Mit Spannung blicken Investoren auf das am Donnerstag beginnende Notenbankforum in Jackson Hole in den USA. Das alljährlich vom Fed-Bezirk Kansas City im Bundesstaat Wyoming ausgerichtete Symposium hat Chefs der US-Notenbank in der Vergangenheit immer wieder als Bühne gedient, wichtige Signale zum geldpolitischen Ausblick zu senden.
Nun wird erstmals der von US-Präsident Donald Trump ins Amt gebrachte neue Fed-Chef Kevin Warsh am Freitag auf dem Treffen in den Rocky Mountains das Wort ergreifen. Er hat die Latte für die Rede am Konferenzort auf über 2000 Metern Höhe selbst recht hoch gehängt: Demnach könnte es um die Geldpolitik oder aber auch um grundsätzliche wirtschaftliche Fragen in Zeiten von KI und raschem technologischen Wandel gehen.
Er würde die «Höhenluft von Jackson, Wyoming» gerne dazu nutzen, die grossen Fragen in den Blick zu nehmen, liess Warsh nach dem jüngsten Zinsbeschluss wissen. Der Fed-Chef hat mit Blick auf die von ihm verfolgte Strategie zur Bekämpfung der Inflation aus Sicht vieler Beobachter allerdings noch Erklärungsbedarf.
Der Präsident der Washingtoner Denkfabrik Peterson Institute for International Economics, Adam Posen, rät Warsh daher dazu, sich bei seinem Vortrag weniger auf die langfristigen Linien zu konzentrieren, die er verfolgen wolle. Stattdessen solle er stärker darauf eingehen, wie die Zentralbank die aktuelle Wirtschaftslage sowie die Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen an den globalen Märkten beurteile.
Der jüngste Anstieg der Anleiherenditen in den USA bedeutet, dass sich der US-Staat zu immer höheren Kosten refinanzieren muss. Hier lauert ein mögliches Problem für die Zentralbank. Denn das wichtigste geldpolitische Instrument der Federal Reserve ist der Leitzins, also der Zinssatz für Tagesgeld: Sollten sich Diskrepanzen zwischen diesem und den Renditen kurzfristiger Geldmarktpapiere (T-Bills) ergeben, dürfte dies die Zinssteuerung durch die Zentralbank erschweren.
US-Schuldenlast im Fokus
Zudem könnten die Auswirkungen auf den Aussenwert des Dollar, der gegenüber anderen Währungen Federn lassen musste, den Inflationsdruck erhöhen. Warsh hat Kritik an der Arbeit der Fed unter seinem Vorgänger Jerome Powell anklingen lassen, die die Inflation in den vergangenen Jahren nicht in den Griff bekommen habe. Warsh hat angekündigt, künftig für Preisstabilität zu sorgen - wie der Weg zu diesem Ziel aussieht, liess er offen.
«Nach seiner jüngsten, aus Marktsicht misslungenen Pressekonferenz beim letzten Zinsentscheid dürfte Warsh umso mehr auf die hohe Bedeutung des Erreichens des Inflationsziels hinweisen», meint DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Es dürfte spannend werden und die Gefühlslage an den Märkten beeinflussen.
«Wir befinden uns in einem Umfeld, in dem eine aktive Politik des Finanzministeriums – im Guten wie im Schlechten – ebenso ausschlaggebend ist wie die Politik der Zentralbank. Das Zusammenspiel beider Faktoren wird für die weitere Entwicklung entscheidend sein», schrieb Krishna Guha, ein ehemaliger hochrangiger Vertreter des regionalen Fed-Bezirks New York unlängst in einer Analyse zu den steigenden Anleiherenditen.
Christian Scherrmann, US-Ökonom beim Vermögensverwalter DWS, verweist darauf, dass die USA bei der Staatsverschuldung schon die Marke von 40 Billionen Dollar geknackt haben: «Setzt sich der aktuelle Verschuldungstrend fort, könnte der Schuldenstand bereits 2029 auf 50 Billionen Dollar steigen.» Auslaufende Anleihen müssten zunehmend zu deutlich höheren Renditen refinanziert werden.
«Das ist vor allem deshalb wichtig, weil ein grosser Teil der US-Staatsfinanzierung über kurzlaufende Anleihen erfolgt», erläutert Scherrmann. Dort schlagen Veränderungen der Zinserwartungen schneller auf die Finanzierungskosten durch. Dadurch wird ein immer grösserer Teil der Staatseinnahmen für den Schuldendienst gebunden. Wie kritisch dieses Thema für den Treasury-Markt geworden sei, habe sich jüngst gezeigt: Das US-Finanzministerium kündigte an, das Volumen seiner Rückkäufe länger laufender Anleihen mindestens zu verdoppeln, um die Marktliquidität zu stützen – nachdem die langfristigen Renditen auf den höchsten Stand seit mehreren Jahren gestiegen waren.
(Reuters)

