KryptowährungBitcoin-Suisse-CEO: «Das Schlimmste bei Bitcoin ist vorbei»

Der Bitcoin-Kurs ist im Fall. Welche Auswirkungen hat Chinas ICO-Verbot? Müssen Anleger einen Crash befürchten? Über diese und andere Themen hat sich cash mit Niklas Nikolajsen, CEO von Bitcoin Suisse, unterhalten.
15.09.2017 16:24
Von Pascal Züger
Niklas Nikolajsen, CEO und Mitgründer Bitcoin Suisse, zeigt eine Bitcoin-Münze.
Niklas Nikolajsen, CEO und Mitgründer Bitcoin Suisse, zeigt eine Bitcoin-Münze.
Bild: ZVG

Am 1. September erklomm der Bitcoin-Kurs ein neues Allzeithoch bei 4951 Dollar, nachdem die Kryptowährung zu Jahresbeginn lediglich 1000 Dollar wert gewesen war. Doch seit zwei Wochen geht es talwärts: Der Bitcoin-Kurs sackte um beinahe 40 Prozent auf aktuell 3000 Dollar ein.

Auslöser des Kursfalls war das Anfang September eingeführte Verbot Chinas von sogenannten Initial Coin Offerings (ICO), also die Schaffung neuer Cyberwährungen. Nach BTC China - eine der weltweit grössten Bitcoin-Handelsplätze – am Donnerstag, gab am heutigen Freitag mit ViaBTC eine weitere chinesische Bitcoin-Börse die Einstellung des Handels zum Monatsende bekannt.

Über die Folgen dieser Entwicklung für Bitcoin hat sich cash mit Nikolas Nikolajsen, CEO und Mitgründer von Bitcoin Suisse - dem grössten Schweizer Broker für Kryptowährungen -, unterhalten:

cash: Herr Nikolajsen, China verbietet die Schaffung neuer Cyberwährungen. Die letzten Tage haben darüber hinaus zwei grosse Bitcoin-Handelsplätze in China einen Handelsstopp bekannt gegeben. Wie wird sich das auf Bitcoin auswirken?

Niklas Nikolajsen: Ich glaube nicht, dass dies grosse Auswirkungen haben wird. Bitcoin braucht die chinesischen Handelsplätze nicht, um zu prosperieren. Chinesen schürfen zwar viele Bits, aber der eigentliche Bitcoin-Handel von Hand zu Hand ist nicht so riesig. Aufgrund der Erfahrung vom letzten Mal, wo China gegen Bitcoin vorging, denke ich, dass das in zwei bis drei Monaten bereits wieder vergessen sein wird (Anm. der Redaktion: Im Januar 2016 gab die chinesische Zentralbank bekannt, gegen mehrere Bitcoin-Börsen vorzugehen).

Der Wert von Bitcoin ist im heutigen Handel auf fast 3000 Dollar gefallen, das ist mehr als 40 Prozent tiefer als vor zwei Wochen…

…aber noch immer fast 40 Prozent höher als vor drei Monaten. Ausserdem ging Bitcoin innerhalb von nur 12 Monaten um 500 Prozent durch die Decke.  Bitcoin kann nicht nur steigen, steigen und steigen. Eine ernste Korrektur musste kommen.

Also müssen sich Anleger keine Sorgen machen?

Wegen China müssen sich Bitcoin-Investoren sicherlich keine Sorge machen. Aber es existiert eine gewisse Unsicherheit aufgrund der Bitcoin-Aufspaltung. Im Moment gibt es Bitcoin und Bitcoin Cash, im November wird noch Segwit2x dazukommen. Es wird dann also drei verschiedene Bitcoins geben. Die Frage wird sich stellen: Soll ich in alle drei investieren oder nur in eine bestimmte Bitcoin-Untergruppe? Die Antwort wird man frühestens im Dezember wissen.

Wie wird sich der Bitcoin-Kurs weiter entwickeln?

Ich denke, das Schlimmste ist vorbei. Wir sind aber wohl noch nicht am Ende der Korrektur. In zwei Jahren sehe ich Bitcoin dann wieder auf einem neuen Allzeithoch.

