Der einflussreiche Logistik-Unternehmer, Investor und Milliardär Klaus-Michael Kühne ist tot. Er sei in der Nacht auf Montag an seinem Wohnort im schweizerischen Schindellegi im Alter von 89 Jahren gestorben, teilte sein Konzern Kühne + Nagel am Montag mit. Der gebürtige Hamburger und bekennende HSV-Fan galt als einer der einflussreichsten deutschen Unternehmer der Nachkriegsgeschichte. Er formte aus dem väterlichen Erbe einen globalen Logistikriesen und war zudem Grossaktionär der Reederei Hapag-Lloyd sowie der Fluggesellschaft Lufthansa.
Mit Kühne sei ein Visionär und eine eindrucksvolle Persönlichkeit gegangen, sagte der Verwaltungsratspräsident von Kühne + Nagel, Jörg Wolle. Die Gedanken seien bei seiner Witwe Christine Kühne. Konzernchef Stefan Paul erklärte, Kühne habe wie kein anderer für die Logistik und den globalen Handel gestanden. Kühne war 1958 in das Familienunternehmen eingetreten und hatte 1966 die Leitung übernommen. Ab 1975 fungierte er als Chief Executive Officer der Kühne + Nagel International AG und von 1992 bis 2011 als deren Verwaltungsratspräsident, ehe er zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde.
Unter Kühnes Regentschaft entwickelte sich das 1890 in Bremen gegründete Speditionsunternehmen zu einem weltweit führenden Logistikdienstleister. Um das Unternehmen internationaler auszurichten, verlegte er den Hauptsitz 1969 in die Schweiz, blieb seiner Heimatstadt Hamburg jedoch eng verbunden. Heute verfügt der DHL-Konkurrent, an dem Kühne die Mehrheit hält, über knapp 90.000 Mitarbeiter und ist in fast 100 Ländern aktiv.
Als die Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd im Jahr 2008 vor der Übernahme durch ausländische Investoren stand, schmiedete Kühne zudem ein Konsortium zu deren Rettung und wurde zum grössten Einzelaktionär. Im Jahr 2022 stieg er bei der Lufthansa ein, wo er mit einem Anteil von 20 Prozent ebenfalls zum grössten Einzelaktionär aufrückte. In Hamburg trat er zudem als streitbarer Förderer des Fussballvereins Hamburger SV (HSV) sowie als Mäzen der Elbphilharmonie auf. Kühne war nie um ein offenes Wort zum wirtschaftlichen Geschehen verlegen.
Der Unternehmer hatte indes nicht mit all seinen Engagements eine glückliche Hand. Er investierte auch in die Signa-Gruppe des schillernden Immobilien-Unternehmers Rene Benko - und erlitt einen Millionenschaden. Beteiligt ist die Kühne Holding auch am Chemielogistiker Brenntag, an dem sie über 20 Prozent hält, an der Flixbus-Mutter Flix und am Prothesenhersteller Ottobock. Über Immobilien verfügt die Holding unter anderem in Hamburg, Davos und Mallorca. Von der balearischen Insel war Kühne dem «Manager Magazin» zufolge jüngst in die Schweiz zurückgekehrt - sein Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Kühnes Vermögen, das sich Schätzungen des Magazins zufolge zuletzt auf rund 23,5 Milliarden Euro belief, solle wohl über seine gemeinnützige Kühne-Stiftung verwaltet werden. Kühne war kinderlos.
(Reuters)

