Wie die Nachrichtenagentur Reuters von mehreren Personen erfuhr, warnte Teheran die mit den USA verbündeten Golfstaaten, dass jeder neue Angriff der USA auf Irans Staatsgebiet Vergeltungsmassnahmen gegen die kritische Energieinfrastruktur in der gesamten Region nach sich ziehen würde. Diese Botschaft wurde demnach im Zuge einer Reihe hochrangiger diplomatischer Kontakte übermittelt, nachdem US-Präsident Donald Trump seinerseits am 28. Juli damit gedroht hatte, das Energienetz und die Infrastruktur der Islamischen Republik anzugreifen. Am 2. August erklärte Trump schliesslich, er habe der Absage des Angriffs auf den Iran zugestimmt – unter der Voraussetzung, dass rasch eine Einigung erzielt werden könne.
Insider berichten, der saudiarabische Kronprinz Mohammed bin Salman habe den US-Präsidenten gedrängt, von militärischen Massnahmen abzusehen. Er solle stattdessen an den Verhandlungstisch zurückkehren und eine diplomatische Lösung anstreben. Der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi habe zuvor mit seinen Kollegen aus Saudi-Arabien, der Türkei und Katar sowie mit dem pakistanischen Armeechef gesprochen. Araghtschi habe die Verbündeten Washingtons am Golf dazu gedrängt, ihren Einfluss auf Trump geltend zu machen, um ihn von erneuten Angriffen abzubringen, sagte ein hochrangiger Diplomat. Die iranische Warnung sei unmissverständlich gewesen: Sollten die USA die Infrastruktur des Iran ins Visier nehmen, würde man mit Angriffen auf Energieanlagen am Golf und andere regionale Ziele zurückschlagen.
Martialische Warnungen
Dieses diplomatische Vorgehen lässt darauf schliessen, dass der Iran versucht, die Drohung einer umfassenden regionalen Zerstörungskampagne als Druckmittel gegen weitere US-Angriffe einzusetzen. Damit geraten die Golfstaaten, von denen einige US-Militärstützpunkte beherbergen und bereits durch iranische Attacken in den Nahost-Krieg hineingezogen wurden, in eine schwierige Lage. Katar, Oman und Saudi-Arabien haben Washington laut den Insidern aufgefordert, einen erneuten Konflikt abzuwenden: Dies auch vor dem Hintergrund martialischer iranischer Warnungen, wonach eine weitere Runde von US-Angriffen die Region in einen «Feuerball» verwandeln könnte.
(Reuters)

