Kevin Toland - Aryzta-CEO: «Wir verfolgen 200 Projekte zur Restrukturierung»

Kevin Toland will bei Aryzta mit zahlreichen Massnahmen das Ruder herumreissen. Der Problemkonzern steht vor grossen Herausforderungen und muss als nächstes eine umstrittene Kapitalerhöhung in Angriff nehmen.
01.10.2018 15:52
Von Marc Forster
Kevin Toland will als CEO des Problemkonzerns Aryzta neue Strategien umsetzen.
Bild: cash

Aryzta hat im Geschäftsjahr, das bis Ende Juli ging, zehn Prozent weniger Umsatz eingefahren und 470 Millionen Euro Verlust gemacht. Der Umsatz ging vor allem wegen Devestitionen zurück, aber das Resultat ist auch geprägt von Wertberichtigungen und Restrukturierungskosten, die den hoch verschuldeten Backwarenkonzern belastet haben.

Das irisch-schweizerische Unternehmen stöhnt unter hohen Schulden, Folge einer exzessiven und als planlos kritisierten Expansionsstrategie in den vergangenen Jahren. Nach Bekanntgabe der Jahresresultate am Montagmorgen griffen die Anleger zu: Das Plus beim Aktienkurs betrug im Tagesverlauf teilweise bis zu 35 Prozent. Davor allerdings hatten die Aktionäre enorm einstecken müssen, mit einem Einbrechen des Aktienkurses um rund 75 Prozent seit Anfang Jahr.

Grossaktionär kritisiert Kapitalerhöhung

Kevin Toland, der den Konzern seit gut einem Jahr führt, wirbt im cash-Video-Interview um Investitionen in den Konzern: "Wir haben einen detaillierten Plan und ein neues Team." Aryzta hat innerhalb des abgeschlossenen Geschäftsjahres einen grossen Teil des Managements ausgetauscht. Sein Vorgänger Owen Killian war nicht nur für die aus heutiger Sicht völlig verfehlte Expansion verantwortlich, sondern machte auch mit hohen Bezügen von sich reden.

Priorität hat für das neue Management die Stärkung der Bilanz. Ein Ausweg aus der kritischen finanziellen Lage bei Aryzta soll eine Kapitalerhöhung über 800 Millionen Euro bringen. 500 Millionen Euro sollen zum Abbau der netto 1,5 Milliarden Euro schweren Schulden verwendet werden. Mit dem Rest soll der Konzern fit getrimmt werden, der unter anderem Brötchen für McDonalds-Burger herstellt und dessen Schweizer Zweig auf den legendären Unternehmer Fredy Hiestand zurückgeht.

Die Kapitalerhöhung ist umstritten. Der spanische Grossaktionär Cobas hat nach Bekanntgabe der Zahlen mitgeteilt, eine die Anteile so stark verwässernde Kapitalerhöhung sei nicht nötig. Cobas hält 10 Prozent der Aktien. Wie sich die übrigen Aktionäre verhalten wollen, ist noch nicht klar.

Abgestimmt über die Kapitalmassnahme wird während der Generalversammlung am 1. November. Toland hielt sie nach eigenen Aussagen ursprünglich selbst nicht für notwendig. Inzwischen verteidigt er den Schritt aber: "Wir kündigten die Kapitalerhöhung am 13. August an, weil wir glauben, dass er im Intereresse aller Aktionäre und des Unternehmens ist."

Erfahrener Turnaround-Manager

Der Ire Toland gilt als erfahrener Turnaround-Manager. Bevor er letztes Jahr bei Aryzta an Bord ging, führte er unter anderem die Betreibergesellschaft des Flughafens Dublin zurück in die Profitabilität. Toland stellt den Aryzta-Aktionären nun für die nächsten drei Jahre eine deutliche Steigerung des Unternehmenswerts in Aussicht.

Er selbst bezeichnet im Interview das abgeschlossene Geschäftsjahr als "enttäuschend", verspricht aber schon für die nächsten 12 Monate einige Verbesserungen im Geschäft. "Es gibt eine Reihe von zentralen Bereichen, wo wir vorangehen, beispielsweise in der Automation, in Nordamerika und in Europa." Die Konzenstruktur werde flacher und verkleinert, in der Logistik und der Beschaffung werde es zu Einsparungen kommen. Auch Outsourcing sei ein Thema. "Es sind in Summe 200 individuelle Projekte, die Sie sehen werden", sagt Toland. Zur Stabilisierung der Gruppe sollen natürlich auch die Kosten gesenkt werden.

Analysten hatten sich nach der Bekanntgabe der Zahlen vorsichtig zu den weiteren Aussichten bei Aryzta geäussert. Die Bank Vontobel etwa schrieb, es gebe Zweifel bezüglich der Umsetzung des Kostensenkungsplans. Die Zürcher Kantonalbank hält den Ausblick für "ambitiös". Zu den Problemen, die Aryzta hat, gehört die Beteiligung an der französischen Tiefkühlkostfirma Picard. Den 49-Prozent-Anteil will Aryzta an sich loswerden, weil das Unternehmen nicht zur Strategie von Aryzta passt. Zum weiteren Vorgehen bei Picard gab es am Montag keine neuen Angaben.

Im cash-Video-Interview äussert sich Kevin Toland zu mehr Details der Turnaround-Stategie und beantwortet auch eine Frage zum Engagement in den Schwellenländern. Der grösste Teil des Umsatzes von Aryzta kommt aus den Hauptmärkten Europa und Nordamerika. Wegen der aktuellen Finanzprobleme wird Aryzta vor allem das Kerngeschäft entwickeln. Toland sagt, was für Pläne und Gelegenheiten in den überseeischen Wachstumsmärkten Lateinamerika und Asien-Pazifik vorhanden sind.