Investieren - Wegen Rezessionsangst: Reichste Familien der Welt horten ihr Geld

Unter den sehr vermögenden Anlegern herrscht derzeit mit Blick auf die Aktienmärkte mehr Vorsicht und Angst.
30.09.2019 00:48
Superreiche sind vorsichtig beim Anlegen. Ein Rolls Royce vor dem Peninsula Hotel in Hongkong.
Superreiche sind vorsichtig beim Anlegen. Ein Rolls Royce vor dem Peninsula Hotel in Hongkong.
Bild: cash

Rick Stone, ein ehemaliger Partner von Cadwalader, Wickersham & Taft, erwartet schwierige Zeiten für Family Offices bei ihren Anlagebestrebungen. Der Leiter des Stone Family Office bezweifelt, dass der Anleihemarkt in den nächsten zehn Jahren eine Realrendite einbringen wird. Bei den Aktienmärkten erwartet er einen erheblichen Rückschlag und eine anschließende Stagnation. Auch dürfte weiterhin zu viel Risikokapital und Private-Equity-Geld auf der Jagd nach zu wenigen Anlagemöglichkeiten sein.

“Für Family Offices sind es sehr schwierige Zeiten für die Allokation von Geldern”, sagte der 60-jährige Stone, dessen anfänglicher Reichtum aus den Provisionen für Sammelklagen kam.

Stone hat einen guten Überblick über das Geschehen, da er die zweimonatlichen Treffen der Palm Beach Investment Research Group leitet, einem Netzwerk von 35 Family Offices. “Es gibt weniger Bereiche, in die investiert werden kann, aber viel Geld ist auf der Suche nach Anlagechancen”, sagte er.

Diese Sicht der Märkte wird von vielen der 360 globalen Single- und Multi-Family-Offices geteilt, die für den UBS Global Family Office Report 2019 befragt wurden, der in Zusammenarbeit mit Campden Research erstellt und am Montag veröffentlicht wurde. Eine Mehrheit erwartet, dass die Weltwirtschaft bis 2020 in eine Rezession abgleitet, wobei der höchste Prozentsatz der pessimistischen Umfrageteilnehmer aus den Schwellenländern kommt. Rund 42% der Family Offices auf der ganzen Welt erhöhen die Liquiditätsreserven.

"Mehr Vorsicht"

“Unter den sehr vermögenden Anlegern herrscht it Blick auf die öffentlichen Aktienmärkte mehr Vorsicht und Angst”, sagte Timothy O’Hara, Präsident des Rockefeller Global Family Office. “Deswegen denken mehr Leute über private Investments, alternative Investments oder Bargeld nach.”

Jeffrey Gundlach, Chief Investment Officer von DoubleLine Capital, sagte in diesem Monat, er sehe eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent für eine US-Rezession vor den Präsidentschaftswahlen im November 2020. Indes hat die Weltbank ihre weltweite Wachstumsprognose auf den niedrigsten Wert seit der Finanzkrise gesenkt.

Der Bericht von UBS/Campden bietet einen Einblick in die verschwiegene Welt der Family Offices, die sich um Vermögen, Steuerangelegenheiten und sogar den Lebensstil der Reichen kümmern.

Family Offices sind auf den globalen Finanzmärkten zu einer immer stärkeren Kraft geworden. Campden-Schätzungen zufolge verwalten solche Unternehmen rund 5,9 Billionen Dollar. Die Family Offices in der UBS-Umfrage betreuten im Durchschnitt ein Vermögen von 917 Millionen Dollar.

Die Anlageergebnisse waren durchwachsen bei den Teilnehmern der Umfrage, die zwischen Februar und März durchgeführt wurde. Laut UBS lag die durchschnittliche Family-Office-Rendite in den 12 Monaten vor der Befragung bei 5,4%. Aktien aus Industrieländern erwiesen sich als eine große Enttäuschung, sie kamen auf eine durchschnittliche Rendite von 2,1%. Die höchsten durchschnittlichen Zuwächse von 6,2% verzeichneten Family Offices in den Regionen Asien-Pazifik und den Schwellenländern, gefolgt von 5,9% in Nordamerika und 4,3% in Europa.

Star-Performer

Private Equity war unter den Anlageklassen der Star-Performer mit einer durchschnittlichen Rendite von 16% für Direktanlagen und 11% für fondsbasierte Anlagen. Auch Immobilien schnitten mit einer durchschnittlichen Rendite von 9,4% gut ab und machen nun 17% des durchschnittlichen Family-Office-Portfolios aus, ein Plus von 2,1 Prozentpunkten gegenüber der Vorjahresumfrage. Im kommenden Jahr wollen 46% der Familien mehr Geld in direkte Private-Equity-Investments stecken, wobei laut Umfrage 42% mehr in Private-Equity-Fonds und 34% mehr in Immobilien investieren wollen.

Family Offices konzentrieren sich zunehmend auch auf eine andere Art von potenziellen Störungen, die Nachfolgeplanung. In diesem Jahr gaben 54% der Befragten an, einen Nachfolgeplan zu haben, gegenüber 43% im Vorjahr.

(Bloomberg)