Karriere - Ex-Bär-CEO Collardi: Comeback als ­Investor

Vom Fussballclub über den 3-D-Drucker zu Schönheitskliniken: Boris Collardi beginnt nur wenige Monate nach seinem Abgang bei der Genfer Privatbank Pictet eine neue Karriere als Investor.
28.05.2022 15:20
Von Erik Nolmans
Boris Collardi, Ex-CEO Julius Bär.
Boris Collardi, Ex-CEO Julius Bär.
Bild: Bloomberg

Er wäre nicht Boris Collardi, wenn nicht auch sein Comeback etwas Spektakuläres hätte: Kaum acht Monate nach seinem mehr oder weniger forcierten Ausscheiden bei der Genfer Privatbank Pictet taucht er bei der Konkurrenz wieder auf. Er steigt mit 3,6 Prozent bei EFG International ein und soll Verwaltungsrat werden, wie EFG mitteilte. Rund 80 Millionen wirft er dafür auf, das Paket stammt von der Latsis-Familie, dem Hauptaktionär.

Das zeigt auch: Collardi ist in seiner langen Karriere als Banker von der Credit Suisse über Julius Bär bis Pictet zu einem sehr reichen Mann geworden. Denn er steigt bei EFG nicht etwa als Repräsentant einer Gruppe oder finanziert mit Krediten ein: "Der Kauf ist zu hundert Prozent privat finanziert", so Collardi.
Er sehe viel Potenzial bei EFG, "und mein persönliches Engagement ist auch Zeichen dafür, wie stark ich an die Bank glaube". Aus dem Umfeld von EFG wiederum verlautet, man freue sich auf "einen sehr aktiven Verwaltungsrat", der seine Markterfahrung und sein strategisches Denken einbringen könne.

Der EFG International (rot) schlägt sich besser als der Markt.

Doch EFG ist bei Weitem nicht die einzige Aktivität des umtriebigen Bankers, der über ein beeindruckendes Netzwerk verfügt. Ende 2021 stieg er bei Roboze ein, einem Hersteller von 3-D-Druckern in Bari, zusammen mit Ex-Fiat-Chrysler-Spitzenmanager Alfredo Altavilla. Im Februar stieg er zusammen mit der italienischen Private-Equity-Investorin Roberta Benaglia bei der italienischen The Longevity Suite ein, die zur führenden Biohacking- und Anti-Aging-Kette Europas werden will.

Collardi trifft im Advisory Board auf einen anderen befreundeten Manager: Marco Bizzarri, CEO von Gucci. Die Höhe der Investments wird nicht bekannt gegeben, es soll sich aber jeweils um Beträge unter einer Million Franken handeln.

Mehr ein emotionales Engagement sei sein Einstieg beim italienischen Fussballclub US Lecce. Sein Vater stamme aus der Region, sagt Collardi, man habe ein Haus in der Gegend, von Kindesbeinen an habe er hier in den Ferien geweilt, zudem spiele seine Tochter Fussball. Er kenne alle Akteure des Clubs, die mehrmals an ihn herangetreten seien, jetzt habe er den Schritt gemacht und sei zusammen mit zwei Partnern mit zehn Prozent eingestiegen.

Geschätztes Investment: etwas mehr als eine Million Euro. Auch hier hatte Collardi allerdings ein gutes Händchen: Die US Lecce schaffte jüngst den Aufstieg in die Serie A.
Eine wichtige Rolle beim EFG-Einstieg spielte der Banker Ilan Hayim, ein Vertrauter von Mehrheitsaktionär Spiro Latsis, der auch in dessen Holding Einsitz hat.

Hayim ist ein Branchen-Urgestein, er war etwa von 2013 bis 2019 Präsident von J. Safra Sarasin und schon seit Collardis Credit-Suisse-Zeiten mit jenem befreundet. Kurz nach Collardis Abgang bei Pictet vermittelte Hayim ein Treffen mit Latsis. EFG-Präsident Peter Fanconi, ebenfalls ein guter Bekannter von Collardi, war nicht Teil der anfänglichen Diskussion und wurde erst später einbezogen.

Dieser Artikel erschien zuerst in der "Bilanz" unter dem Titel: "Boris Collardis neues Leben"