

Komplett unrealistisch ist die Idee eines solchen Fondsvehikels nicht. Gegen Cathie Wood wettet seit vergangenem Jahr ein ETF. Das Anlageprodukt mit dem Tickersymbol "SARK" setzt auf fallende Kurse bei den Aktien, die in Woods ETF "Ark Innovation" als Long-Positionen enthalten sind. Der "Tuttle Capital Short Innovation ETF" hat seit Anfang Jahr eine Performance von 75 Prozent erlebt. Cathie Woods Vorzeige-ETF hat im Zuge der Kurseinbrüche hoch bewerteter Technologieaktien in der gleichen Zeitperiode 56 Prozent verloren.

Inverses Investieren ist per se nichts ungewöhnliches. Jeder Put, mit dem auf fallende Kurse gesetzt wird, zielt auf das Gegenteil entsprechender Long-Strategien. Auch wird gegen Indices, Rohstoffe oder Währungen gewettet. Allerdings sind Anlageprodukte, die sich gegen spezifische Personen oder Fonds richten, eher neu und letztlich ein Phänomen der "Meme-Stock"-Ära, in der soziale Medien gerade für Retail-Traderinnen und -Trader beim Anlegen eine wichtige Rolle übernommen haben.