Kryptowährung - Bitcoin in «echtes» Geld umtauschen: Erlebnisse eines Hobby-Investors

Mit der Digitalwährung Bitcoin verdienten sich viele Leute eine goldene Nase. Doch die Gewinne in «echtes» Geld zurückzutauschen ist komplizierter und teurer als gedacht. Der Erfahrungsbericht eines Suchenden.
30.10.2017 07:37
Von Ivo Ruch
Bitcoin: Um die Gewinne ins Trockene zu bringen, braucht es einiges an Recherchearbeit.
Bitcoin: Um die Gewinne ins Trockene zu bringen, braucht es einiges an Recherchearbeit.
Bild: Pixabay

Peter Z. (Name der Redaktion bekannt) ist Bitcoin-Besitzer. Er kaufte im Dezember 2015 einen halben Bitcoin über die in der Szene bekannte Plattform namens Xapo. Das Internet-Geld hatte damals einen Wert von rund 240 Dollar. Über die letzten knapp zwei Jahre ist sein Guthaben so stark angewachsen, dass Peter nun einen Teil seines Gewinns wieder auf sein Bankkonto bei der Credit Suisse überweisen möchte. Denn die Möglichkeiten, Dienstleistungen innerhalb des Bitcoin-Netzwerkes zu beziehen, sind immer noch begrenzt. Ausserdem steigt laut Peters Einschätzung die Gefahr, dass die Kurse der Kryptowährungen bald deutlich korrigieren werden.

Peters Neigung zur Gewinnrealisierung und dessen Einschätzung des Bitcoin-Kursverlaufs wird von vielen Investoren geteilt. Am 20. Oktober erreichte der Preis für Bitcoin erstmals 6000 Dollar, nachdem er das Jahr noch bei 964 Dollar begonnen hatte. Mittlerweile sind Bitcoin im Wert von rund 98 Milliarden Dollar im Umlauf (Stand 26.10.17).

 

 

Doch die Gewinne ins Trockene zu bringen, gestaltet sich für Peter Z. deutlich schwieriger als gedacht. Es beginnt ein ungeahnter Hürdenlauf. Bei Xapo ist eine Überweisung auf ein Schweizer Bankkonto schlicht nicht möglich. Diese Möglichkeit sei beschränkt auf ein paar wenige Länder, heisst es auf der Homepage. Zwar bietet Xapo eine Debitkarte an, womit Bargeldbezüge möglich wären. Aber die Lieferfrist beträgt bis zu 25 Tage - und es fallen zusätzliche Kosten an.

Also muss das Geld über einen Umweg aus dem Bitcoin-Netzwerk herausgeholt werden. Die Überlegung geht so: Die Bitcoin werden auf eine andere Plattform überwiesen, die eine Auszahlung unterstützt. Ein Freund erzählt Peter von Bitwala, der laut eigenen Angaben weltweit ersten Blockchain-Bank. Doch der nächste Rückschlag für Peter folgt sogleich: Beim Berliner Startup fallen bei einer Transfersumme von 100 Franken genau 18,30 Franken an Gebühren an (siehe Screenshot unten) – das ist deutlich mehr als eine Banküberweisung zwischen dem Euro-Raum und der Schweiz.

Quelle: Screenshot bitwala.com

Tatsächlich: Bitwala schreibt auf Anfrage von cash.ch, eine Auszahlung in Schweizer Franken koste eine fixe Gebühr von 15 Euro plus 1 Prozent (bei Transaktionen im Euro-Raum kostet es deutlich weniger). Und: Die Gebühren für Bitcoin-Transaktionen seien in der Vergangenheit stark angestiegen. Man suche, so Bitwala, immer nach Partnern, mit denen man den Kunden bessere Konditionen bieten könne.

Grundsätzlich fallen bei jeder Bitcoin-Transaktion Gebühren an. Damit werden einerseits die Bitcoin-Miner entlöhnt, also jene Personen, die Bitcoin mittels Informatikleistung "schürfen". Der grössere Teil des Gebühren-Kuchens geht aber an die Betreiber der jeweiligen Online-Plattform. Und diese verlangen unterschiedlich viel.

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Das merkt Peter, als er das Angebot von Bitcoin Suisse prüft, dem grössten Schweizer Broker für Kryptowährungen. Über die Zuger Firma sind Transaktionen zwischen der Bitcoin- und der Franken-Welt eigentlich problemlos möglich. Aber das Registrationsprozedere ist umständlich. Neben einem Foto der Identitätskarte werden ein Selfie mit Identitätskarte sowie eine Wohnsitzbestätigung verlangt.

Bitcoin Suisse teilt auf cash-Anfrage mit, Überweisungen bis 50'000 Franken kosteten 3,6 Prozent Gebühren. Bei grösseren Beträgen sei auch ein "Over the Counter"-Handel zu günstigeren Konditionen möglich. Allerdings benötigt es dazu zusätzliche Authorisierungsschritte. Bitcoin Suisse betreibt in der Schweiz auch Automaten, wo Bitcoin mit Bargeld gehandelt werden kann. Dort kostet eine Auszahlung 4 Prozent.

Was Peter bei seiner (Tor)-Tour durch den Bitcoin-Dschungel - ganz so nebebei - ebenfalls feststellt: Die angebotenen Kurse unterscheiden sich stark. Da Bitcoin mitunter heftig schwankt und gerne innerhalb eines Tages 10 Prozent steigen oder sinken kann, müsste er also mehrere Handelsplattformen gleichzeitig ansteuern, je ein Konto eröffnen und dort zugreifen, wo der Kurs gerade am günstigsten ist. Eine aufwändige und zeitraubende Odyssee.

Peter entscheidet sich schlussendlich für die Plattform Bity mit Basis in Neuenburg. Dort sind Transaktionen in Schweizer Franken und Euro möglich. Für eine Banküberweisung fallen laut Angaben auf der Homepage keine zusätzlichen Kosten an.