UK Maritime Trade Operations hat in diesem Monat bereits neun Angriffe in der Wasserstrasse gemeldet. Das entspricht der Hälfte der Gesamtzahl, die die Organisation für den gesamten September in der Strasse von Hormus und im Persischen Golf zusammen registrierte. Die Zahl im vergangenen Monat wurde durch vier Angriffe in den letzten beiden Septembertagen erhöht. Das unterstreicht die jüngste Beschleunigung.

Schiffe in Hormus sind während eines Grossteils des Iran-Kriegs angegriffen worden, allerdings mit unterschiedlicher Intensität. Frühere Wellen heftiger Angriffe führten zu vorübergehenden Rückgängen der Lieferungen. Diese Einbussen wurden jedoch häufig durch höhere Mengen an den darauffolgenden Tagen ausgeglichen.

Für maritime Sicherheit zuständige Beamte und Führungskräfte aus der Schifffahrt sagten, es sei noch unklar, ob die jüngste Eskalation zu einem Rückgang der Lieferungen durch Hormus führen werde. Auch die Auswirkungen auf die Gastransporte auf dem Seeweg bleiben ungewiss. Diese hatten in den vergangenen Wochen ebenfalls leicht zugenommen.

Die Menge an Energie, die durch Hormus fliesst, ist entscheidend für die Entwicklung der Öl- und Gaspreise. Das gilt insbesondere mit Blick auf den bevorstehenden Winter auf der Nordhalbkugel. Die jüngsten Preissteigerungen haben Sorgen verstärkt, dass anhaltender Inflationsdruck in grossen Volkswirtschaften höhere Zinsen nach sich ziehen könnte.

Um den Markt zu entlasten, kündigten mehrere Verbraucherländer in der vergangenen Woche Pläne zur Freigabe von Millionen Barrel aus Notfallreserven an. US-Präsident Donald Trump prüft unterdessen Möglichkeiten, die inländischen Kraftstoffpreise vor den Zwischenwahlen zu dämpfen.

Jeder Rückgang der Transporte durch Hormus würde diese Risiken zusätzlich erhöhen.

US-Vizepräsident JD Vance hat bei den US-Verhandlungen mit dem Iran eine Rolle gespielt. In einem Interview mit Reuters sagte er, jede Vereinbarung über eine Wiederöffnung der Meerenge und ein Ende des Kriegs müsse vorsehen, dass Teheran seine Fähigkeit zur Urananreicherung verringere. Blosse Zusicherungen über einen künftigen Abbau der nuklearen Kapazitäten reichten nicht aus.

Vance sagte Reuters, die USA führten Gespräche mit dem Präsidenten und dem Aussenminister des Iran. Zugleich sei unklar, wer in dem Land die Entscheidungen treffe.

Brent-Rohöl stieg im frühen asiatischen Handel um 0,8 Prozent auf mehr als 101 Dollar je Barrel. Anleger wogen dabei die gestiegenen Transporte durch die Strasse von Hormus gegen die Zunahme iranischer Angriffe auf Schiffe ab.

«Angst und Unsicherheit»

«Der Iran scheint zu versuchen, durch eines seiner etabliertesten Zwangsmittel eine stärkere Kontrolle über die Strasse von Hormus durchzusetzen: Angst und Unsicherheit», schrieb Dimitris Maniatis in einer Mitteilung. Er ist Vorstandsvorsitzender des Risikomanagementunternehmens Marisks. «Der Iran muss nicht jedes Schiff stoppen; er muss die maritime Industrie glauben lassen, dass jedes Schiff das nächste sein könnte.»

Die meisten Tanker passieren Hormus über einen Korridor nahe der Küste Omans. In der Regel durchqueren sie die Meerenge mit abgeschalteten digitalen Signalen. Händler und Analysten werten deshalb Satellitenbilder und Schifffahrtsdaten aus, um zu ermitteln, wie viel tatsächlich transportiert wird.

Der Ölfluss durch die Wasserstrasse hat seit Beginn des Sommers stetig zugenommen. In der vergangenen Woche erklärten einige Wall-Street-Banken, die Lieferungen näherten sich dem Niveau vor dem Krieg. Führende Rohstoffhändler sagten in dieser Woche beim Energy Intelligence Forum in London, die Transporte aus dem Nahen Osten lägen ihrer Einschätzung nach bei rund 80% des Niveaus vor Beginn des Konflikts. Dies hatte dazu beigetragen, dass Brent-Rohöl wieder unter 100 Dollar je Barrel fiel.

Die Lieferungen von Flüssigerdgas sind seit Beginn des Kriegs stärker begrenzt geblieben. Doch auch sie nahmen vor den jüngsten Angriffen unauffällig zu. Der Anstieg verlief langsamer als beim Öl. LNG wird von einer wesentlich kleineren Flotte hoch spezialisierter Transportschiffe befördert, die den Brennstoff auf Tieftemperatur halten.

Die jüngsten Angriffe haben zudem einen erneuten Anstieg der Frachtraten ausgelöst. Die Kosten für den Öltransport aus dem Persischen Golf nach China stiegen am Montag auf den Rekordwert von 1,3 Millionen Dollar pro Tag. Das zeigen Daten der Baltic Exchange in London. Im vergangenen Jahr lag die Rate im Durchschnitt bei knapp 60'000 Dollar pro Tag. Sie ist stark gestiegen, da die Zahl der Reeder abgenommen hat, die bereit sind, Hormus zu durchqueren.

(Bloomberg/cash)

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