Kasachische Bank lockt mit Traumzinsen

Eine Bank aus Kasachstan will mit hohen Zinsversprechungen Gelder aus der Schweiz anziehen. Die Risiken für Anleger sind aber erheblich.
27.11.2013 01:00
Von Frédéric Papp
Die kasachische Eurasian Bank will mit attraktiven Zinssätzen Kapital anziehen.
Die kasachische Eurasian Bank will mit attraktiven Zinssätzen Kapital anziehen.
Bild: iNg

Das hierzulande unbekannte kasachische Finanzhaus Eurasian Bank rührte in diesen Tagen in Genf und Zürich die Werbetrommel. Ihr Ziel lautet: Gelder von wohlhabenden Schweizern mit attraktiven Konditionen anzulocken. Die Bank, welche 1994 gegründet wurde, verwaltet ungerechnet etwa 3,5 Milliarden Franken und ist damit die zehntgrösste Bank des Landes. Damit ist sie ähnlich gross wie die Schweizer Valartis Bank mit einer Bilanzsumme von drei Milliarden Franken. 

Der Einladung in Zürich sind etwa zwei Dutzend Personen gefolgt – darunter private und institutionelle Investoren sowie Kundenberater von Privatbanken wie Julius Bär oder Mirabaud. cash war ebenfalls vor Ort, um zu erfahren, was die Eurasian Bank in die Schweiz treibt.

Der stellvertretende Verwaltungsratspräsident der Eurasian Bank, Aiaz Bakasov liess die Katze denn auch schnell aus dem Sack: "Wir zahlen auf Dollar-Einlagen 5,5 Prozent Zins pro Jahr", sagte er. Ein ungläubiges Raunen ging durch den Saal. Doch es geht noch höher. Auf Einlagen in der kasachischen Lokalwährung Tenge werden gar 10,34 Prozent bezahlt. Zum Vergleich dazu: In Europa oder den USA belaufen sich die Zinssätze aktuell zwischen 0,5 bis maximal 2 Prozent.

Aufstrebende Wirtschaft in Kasachstan

Solche Traumsätze erinnern an die Kaupthing-Bank. Das isländische Bankhaus hatte mit aggressiven Zinsversprechen um Renditejäger im Ausland geworben – und Zehntausende Kunden gewonnen. Im Zuge der Finanzkrise ging die Bank vor fünf Jahren unter. Nach der Insolvenz kamen die Sparer plötzlich nicht mehr an ihr Geld.

Eggleton rechtfertigt die vergleichsweise hohen Zinssätze mit den positiven Konjunkturaussichten in Kasachstan. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für den zentralasiatischen Staat ein Konjunktur-Plus um 5 Prozent für das laufende und das kommende Jahr.

Wollen Schweizer von den hohen Zinsen profitieren, müssen sie direkt ein Konto bei der Eurasian Bank eröffnen. Dies ist mit einem ziemlich hohen Aufwand verbunden. Deshalb versucht die kasachische Bank, Schweizer Banken als Depotbanken zu gewinnen.

Win-Win-Win-Situation

Bislang hält sich das Interesse der Schweizer Banken allerdings in Grenzen. So bestehen laut Eggleton zwar Kooperationen mit der Bank Julius Bär und der Genfer Privatbank Lombard Odier. Und auch mit der französischen Grossbank Société Générale arbeitet die Eurasian Bank zusammen.

Allerdings beschreibt eine Sprecherin der Privatbank Lombard Odier die Zusammenarbeit auf Anfrage von cash als "sehr lose." "Wir haben mit der Eurasian Bank über eine mögliche Beratung beim Aufbau des Private Banking und Asset Management im eigenen Land diskutiert. Wir fungieren nicht als Depositen-Bank für die Eurasian Bank", so die Sprecherin weiter. Eine Anfrage bei Julius Bär blieb bislang unbeantwortet.

Bakasov bezeichnete das Interbanken-Geschäft als Win-Win-Win-Situation, sprich die Gläubiger, die Schweizer Bank und die Eurasian Bank würden als Gewinner dastehen. Am meisten dürfte aber die Eurasian Bank profitieren. Laut Bank-Chef Eggleton beträgt die Zinsmarge im Schnitt 8 Prozent. Ein Kreditausfall sei bislang noch nicht vorgekommen. "Wir fokussieren nur Projekte mit guten Risikomanagement", so der ehemalige CS-Banker Eggleton, der seit Ende 2009 die Bank leitet.

Risiken beachten

So verlockend Ausdrücke wie "Win-Win-Win" und die hohen Zinssätze auch klingen mögen, die Risiken für Anleger sind erheblich. "Ich würde nur auf ausdrücklichen, schriftlichen Kundenwunsch Gelder bei der Eurasian-Bank anlegen", sagte ein anwesender Banker, der nicht namentlich genannt werden wollte, zu cash.

Das kasachische Kreditinstitut wird von den Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody’s mit der Note B+ beziehungsweise B1 bewertet. Beide Bewertungen liegen je drei Stufen unter dem minimalen Investment-Grad-Status BBB-. "Wir gehen künftig von einem höheren Rating aus", sagt Eggleton zu cash.

Anfällig auf Krisen

Auch die geopolitischen Risiken sind nicht zu unterschätzen. Der zentralasiatische Staat ist wirtschaftlich stark von den angrenzenden Mega-Playern China und Russland abhängig. Kommt es in einen der beiden Staaten zu Krisen, wird dies unweigerlich auf die Wirtschaft durchschlagen. Auch Korrekturen im Erdöl-und Erdgaspreis stellen ein Risiko dar. Kasachstan ist ein rohstoffreiches Land. So liegen um das Kaspische Meer die weltweit grössten Erdöl- und Erdgasfelder.

Auf den ersten Blick erfreulich für Investoren ist die langjährige politische Stabilität im zentralasiatischen Staat. Verantwortlich dafür ist Nursultan Naserbajew. Er ist seit der Unabhängigkeit von der ehemaligen Sowjetunion 1991 Präsident von Kasachstan. Naserbajew gilt als Autokrat, der Opposition nur duldet, wenn sie ihm nicht schadet. Auf diesen Umstand angesprochen entgegnet Eggleton: "Ich habe schon an Orten mit weit höheren politischen Risiken gearbeitet." In den letzten Jahren war er unter anderem in Russland, Istanbul und Kairo tätig. 
 

Ein weiteres Risiko stellt die grassierende Korruption in Kasachstan dar. Im Video-Interview sagt Michael Eggleton, weshalb er deshalb all seine Führungskräfte inklusive sich selbst einem Lügendetektor-Test unterzieht, und was die Konsequenzen sind, wenn sich jemand weigert.