Der Iran hat den USA nach der Ankündigung neuer Sanktionen mit Vergeltung gedroht. Das ‌Land sei ⁠vollständig auf die US-Strafmassnahmen vorbereitet, sagte Wirtschaftsminister Ali Madanizadeh im Staatsfernsehen. Die Gegner beabsichtigten wirtschaftlichen Terror, doch der ⁠Iran habe eigene Instrumente. Die militärische Doktrin sei nicht mehr nur defensiv, die Feinde sollten sich auf einen Angriff einstellen. Unterdessen zeichnete sich ‌bei den Vermittlungsbemühungen Pakistans eine Annäherung ab. Bei den jüngsten Gesprächen in Teheran seien ‌signifikante Fortschritte erzielt worden, teilte das pakistanische Militär am ​Dienstag mit. Im Mittelpunkt stand demnach, weiteres Eskalation zu vermeiden und die Strasse von Hormus wieder zu öffnen.

US-Finanzminister Scott Bessent hatte am Montag die neuen Sanktionen vorgestellt, die den Iran dazu bringen sollen, in dem Konflikt nachzugeben. Bessent verzichtete jedoch auf die schärfsten denkbaren Sanktionen. So blieben chinesische Finanzinstitute unter dem Verdacht, den iranischen Ölhandel zu unterstützen, ‌verschont: Sie stehen nicht auf der neuen Sanktionsliste mit 60 Personen, Organisationen und Schiffen. Länder, die weiterhin Handel mit dem Iran treiben, liefen jedoch Gefahr, aus dem dollarbasierten Finanzsystem ausgeschlossen zu werden, erklärte Bessent. Er wolle den betroffenen Staaten ​Zeit geben, sich an die neuen Vorgaben anzupassen.

China ist seit Jahren der grösste ​Abnehmer von iranischem Öl. Experten zufolge will Washington Vergeltungsmassnahmen Pekings vor einem ​für September geplanten Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping vermeiden. Das chinesische Aussenministerium erklärte, Sanktionen und Druckmittel seien nicht ‌hilfreich.

Kaum Verkehr in der Stasse von Hormus

Im Zentrum der pakistanischen Vermittlungsbemühungen steht die Lage in der Strasse von Hormus. Am Montag passierten nach Schifffahrtsdaten lediglich zwei Rohstofffrachter die strategisch wichtige Meerenge – der niedrigste Tageswert seit Anfang Mai. Normalerweise wird ​etwa ein ​Fünftel des weltweiten Rohöls und verflüssigten Erdgases durch die ⁠Meerenge transportiert. Brigadegeneral Hossein Mohebbi von den iranischen Revolutionsgarden drohte den USA ​dem Sender Press TV zufolge ⁠mit militärischer Vergeltung, sollte die iranische Infrastruktur bedroht werden.

Der Konflikt hatte vor fast sechs Monaten mit amerikanischen und israelischen ‌Angriffen auf den Iran begonnen. Seitdem sind Tausende Menschen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen im Iran und im Libanon. Ein im Juni geschlossenes Interimsabkommen ist mittlerweile Makulatur. Obwohl der Krieg ‌die konventionelle militärische Schlagkraft des Irans geschwächt und den damaligen geistlichen Führer Ajatollah Ali ​Chamenei das Leben gekostet hat, verfügt das Land weiterhin über genügend Raketen- und Drohnenarsenale, um Schiffe in der Region zu bedrohen. Der genaue Stand des iranischen Atomprogramms ist unklar.

(Reuters)