Kassenobligationen: Letzte Zins-Brosamen

Fixe Zinsen von 1 Prozent und mehr. Was tönt wie ein Versprechen aus vergangenen Zeiten, ist mancherorts noch Realität. Diese Anbieter von Kassenobligationen sind am grosszügigsten.
20.04.2015 01:05
Von Ivo Ruch
Die Zinsen werden mickriger, die Suche danach schwieriger.

Die Zinsen fallen und fallen. Seit nunmehr vier Jahren bewegen sich die Renditen auf zehnjährige Bundesobligationen südwärts – auf den aktuellen Stand von -0,15 Prozent. Ähnliches gilt für Deutschland oder die USA: Am Donnerstag fiel die Rendite für zehnjährige deutsche Bundesanleihen erstmals unter 0,1 Prozent. In Amerika stehen vergleichbare Obligationen bei knapp 1,9 Prozent. Grund dafür ist die weltweite Zentralbankenpolitik, die Zinsen auf historische Tiefstände zu drücken.

In der Schweiz kommt hinzu, dass die Nationalbank seit einigen Monaten Negativzinsen auf Einlagen verlangt, die eine gewisse Höhe übersteigen. Die Konsequenzen dieser Entwicklung erfahren Sparer am eigenen Leib. Privat- oder Sparkonten werfen unter dem Strich kaum noch Gewinn ab, dasselbe gilt für Säule-3a-Konten.

Eine Möglichkeit, das Geld doch noch gewinnbringend auf die hohe Kante zu legen, bieten Kassenobligationen. Zwar sind auch bei diesen Produkten die Zinsen unlängst gefallen. Doch die Unterschiede zu anderen Sparalternativen sind immer noch frappant. Die Cembra Money Bank beispielsweise bietet für Ersparnisse mit einer Laufzeit von acht Jahren 1,5 Prozent. Zum Vergleich: Das schweizweit beste Sparkonto rentiert mit 0,4 Prozent (Banque CIC). Bei den Grossbanken UBS und CS werden die herkömmlichen Sparkonten bloss mit 0,01 Prozent verzinst.

Augen auf die Gebühren

Weiter fällt auf, dass die grossen Finanzinstitute nicht mit hohen Zinsen auf Kassenobligationen glänzen. UBS, CS, Postfinance oder Raiffeisen sind bei sämtlichen Laufzeiten nicht im vorderen Teil der Ranglisten zu finden (siehe Tabelle).

Neben den Zinsen sind auch die Gebühren unterschiedlich. Zwar verlangen alle Anbieter eine Verrechnungssteuer. Aber gewisse Institute erheben zusätzlich eine Depotgebühr, die ins Geld gehen kann. Ein Beispiel: Wer bei der St. Galler Kantonalbank (SGKB) für 10'000 Franken eine achtjährige Kassenobligation kauft, erhält 0,4 Prozent Zins pro Jahr (40 Franken). Die Depotgebühr beträgt aber 50 Franken. Das ergibt unter dem Strich ein Minus von 10 Franken. Eine Gegenüberstellung von Zinsen und Gebühren ist also absolut notwendig. Dazu eignet sich beispielsweise das Vergleichstool von moneyland.ch.

Und noch etwas muss beachtet werden: Es gibt vereinzelt Institute, die zusätzlich zum Depot für die Kassenobligation noch eine Kontoverbindung bei der eigenen Bank, also ein Spar- oder Privatkonto, verlangen. Dafür fallen zusätzliche Kosten an.

So sicher wie ein Sparkonto

Kassenobligationen werden von Banken zu einem fixen Zinssatz und einer festen Laufzeit von 1 bis zu 10 Jahren ausgegeben. Das heisst auch: Wenn die Zinsen steigen, bleibt man für die gesamte Laufzeit auf seinen Mini-Prozenten sitzen. Bei der Annahme von mittel- bis langfristig steigenden Zinsen eignen sich also eher kurz laufende Kassenobligationen.

Da Kassenobligationen, anders als herkömmliche Obligationen, nicht an der Börse gehandelt werden, nehmen die Banken diese Wertpapiere nur unter Berechnung eines Abschlags sowie von Rücknahmegebühren wieder zurück. Je höher die Zinsen seit Abschluss gestiegen sind, desto höher fällt der Abzug aus.

Vor allem für Anleger mit einem grossen Sicherheitsbedürfnis sind Kassenobligationen interessant. Die Papiere unterliegen dem Einlegerschutz der Schweizer Banken beziehungsweise der Staatsgarantie. In einem Institut, das über eine solche verfügt, sind Kassenobligationen zu 100 Prozent gesichert, auch wenn das Guthaben die 100'000 Franken des Einlegerschutzes übersteigt. Die Sicherheit ist somit gleich hoch wie bei einem Sparkonto,  nur ist der Zins für heutige Verhältnisse attraktiver.

Als zinssensitive Produkte reagieren Kassenobligationen auf Veränderungen in der Zinslandschaft. Eine solche steht laut Marktbeobachtern ab Mitte des laufenden Jahres an. Dann soll die amerikanische Notenbank ihre Leitzinsen zu erhöhen beginnen. In welchem Tempo die anderen wichtigen Zentralbanken folgen werden, ist im aktuellen konjunkturellen Umfeld allerdings fraglich.

Die besten Zinssätze von Kassenobligationen (Laufzeit 2 Jahre)

Anbieter Zins pro Jahr
GRB Glarner Regiobank, WIR Bank 0,3%
Bank BSU Genossenschaft, Clientis Zürich 0,25%
Banque CIC, Bernerland Bank, Bürgerl. Ersparniskasse Bern 0,2%
AEK Bank, BPS, Bank Sparhafen, Kontomat.ch, Spar + Leihkasse Münsingen 0,15%
Bank Linth, Bank Thalwil, Clientis Schaffhause, Regiobank Solothurn 0,125%

Die besten Zinssätze von Kassenobligationen (Laufzeit 5 Jahre)

Anbieter Zins pro Jahr
Cembra Money Bank 1%
Bürgerl. Ersparniskasse Bern, WIR Bank 0,6%
Bernerland Bank, GRB Glarner Regiobank 0,5%
Bank BSU Genossenschaft, Bank Sparhafen, Clientis Zürich, Spar + Leihkasse Frutigen 0,45%
AEK Bank, BBO Bank Brienz Oberhasli, Spar + Leihkasse Münsingen 0,4%

Die besten Zinssätze von Kassenobligationen (Laufzeit 8 Jahre)

Anbieter Zins pro Jahr
Cembra Money Bank 1,5%
Bürgerl. Ersparniskasse Bern, GRB Glarner Regiobank 1%
WIR Bank 0,9%
Bank BSU, Bank Sparhafen, Bernerland Bank, Clientis Schaffhausen 0,8%
Baloise Bank Soba, BBO Bank Brienz Oberhasli, Clientis Zürich, Regiobank Solothurn, Spar + Leihkasse Frutigen, Spar + Leihkasse Münsingen 0,75%

Quellen: moneyland.ch / vermoegens-partner.ch, Stand 17. April 2015