Krugmans negativer Ausblick

Laut Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman bewirken die geldpolitischen Massnahmen der Zentralbanken in Zeiten von tiefen Zinsen wenig bis nichts.
23.02.2016 12:25
Von Daniel Hügli, Frankfurt
Paul Krugman gewann im Jahr 2008 den Wirtschaftsnobelpreis.
Paul Krugman gewann im Jahr 2008 den Wirtschaftsnobelpreis.
Bild: Bloomberg

"Ich glaube, wir sind in dieser Welt gefangen." Das sagte Paul Krugman, streitbarer Wirtschaftsnobelpreisträger und ehemalige Uni-Professor am Dienstag am "Institutional Money Kongress" in Frankfurt. Mit der "Welt" meint Krugman die Niedrigzinsen und das nutzlose Agieren der Zentralbanken mit ihren geldpolitischen Massnahmen.

"Wir haben derzeit eine Fülle von wissenschaftlichen Untersuchungen über die expansive Geldpolitik der Notenbanken, in denen verzweifelt nach den Wirkungen dieser Politik gesucht wird", sagte Krugman in seiner Rede. Für ihn steht fest: Die Massnahmen bringen in einem Umfeld, in dem die Leitzinsen bei null oder gar negativ sind nur wenig bis gar nichts. 

Krugman zeigte dies anhand verschiedener Beispiele: Etwa beim Verlauf der Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe, die in diesem Jahr - nach einem zeitweiligen Ansteigen auf etwa 3 Prozent - wieder auf den Stand von 1,5 Prozent gefallen ist. Auch die Politik der Europäischen Zentralbank sei ineffizient, so Krugman. Die Kurve der Kerninflationsrate in der Euro-Zone zeigt seit Ende 2012 (damals bei 1,6 Prozent) nach unten, trotz des umfangreichen Anleiheaufkaufprogramms der EZB. Diese verfehlt ihr Inflationsziel von nahe 2 Prozent seit langer Zeit.

Krugman, bis Sommer 2015 Professor für Wirtschaft an der Princeton Universität, gilt als einer der angesehensten, aber auch umstrittensten Ökonomen der Welt. Er wurde 2008 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet. Krugman ist New-York-Times-Kolumnist und hat auf Twitter 1,5 Millionen Follower.

Turbulenzen trotz Massnahmen

Die Wahrnehmung an den Märkten, dass die Massnahmen der Zentralbanken im Jahr neun nach Ausbruch der Krise langsam verpuffen, erhärten sich in der Tat angesichts der Turbulenzen an den Märkten in den letzten Monaten. Die Märkte gerieten in Panik, obwohl die Europäische Zentralbank signalisiert hat, dass sie ihre Konjunkturmassnahmen im nächsten Monat ausbauen könnte, dass Japans Notenbank überraschend negative Zinsen eingeführt und dass in den USA über eine Verlangsamung des Zinserhöhungstempos spekuliert wird.

Laut Krugman kann eine Geldpolitik von Notenbanken nur in einem Umfeld von "erhöhten" Leitzinsen effektiv sein. Oder in Zeiten einer Liquiditätskrise. Als einen der "erstaunlichsten Fälle" diesbezüglich nannte Krugman die Worte "Whatever it takes" von EZB-Präsident Mario Draghi im Juli 2012, als er mit seinem angedrohten und bislang nie angewendeten Programm "OMT" die Spekulationen gegen einzelne Euro-Länder eingedämmt hatte.

Hilfreich für einen Wirtschaftsaufschwung wäre für Krugman in der heutigen Situation eine bessere Fiskalpolitik der Staaten, "aber ich erkenne das heute nicht". Was er damit auch meint, erörterte Krugman schon mehrfach andernorts. Seiner Meinung nach sind die Staaten nicht hoch genug verschuldet, was der Grund für die Wachstumsmisere sei. Der Staat müsse mehr Infrastrukturinvestitionen tätigen und somit ein Zeichen setzen für Unternehmen und Konsumenten.

Krugman äusserte sich am Schluss seines Auftrittes in Frankfurt doch noch zur aktuellen Zinspolitik der US-Notenbank. Er hofft, dass die Fed im März den Leitzins nicht weiter erhöht. Er ist sowieso überzeugt, dass die US-Zentralbank im Dezember unter dem Einfluss der US-Finanzindustrie den Leitzins erhöht hatte, wie er kürzlich in seinem Blog in der New York Times schrieb.