Der US-Obligationenmarkt signalisiert wachsendes Vertrauen darin, dass der Präsident der Federal Reserve, Kevin Warsh, sein Versprechen einhalten wird, die Inflation einzudämmen. Diese liegt seit einem halben Jahrzehnt über dem Zielwert der US-Notenbank Fed.
Nachdem die Fed am Mittwoch zum ersten Mal seit 2023 die Zinssätze angehoben und eine weitere geldpolitische Straffung prognostiziert hatte, preisen die Händler nun drei weitere Zinserhöhungen der Fed bis Mitte nächsten Jahres ein. Das ist eine mehr, als sie vor der Entscheidung erwartet hatten. Die erste dieser Erhöhungen könnte, wie Swaps andeuten, bereits im nächsten Monat erfolgen.
Die Neubewertung, welche die Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit 2024 trieb, spiegelt die Einschätzung wider, dass die Fed bereit ist, eine deutliche Straffung vorzunehmen, um die Wirtschaft zu bremsen und die Inflation zu senken. Das könnte sich als Gegenwind für US-Aktien erweisen, die nachgaben.
Während Warsh darauf bedacht war, sich nicht auf künftige Massnahmen festzulegen, machten seine Äusserungen, in denen er seine Unzufriedenheit über den Inflationsverlauf unterstrich, die Absicht der Zentralbank deutlich. Dies steht in krassem Kontrast zur Marktreaktion auf den Entscheid der Fed im Juli, die Zinsen unverändert zu lassen, als Warshs Unklarheit bezüglich seines Plans zur Verringerung des Preisdrucks einen Ausverkauf bei langfristigen Anleihen auslöste.
«Wir bewegen uns weg von Bedenken hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Fed hin zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Fokus der Fed darauf, die Inflation wieder auf das Zielniveau zu bringen», sagte Priya Misra, Portfoliomanagerin bei JPMorgan Asset Management.
Die Renditen auf zweijährige US-Staatsanleihen, die Laufzeit, die am empfindlichsten auf die Erwartungen der Fed reagiert, stiegen auf 4,74 Prozent, gegenüber 4,6 Prozent vor der Ankündigung der Fed. Längerfristige US-Staatsanleihen, die anfälliger für Inflation sind, hinkten dieser Entwicklung hinterher – ein Hinweis darauf, dass die Anleger davon ausgehen, dass die Entscheidungsträger Massnahmen ergreifen werden, um den Preisdruck im Griff zu behalten. Unterdessen brachen die langfristigen Inflationserwartungen ein.
In seiner Pressekonferenz nach der Sitzung bekräftigte Warsh seine Sorgen hinsichtlich der Inflation und erklärte, die jüngsten Daten «deuten für mich nicht darauf hin, dass sich die zugrunde liegenden Trends wesentlich verbessert haben». In einer separaten Erklärung schrieb die Fed, die Zinserhöhung werde «eine zeitnähere Rückkehr zum 2-Prozent-Ziel des Ausschusses unterstützen», wobei sie sich auf die Inflation bezog.
(Bloomberg)

