Die Aktien der Jungfraubahn haben seit Jahresbeginn 19 Prozent an Wert verloren und notieren auf dem tiefsten Stand seit zwölf Monaten. Mit dem Ausbruch des Iran-Krieges am 28. Februar 2026 endeten die positiven Zukunftsperspektiven abrupt, weil die Touristenströme aus Indien und Südostasien wegbrachen. Bis zu diesem Zeitpunkt sah sich das Unternehmen noch auf Kurs, auch im laufenden Jahr ein neues Rekordergebnis zu erzielen.
Der Ende August aufgelegte Halbjahresbericht zeigt die Bremsspuren deutlich: Von Januar bis Juni besuchten 18 Prozent weniger Gäste das Jungfraujoch als im Vorjahr. Der Umsatz der Jungfraubahn sank um 9 Prozent auf 137 Millionen Franken und der Gewinn lag 22 Prozent unter dem Rekordergebnis im vergangenen Jahr. Es war die schwächste Periode seit der Corona-Pandemie, wie das Unternehmen aus Interlaken mitteilte.
Inzwischen hellt sich die Lage etwas auf. Im Juli und August lag die Zahl der Gäste auf dem Jungfraujoch nur noch gut 10 Prozent unter dem Vorjahr. «Wir sind für die kommenden Monate vorsichtig optimistisch», sagte CEO Oliver Hammel bei der Zahlenpräsentation.
Der Ausblick bleibe aber fragil, meint der Vontobel-Analyst Manuel Lang. «Die Run-Rate auf dem Jungfraujoch, dem wichtigsten Treiber der Verkehrseinnahmen, bleibt negativ. Selbst wenn sich die Touristenströme im vierten Quartal normalisieren sollten, sehen wir nur begrenztes Potenzial, die bislang ausgebliebenen Besuche aufzuholen. Gleichzeitig bleibt die Kostenstruktur weitgehend rigide. Sollte sich die Reisetätigkeit nicht wie erwartet normalisieren, besteht aus unserer Sicht weiterhin Abwärtsrisiko für den Gewinn.» Der Experte des Zürcher Vermögensverwalters stuft den Titel weiter mit «Hold» und einem Kursziel von 260 Franken ein.
Research Partners senkte schon im Mai das Kursziel auf 271 von 285 Franken mit einem unveränderten Rating «Halten». Der zuständige Analyst Markus Kramer streicht auf Anfrage von cash.ch die Stärken des Unternehmens hervor. «Die Jungfraubahn verzeichnet trotz des Konflikts im Nahen Osten nach wie vor einen guten Buchungsstand. Es zeigt sich einmal mehr, dass das Unternehmen mit seiner langfristigen Strategie, klarer Positionierung und einer breiten Marktabstützung gut aufgestellt und weniger von einzelnen Märkten abhängig ist.»
Höhere Dividende in Aussicht
Zu schaffen macht der Jungfraubahn primär die Fixkostenstruktur. Die Ausgaben für den Bergbahnbetrieb und die Investitionen sind starr und bieten kaum Spielraum, um kurzfristig auf schwankende Passagierzahlen zu reagieren. Ein abrupter Umsatzrückgang schlägt entsprechend unmittelbar auf den operativen Gewinn durch.
Der Umsatz für das Gesamtjahr 2026 dürfte gemäss Analystenkonsens gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent auf 290,2 Millionen Franken sinken, während der operative Gewinn um 15 Prozent auf 84 Millionen Franken zurückgehen könnte. Der Gewinn pro Aktie wird für das laufende Jahr 2026 mit 11,60 Franken prognostiziert, was einem Rückgang von 14 Prozent entspräche.
Erst 2028 dürfte die Jungfraubahn den Umsatzrückgang wieder wettmachen. Während die operative Marge dann voraussichtlich noch immer unter dem Rekordjahr 2025 liegt, sollte der Gewinn pro Aktie mit 13,52 Franken wieder das alte Niveau erreichen. Umgerechnet ergibt dies aber ein relativ hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17x im Jahr 2028. Dies liegt über dem langjährigen Durchschnitt von 16x.
Trotz der vergleichsweise hohen Bewertung hat die Firma drei Trümpfe in der Hand. Erstens liegt die durchschnittliche Gewinnmarge, gemessen am Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit), gemäss dem MarketScreener mit 30,6 Prozent deutlich über dem Branchendurchschnitt von 9,9 Prozent. Zweitens übertrifft die erwartete Dividendenrendite von 3,7 Prozent den Branchendurchschnitt von 2,3 Prozent.
Geht es nach den zwei Analysten, dürfte die Dividende von Jungfraubahn bis ins Geschäftsjahr 2028 auf 9,60 Franken von 8,50 Franken steigen. Das entspräche einem Wachstum von 13 Prozent über drei Jahre. Die Dividendenrendite läge - basierend auf den am Mittwoch bezahlten Kursen - in der Zukunft auf einem attraktiven Niveau von 4,2 Prozent.
Ob die Dividende bis 2028 tatsächlich auf 9,60 Franken steigt, steht auf einem anderen Blatt. Damit läge die Ausschüttungsquote bei 71 Prozent, obwohl der Verwaltungsrat eine Bandbreite von 50 bis 67 Prozent festgelegt hat, meint der Analyst Lang von Vontobel. Er rechnet mit einer Dividende von 8,80 Franken im Jahr 2026 und einem Gewinn von 13,84 Franken.
Nicht zu unterschätzen ist auch das Potenzial, sollte sich die Situation im Nahen Osten in den kommenden Monaten normalisieren. «Wir erwarten, dass die Aktie weiterhin sensibel auf geopolitische Entwicklungen reagieren wird», erläutert der Vontobel-Experte. Sobald sich der Flugraum über dem Iran und den Emiraten als Drehkreuz normalisiert - und die Flugpreise dank sinkender Kerosinpreise auch wieder auf normale Niveaus zurückkehren - dürfte dies der Aktie Impuls verleihen, bevor das in den Zahlen ersichtlich ist, so Lang von Vontobel abschliessend.