Bitcoin ist häufig in der Kritik. Diese Woche bezeichnete JPMorgan CEO Jamie Dimon Bitcoin als Betrug…

Das ist normal. Bitcoin wurde seit seiner Gründung von zahlreichen Akteuren aus der traditionellen Finanzbranche als töricht oder tot bezeichnet. Jetzt melden sich im Unterschied zu früher auch prominentere Personen zu Wort. Das rührt daher, dass Bitcoin aufgrund seiner inzwischen hohen Marktkapitalisierung nicht mehr ignoriert werden kann.

Aber wie erklären Sie sich diese grosse Skepsis gegenüber Bitcoin?

Ich kann dies nur schwer verstehen. Der Hauptkritikpunkt gegenüber Bitcoin gilt eigentlich für alle Währungen. Geld ist nichts anderes als eine weit verbreitete Illusion. Der Netzwerkeffekt gibt Geld schlussendlich einen Wert.

Können Sie das genauer erläutern?

Es kostet vielleicht einen Rappen, um eine 1000-Franken-Note zu drucken. Der Wert der Note ist nur etwas, worauf wir uns geeinigt haben, weil wir das Gefühl haben, dass andere Leute uns etwas dafür geben. Der Franken ist im Grunde genommen ebenfalls ein Schwindel und könnte zusammenbrechen.

Und was ist mit Gold, wo man einen echten Gegenwert besitzt?

Auch Gold hat keinen wirklichen Wert. Der elektrochemische Wert beträgt vielleicht 20 Dollar pro Unze. Trotzdem bezahlen wir 1300 Dollar pro Unze. Und das nur, weil die Menschen entschieden haben, dass Gold diesen Wert besitzt.

Aber Bitcoin ist ebenfalls ein Schwindel, wie Gold und Währungen?

Mit Bitcoin ist es genau das Gleiche. Im Gegensatz zu den traditionellen Währungen hat Bitcoin aber eine vorhersehbare Inflationsentwicklung. Man kann darauf vertrauen, dass nicht plötzlich jemand extrem viele neue Bitcoin auf den Markt wirft. Das macht Bitcoin zu einem elektronischen Gold, eine plausible Möglichkeit, Wert aufzubewahren. Ich halte daher meine Ersparnisse lieber in Bitcoin als in Dollar.

Halten Sie sämtliche Ersparnisse in Bitcoin?

Nein. Und das sollte auch niemand tun. Man sollte nie alle Eier ins gleiche Körbchen legen. Bitcoin ist eine gute Diversifikation für ein Portfolio. Es ist nicht an eine Notenbank gebunden und eine zusätzliche Option, um Geld zu platzieren. Ausserdem hat Bitcoin in der Vergangenheit gezeigt, dass es nicht massiv an Wert verliert.

Lässt sich mit Bitcoin gutes Geld verdienen?

Ich glaube nicht daran, dass man in der langen Frist mit Bitcoin reich werden kann. Gewisse Bitcoin-Anleger haben das zwar geschafft, sind aber ein hohes Risiko eingegangen. Etwas Bitcoin im Portfolio macht aber für gewöhnliche Anleger durchaus Sinn.

Wie wirkt sich der jüngste Bitcoin-Fall auf Ihre Geschäfte aus?

Die letzten Tage und Wochen hatten wir viel zu tun. Momentan explodieren die Handelsvolumina. Einerseits wegen Panikverkäufen und andererseits auch, weil gewisse dies als Einstiegschance sehen.

Niklas Nikolajsen ist CEO von Bitcoin Suisse, welches er im August 2013 zusammen mit Dr. Johannes Schweifer gründete. Bitcoin Suisse ist der grösste Schweizer Broker für Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether oder Tezos mit Sitz in Baar. Nikolajsen zog 2012 von Dänemark in die Schweiz und arbeitete als Consultant für verschiedene Schweizer Finanzinstitute, ehe er Bitcoin Suisse gründete.