Die britische Wirtschaft ist überraschend stark in die zweite Jahreshälfte gestartet. Angetrieben von einem Boom bei Künstlicher Intelligenz (KI) legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Juli um 0,4 Prozent zum Vormonat zu, wie das Statistikamt ONS am Freitag in London mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten lediglich mit einer Stagnation gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat wuchs die Wirtschaft um 1,6 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Februar 2025.
Wachstumstreiber war der Dienstleistungssektor. Insbesondere die Computer-Programmierung habe dank des KI-Booms den grössten Beitrag geleistet, sagte ONS-Statistikdirektorin Liz McKeown. Zusätzliche Impulse kamen für manche Branchen wie das Gastgewerbe demnach von der Fussball-Weltmeisterschaft und dem ungewöhnlich heissen Sommer-Wetter. Im ersten Halbjahr war die britische Wirtschaft mit einem Plus von einem Prozent bereits so stark gewachsen wie kein anderes der sieben führenden westlichen Industrieländer (G7). Die Meinungen von Experten über die weitere Entwicklung gehen jedoch auseinander. Während einige wie der Deutsche-Bank-Ökonom Sanjay Raja von einer «schwer zu ignorierenden Wachstumsgeschichte» sprechen, erwarten andere ein baldiges Ende des Aufschwungs.
Die robusten Daten kommen zu einer Zeit, in der der Krieg zwischen den USA und dem Iran die Konjunkturaussichten eintrübt. Der Konflikt trieb die Ölpreise zuletzt auf über 100 Dollar je Barrel. Die Bank of England (BoE) rechnet deshalb damit, dass die Inflation im weiteren Jahresverlauf auf rund 3,2 Prozent steigen könnte. Notenbank-Gouverneur Andrew Bailey hatte diese Woche erklärt, die Wirtschaftsdaten seien «etwas stärker» als erwartet ausgefallen. An den Finanzmärkten wird zunehmend eine Zinserhöhung im November für wahrscheinlich gehalten, auch wenn für die Notenbank-Sitzung kommende Woche zunächst keine Änderung erwartet wird.
(Reuters)

