Die Regierung in Havanna veröffentlichte am Donnerstag neue ⁠Vorschriften, die den Marktzugang in dem Karibikstaat erleichtern sollen. Firmen dürfen künftig Mitarbeiter ‌direkt einstellen und entlassen, ohne staatliche Arbeitsagenturen ‌einschalten zu müssen. Zudem ​dürfen private Unternehmen Reisebüros betreiben und Selbstständige als Reiseführer arbeiten.

Bislang wurde die Tourismusbranche vollständig vom Staat kontrolliert. Gemeinschaftsunternehmen und inländische Investoren müssen Konten bei ausländischen Banken künftig nur noch melden und ‌nicht mehr genehmigen lassen. Aussenhandelsminister Oscar Pérez-Oliva Fraga räumte ein schwieriges Umfeld ein. Die Regierung wolle jedoch die Flexibilität erhöhen, Prozesse ​vereinfachen und Bürokratie abbauen, erklärte er. Damit ​solle auf die Forderungen von Investoren ​reagiert werden.

Die neuen Regeln folgen auf ein historisches Paket von 176 Reformen, ‌das im Juni angekündigt worden war. Diese Massnahmen gelten als die weitreichendsten Veränderungen des sozialistischen Modells seit der Revolution ​unter Fidel ​Castro im Jahr 1959. Die ⁠Bevölkerung steht den Schritten angesichts ständiger ​Stromausfälle, verschärfter US-Sanktionen ⁠und einer intransparenten Staatsführung, die sich bis vor Kurzem ‌gegen Marktreformen gewehrt hat, jedoch vorsichtig gegenüber. Obwohl Kuba mit den marktwirtschaftlichen Reformen Forderungen der Regierung von US-Präsident ‌Donald Trump nachkommt, sind die Gespräche zwischen den ​beiden Nachbarstaaten in den vergangenen Monaten ins Stocken geraten.

(Reuters)