Kristalina Georgiewa forderte politische Entscheidungsträger auf, Bildung neu zu denken und jetzt zu handeln, damit sich die Gesellschaft anpassen kann. «Es ist ein langsam heranrollender Tsunami, aber dennoch ein Tsunami», sagte Georgieva diese Woche bei ihrem ersten Auftritt auf der Jahrestagung des IWF und der Weltbank in Bangkok.

Bei einer Veranstaltung über die Auswirkungen von KI auf die Beschäftigung sagte Georgiewa, die Technologie verringere bereits die Nachfrage nach vielen menschlichen Arbeitskräften, indem sie routinemässige und repetitive Aufgaben übernehme. Gleichzeitig nehme die Zahl niedrig bezahlter Arbeitsplätze in Branchen wie dem Bauwesen zu. Das sei «keine Geschichte, die man feiern sollte», sagte sie.

«Es handelt sich um einen Wandel mit weitreichenden Folgen für die öffentlichen Finanzen», so Georgiewa. «Das Risiko besteht darin, dass KI die Staatseinnahmen belastet, indem sie die Wirtschaft hin zum Kapital und weg von der Arbeit – traditionell die wichtigste Steuerquelle – verschiebt.»

Die Äusserungen sind die jüngste Warnung vor einem möglichen Schock durch KI für Arbeitsplätze und die Weltwirtschaft. Bei jungen Arbeitnehmern in Bereichen, die KI besonders ausgesetzt sind, haben sich die Einstellungen bereits verlangsamt. Dadurch sind neue Bewerber für Einstiegspositionen deutlich anfälliger. Zugleich wächst die Sorge, dass die Technologie die Ungleichheit vergrössert. Trotz eines globalen Investitions-Superzyklus konzentrieren sich ihre Vorteile bislang auf eine kleine Gruppe von Arbeitnehmern und Volkswirtschaften.

«Wir können uns heute nicht vorstellen, wie genau die Arbeitswelt in fünf Jahren aussehen wird», sagte Georgiewa. «Aber wir können diszipliniert vorgehen und sorgfältig bewerten, was geschieht, und daraus dann Lehren ziehen, aber - und das ist das Wichtigste - schon jetzt danach handeln.»

Trotz des Gegenwinds für die Beschäftigung kann sich die Technologie insgesamt letztlich positiv auf das Wachstum auswirken. Nach Schätzungen des IWF kann die Verbreitung von KI das Wachstum in fortgeschrittenen asiatischen Volkswirtschaften um bis zu einen Prozentpunkt steigern.

Ein solcher Wachstumsschub «ist eine sehr grosse Sache», sagte Georgiewa. Er werde die demografische Belastung in den vermögenden Ländern der Region «mehr als ausgleichen».

(Bloomberg)

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