Kunstsponsoring wird immer attraktiver

Warum engagieren sich Banken oder Versicherer im Kunstsponsoring? Zahlt sich das für die Unternehmen finanziell aus? Die Versicherungsgesellschaft Bâloise liefert Anschauungsunterricht.
30.03.2015 14:27
Von Daniel Hügli, Frankfurt
Von der Bâloise ausgezeichnet: Der schwedische Künstler John Skoog.
Von der Bâloise ausgezeichnet: Der schwedische Künstler John Skoog.
Bild: ZVG
Ob Bâloise, UBS, Nationale Suisse oder Julius Bär. Kunstsponsoring hat bei Banken und Versicherungen eine lange Tradition. Ein Ursprung für Kunstsponsoring sind meistens historisch gewachsene Kunstbestände der Unternehmen. Viel vom Kunstsponsoring basiert auch auf dem persönlichen Engagement von Top-Kaderleuten, Verwaltungsräten oder Besitzerfamilien.
 
Seit 1999 verleiht etwa die Bâloise anlässlich der Kunstmesse Art Basel ihren Kunstpreis. Der Basler Versicherer ist zusammen mit der UBS einer der ältesten Sponsoren an der wichtigsten Kunstmesse der Welt. Die UBS begann ihr Art-Sponsoring schon vor 25 Jahren. Auch Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors haben Kunst als Sponsoringplattform entdeckt. Partner der Art sind etwa der Uhrenhersteller Audemars Piguet, Davidoff-Zigarren, das Privatjetunternehmen Netjets oder der Autohersteller BMW
 
Die Preisträger des Bâloise-Kunstpreises erhalten 30'000 Franken. Dazu kauft Bâloise Werkgruppen der Künstler und schenkt diese Kunstwerke jeweils im Folgejahr an zwei der bedeutenden Kunstmuseen Europas. Neu dem Museum für Moderne Kunst in Frankfurt und dem Museum Moderner Kunst ­Stiftung Ludwig (Mumok) Wien. Das Kunstförderungs-Engagement mit Preisgeldern, Werkeinkäufen und Förderbeiträgen lässt sich Bâloise rund 250'000 Franken im Jahr kosten. 
 
Entspricht Stil und Kultur des Hauses
 
Die Übergabe des Kunstwerks des letztjährigen Bâloise-Art-Preises erfolgte nun am letzten Freitag in Frankfurt. Der Empfänger des Kunstpreises, der 30-jährige schwedische Filmkünstler John Skoog, war ebenso anwesend wie die Bâloise-Aushängeschilder Andreas Burckhardt (Verwaltungsratspräsident) oder Finanzchef Germann Egloff. 
 
Doch weshalb engagieren sich gerade Versicherer und Banken im Kunstkauf und Kunstsponsoring? Und zahlt sich das überhaupt aus? Bâloise-VR-Präsident Burckhardt holt aus: "Unser Engagement für Kunst entspricht dem Stil und der Kultur von Bâloise", sagt Burckhardt im Gespräch mit cash am Rande der Bâloise-Preisverleihung in Frankfurt. "Die Kunstsammlung der Bâloise und die Kunstpreise hängen eng zusammen."
 
Bâloise begann mit dem Aufkauf von Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals wurden vorab Werke von regionalen Künstlern erworben. Mit dem neuen VR-Präsidenten und heutigen Ehrenpräsidenten Rolf Schäuble, auch privat ein eifriger Kunstsammler, erfuhr das Kunst-Engagement der Bâloise eine Intensivierung. Es wurde vermehrt auf moderne, zeitgenössische Kunst gesetzt. Die Sammlung der Bâloise umfasst heute rund 1300 Werke. Viele hängen heute in Arbeits- und Sitzungszimmern des Versicherers. Dazu kommen Ausstellungen von Künstlern am Hauptsitz der Bâloise in Basel. Das Haus pflegt auch Ausstellungen, bei denen die eigenen Mitarbeiter ihre Werke zeigen können.
 
"Ob sich unser Kunstengagement finanziell auszahlt, das kann man schlicht nicht berechnen," sagt Burckhardt.  "Wir engagieren uns nicht im Kunstbereich, damit es rentiert. Aber das Kunstengagement ist positiv für das Image unseres Unternehmens."
 
Kunstkauf ist wie Trophäenjagd
 
Tatsächlich verschafft Kunstsponsoring Gehör und Aufsehen in der Öffentlichkeit. So ist der Bâloise-Kunstpreis international heute einer der bedeutendsten für junge Kunstschaffende. Laut Bâloise-CEO Martin Strobel beinhaltet das Kunstengagement des Versicherers sowohl Mäzenatentum wie auch Marketing. Bâloise fördere durch Kunstpreise junge Künstler, aber als Versicherer habe man auch einen Wirtschaftszweck. "Künstförderung nur um der Kunst willen funktioniert nicht. Es muss immer auch der Marke und der Kundenpflege dienen", sagte er kürzlich.
 
Banken und Versicherer sprechen mit dem Kunstsponsoring auch direkt ihre Klientel an. Diese verfügt meist über ausreichend investierbare Vermögen - und auch über Sachwerte, die versichert sein wollen. So versichert Bâloise wie viele andere Assekuranz-Unternehmen den Wert von Kunstwerken. Aber auch neue Geschäftsfelder werden im boomenden Kunstmarkt erschlossen. So  lancierte Bâloise vor zwei Jahren eine neue Kunstversicherung namens Baloisecargo Art Pro, die Kunsttransporte versichert oder Schäden durch Vandalismus abdeckt. 
 
Der überhitzte Kunstmarkt mit den immer weiter steigenden Preisen zieht denn auch immer mehr Versicherungsgesellschaften an. Der weltweite Kunstmarkt hatte 2014 einen Rekordumsatz von 54,5 Milliarden Franken erzielt, was einem Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Auch das macht das Kunstsponsoring für Unternehmen immer attraktiver. Neue Käufer aus Asien und vor allem aus dem Mittleren Osten treiben die Preise nach oben. So wurde in diesem Frühling Paul Gaugins "Nafea faa ipoipo" für geschätzte 300 Millionen Franken von Basel nach Katar verkauft, wie gemutmasst wird.
 
"Der Kauf und das Sammeln von Kunstwerken ähnelt einer Trophäenjagd, speziell wenn es sehr teure Werke sind", sagt Bâloise-Präsident Burckhardt zur Entwicklung auf dem internationalen Kunstmarkt. Und er gibt zu bedenken: "Nur aus Anlagegründen oder Investitionsüberlegungen sollte man sich nicht in der Kunst engagieren. Das machen Galerien." 
 
cash weilte auf Einladung von Bâloise an der Kunstpreisverleihung in Frankfurt.