Die Weltwirtschaft hat den durch den Nahost-Krieg ausgelösten Energieschock nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) besser verkraftet als befürchtet. Die globale Wirtschaftsleistung werde 2026 voraussichtlich weiterhin um ‌etwa ⁠drei Prozent wachsen, teilte der IWF am Donnerstag mit. Die globalen Inflationserwartungen seien zwar gestiegen, aber ⁠längerfristig gut verankert. «Bislang hat sich die Weltwirtschaft trotz des sechsmonatigen Krieges im Nahen Osten als robust erwiesen», sagte die Sprecherin ‌des IWF, Julie Kozack. Einige Länder hätten die Energiekrise durch den ‌Einsatz von Reserven bewältigt, während andere auf neue ​Energiequellen umgestiegen seien oder die Nachfrage gedrosselt hätten.

Der IWF hatte im Juli seine Prognose für das globale Wachstum 2026 auf 3,0 Prozent gesenkt, verglichen mit einem Durchschnitt von 3,5 Prozent für die Jahre 2024 und 2025. Diese Vorhersage basierte auf der Annahme, dass der Krieg Mitte Juli enden ‌würde. Der Währungsfonds wird auf seiner gemeinsamen Jahrestagung mit der Weltbank vom 12. bis 18. Oktober in Bangkok eine aktualisierte Prognose veröffentlichen.

Die Öl- und Erdgaspreise seien nach wie vor hoch und ​der Energieschock durch den Krieg sei noch nicht vorbei, erklärte Kozack weiter. Zudem ​nehme der weltweite Schuldendruck zu und der Prozess der ​Disinflation nach der Teuerungswelle von 2022 sei ins Stocken geraten. Die Weltwirtschaft werde von gegenläufigen Kräften beeinflusst. Auf der einen ‌Seite stehe der negative Angebotsschock bei Energie, der die Preise dafür sowie für Düngemittel und Lebensmittel in die Höhe treibe. Auf der anderen Seite sorge der von Künstlicher Intelligenz (KI) angetriebene Technologiezyklus für einen ​positiven Nachfrageschub. Die ​Risiken seien hoch, da viele Länder ihre ⁠Öl- und Gasreserven wieder auffüllen müssten und die Energienachfrage mit ​dem nahenden Winter auf der ⁠Nordhalbkugel steigen dürfte.

Auch der Druck auf die weltweite Staatsverschuldung nehme zu. Diese liege bereits bei fast ‌100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und damit auf dem höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg, sagte Kozack. In den Entwicklungsländern, auch in Afrika, nähmen zudem die Liquiditätsprobleme zu. ‌Der IWF dränge die Zentralbanken dazu, an ihrem Mandat zur Preisstabilität festzuhalten. ​Die Finanzpolitiker sollten zudem mittelfristige Konsolidierungspläne entwickeln. Der IWF werde die Auswirkungen der neuen US-Sanktionen gegen den Iran genau prüfen, sagte Kozack.

(Reuters)