«Sollte der vollständige Rückzug des bisherigen deutschen privaten Anteilseigners nun dazu führen, dass die Bundesregierung vorübergehend selbst als Aktionär einsteigt, mag dies unter den gegebenen Umständen eine pragmatische Lösung sein», schrieb KNDS-Verwaltungsratschef Enders in einem am Sonntag veröffentlichen Gastbeitrag für das «Handelsblatt». «Aber eine Übergangslösung darf nicht mit einem langfristig tragfähigen Unternehmensmodell verwechselt werden.»
Enders spricht sich dafür aus, den Börsengang «zügig» weiterzuverfolgen, sobald am Markt dafür die Voraussetzungen gegeben seien. «Danach sollten die staatlichen Beteiligungen schrittweise und parallel reduziert werden. Denn nationale Sicherheitsinteressen lassen sich schützen, ohne dass Staaten Unternehmen dauerhaft beherrschen müssen.» Das sei die Lehre aus der Entwicklung des Flugzeugbauers Airbus, den Enders von 2005 bis 2019 geführt hatte. Dort hatte er den Einfluss von Deutschland und Frankreich 2012/13 deutlich zurückgedrängt.
Der Börsengang von KNDS liegt Insidern zufolge auf Eis, weil die Investoren eine deutlich niedrigere Bewertung sehen als die Familien zu akzeptieren bereit sind. Zuletzt hatten diese rund 15 Milliarden Euro als Firmenwert angepeilt. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters verhandelt die Bundesregierung mit den in der Wegmann-Holding zusammengeschlossenen deutschen Eigentümerfamilien stattdessen über eine Übernahme von 50 Prozent der KNDS-Anteile. Die restlichen 50 Prozent liegen beim französischen Staat. Sie wollten bei dem Börsengang ebenso wie Frankreich je zehn Prozent der KNDS-Aktien am Markt platzieren. Der deutsche Staat sollte 40 Prozent übernehmen.
Doch mit zwei staatlichen Eigentümern droht KNDS laut Enders ein Interessenkonflikt. Die beiden wichtigsten Kunden - Deutschland und Frankreich - wären dann zugleich die einzigen Eigentümer. «Gerade angesichts der sicherheitspolitischen Bedrohung Europas dürfen unternehmerische Entscheidungen nicht Gegenstand permanenter politischer Aushandlungsprozesse werden», schrieb Enders.
(Reuters)

