Krebstherapie - Novartis: Kymriah-Zulassung ist kein Kurstreiber

Novartis erhält in Europa die Zulassung für die Leukämietherapie Kymriah. Nach der Empfehlung durch ein Experten-Panel hatten Analysten eine solche bereits erwartet. Die Aktie gibt anfängliche Kursgewinne wieder ab.
27.08.2018 14:22
Von Lorenz Burkhalter
Vasant Narasimhan ist CEO von Novartis.
Vasant Narasimhan ist CEO von Novartis.
Bild: ZVG

In den USA vertreibt Novartis das Leukämiemedikament Kymriah schon seit knapp einem Jahr. Nun erhält der Gesundheitskonzern aus Basel auch von der europäischen Arzneimittelbehörde grünes Licht für die zukunftsträchtige CAR-T-Zell-Therapie.

Für Schlagzeilen sorgte Kymriah vor allem wegen der hohen Behandlungskosten von fast einer halben Million Franken je Patient. Diese werden aber nur bei Behandlungserfolg verrechnet, womit Novartis völlig neue Wege bei der Preisgestaltung geht. Nachdem der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) im Juni eine Empfehlung für Kymriah ausgesprochen hatte, überrascht die jetzige Marktzulassung nicht.

Nachdem die Novartis-Aktie an der Schweizer Börse SIX im frühen Handel bis auf 82,86 Franken kletterte, verliert sie zur Stunde 0,2 Prozent auf 82,14 Franken. 

Hoher Preis für Kymriah durchaus gerechtfertigt

Wie die Bank Vontobel schreibt, bewegt sich der Zeitpunkt der Kymriah-Zulassung im Rahmen der Erwartungen. Die Zürcher Bank hatte bereits nach der positiven Zulassungsempfehlung durch das CHMP die Zulassungswahrscheinlichkeit auf 100 Prozent erhöht. Die bankeigenen Schätzungen für den Spitzenumsatz des Präparats liegt bei 850 Millionen Dollar jährlich. Das Anlageurteil für die Aktie lautet weiterhin "Hold", das Kursziel wird mit 81 Franken angegeben.

Aus Sicht der Zürcher Kantonalbank ist der hohe Preis für Kymriah durchaus gerechtfertigt, weil es sich um junge Patienten handle, denen sonst nicht mehr geholfen werden konnte. Grundlage für die Zulassung seien weltweit in 25 Zentren durchgeführte Studien mit erstaunlich hohen Ansprechraten von 80 respektive 52 Prozent, so heisst es ergänzend. Die Novartis-Aktie wird bei der Zürcher Kantonalbank mit "Übergewichten" zum Kauf empfohlen.

Der für die britische Investmentbank Liberum tätige Pharmaanalyst rechnet im laufenden Jahr mit einem Umsatz mit Kymriah von 108 Millionen Dollar. In den darauffolgenden drei Jahren dürfte der Jahresumsatz mit dem Leukämiemedikament dann auf gut 700 Millionen Dollar anschwellen. Die Novartis-Aktie wird bei Liberum mit "Hold "und einem Kursziel von 86 Franken eingestuft.

Novartis wieder auf Wachstumskurs

Novartis ist bei neuartigen Medikamenten wie Kymriah dringend auf Erfolge angewiesen, wollen die Basler auf Wachstumskurs bleiben. Im zurückliegenden zweiten Quartal steigerte der Gesundheitskonzern aus Basel den Umsatz in Dollar betrachtet um 5 Prozent. Der operative Kerngewinn lag gar um 7 Prozent über dem Vorjahreswert.

Für 2018 strebt Novartis ein Umsatzwachstum zu konstanten Wechselkursen im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich an. Das operative Kernergebnis wiederum soll im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich zulegen.

Aus Aktionärssicht erwies sich die Zeit seit Jahresbeginn unter dem Strich als ein Nullsummenspiel. Die Novartis-Aktie kostet in etwa gleich viel wie noch Ende Dezember.

 
Aktuell+/-%
Novartis N79.87-1.87%
Julius Baer Grp N62.68-2.15%
SMI12'355.54-1.63%