Für dieses Jahr hob die Finanzorganisation ihre Prognose minimal auf 3,1 Prozent an, wie der IWF am Dienstag in Bangkok mitteilte. 2025 waren es 3,5 Prozent. Nächstes Jahr dürften es unverändert 3,4 Prozent werden, wenn sich die Lage im Nahen Osten wie erwartet normalisiert. Die hohen Energiepreise belasteten die Weltwirtschaft, fügte der IWF hinzu. Gleichzeitig stützten aber hohe Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) die Wirtschaft. Der IWF traut Indien ein deutlich höheres Wachstum zu, Deutschland ebenfalls, vor allem für dieses Jahr. Wachstumstreiber sind zudem die USA und China.
Die Weltwirtschaft habe sich im Jahresverlauf bisher besser geschlagen als gedacht. Es gibt laut IWF neben den Kriegen im Iran und der Ukraine aber zahlreiche weitere Risiken. Handelsstreitigkeiten lägen wie eine dunkle Wolke über der Weltwirtschaft. Die Energiepreise seien nicht nur höher, sondern auch schwankungsanfälliger. Die Verschuldung sei auch in grossen Ländern hoch und steige weiter an. Für Ausgleich sorge der KI-Boom. Der Anteil des Handels mit KI-Hardware sei exponentiell gestiegen. Die USA und China sind in diesem Bereich besonders aktiv.
Der von den USA begonnene Iran-Krieg hat zu Einschränkungen bei Öl- und Gaslieferungen durch die Strasse von Hormus geführt. Der IWF geht davon aus, dass sich die Lage in der wichtigen Meerenge am Persischen Golf 2027 schrittweise bessert. Bis Oktober 2027 dürfte die Schifffahrtsstrasse weitgehend wie vor dem Krieg wieder genutzt werden. Trotzdem dürfte die Unsicherheit hoch bleiben, ebenso wie die Energiepreise. Das hat Folgen für die weltweite Inflation. Sie dürfte 2026 auf 4,7 (2025: 4,1) Prozent steigen. 2027 wird sie nach Schätzung des IWF zwar wieder bei 4,1 Prozent liegen, das sind aber 0,2 Punkte mehr als bisher angenommen.
Deutschland wächst stärker – vor allem aber der Staat
In Europa werden wahrscheinlich Irland und Spanien besonders hohe Wachstumsraten ausweisen können. Aber auch Deutschland traut der IWF mehr zu - 2026 ein Plus von 1,3 Prozent, 2027 dann 1,1 Prozent. Damit wurde die Schätzung für 2026 um 0,6 Punkte angehoben, für 2027 um 0,1 Punkte. Führende Forschungsinstitute und die Bundesregierung hatten ihre Prognosen zuletzt ebenfalls deutlich angehoben. Getrieben wird das Wachstum vor allem von schuldenfinanzierten Investitionen des Staates, ausserdem von den Exporten. Viele Unternehmen zögern aber mit Investitionen hierzulande, auch der Konsum ist schwach.
Den USA sagt der IWF für 2026 und 2027 jeweils ein Wachstum von 2,3 Prozent voraus, getragen vom privaten Konsum, den hohen Staatsausgaben sowie Technologieinvestitionen. China dürfte um 4,5 und 4,0 Prozent zulegen, einen Tick weniger als bisher geschätzt. Indien werden jeweils 7,0 Prozent zugetraut. Das sind 0,6 und 0,3 Punkte mehr als bisher angenommen. Insgesamt werden 95 Prozent des weltweiten Wachstums von nur 32 Ländern getragen, im April waren es noch 54 Staaten. Für den Zeitraum 2028 bis 2031 rechnet der IWF nur mit einem durchschnittlichen Wachstum von 3,2 Prozent pro Jahr. Von 2000 bis 2019 waren es noch 3,7 Prozent.
(Reuters)

