Kuoni-Aktie steigt 18 Prozent

Die Aktie von Kuoni steigt nach dem Übernahmeangebot durch die Beteiligungsgesellschafft EQT auf ein Niveau, das knapp unter die offerierten 370 Franken pro Aktie liegt.
02.02.2016 09:45
Die Tage von Kuoni als Schweizer Unternehmen sind gezählt.
Die Tage von Kuoni als Schweizer Unternehmen sind gezählt.
Bild: Bloomberg

Die Beteiligungsgesellschafft EQT will Kuoni übernehmen. Damit hat sich die vom Kuoni-Management bevorzugte Bietern durchgesetzt. Konkret offeriert das zum Wallenberg-Imperium gehörende Private-Equity-Haus für alle im Publikumsbesitz befindenden B-Namenaktien 370 CHF.

Dies entspricht einer Prämie von 34,1% auf den aktuellen Durchschnittskurs der letzten 60 Tage und einem Aufschlag von 60% zum Durchschnittskurs vor dem 5. Januar 2016, als Kuoni erste Gespräche mit potentiellen Bietern bestätigt hatte, wie EQT am Dienstag mitteilte. Insgesamt beläuft sich der angebotene Kaufpreis für alle B-Aktien damit auf knapp 1,4 Mrd CHF.

Die Aktie von Kuoni steigt am Dienstag im frühen Handel um 18,4 Prozent auf 361,50 Franken. Damit steigt sie bisweilen nicht auf das Niveau der gebotenen 370 Franken. Ein Hinweis dafür, dass der Markt kein Konkurrenzangebot eines anderen Bieters erwartet.

Wie Kuoni in einer separaten Mitteilung schreibt, unterstützen der Verwaltungsrat sowie die Hugentobler-Stiftung als Kuoni-Ankeraktionärin das Angebot. Auch der Schweizer Asset Manager Veraison, der einen Anteil von gut 3% hält, unterstützt die Offerte, wie er am Dienstag mitteilte.

"Alle Optionen geprüft"

"Der Verwaltungsrat hat in den letzten Monaten alle strategischen Optionen sehr sorgfältig geprüft.... Nach dieser detaillierten und umfassenden Analyse sowie einem kompetitiven Bieterprozess ist der Verwaltungsrat zur einstimmigen Entscheidung gekommen, dass eine öffentliche Übernahme der Kuoni Group die ideale Lösung für alle Stakeholder ist," wird Kuoni VR-Präsident Heinz Karrer in der Mitteilung von Kuoni zitiert.

EQT will gemäss der Mitteilung die 110-jährige Geschichte von Kuoni weiterführen und das Management in der langfristigen Weiterentwicklung des Unternehmens unterstützen. Es soll dabei Geld in neue Dienstleistungen investiert werden. Ausserdem will EQT Kuoni mit ausreichend Kapital ausstatten, damit der Reisekonzern strategisch wichtige Akquisitionen tätigen könne. EQT will das Unternehmen ausserdem von der Börse nehmen.

CEO Zubin Karkaria und das bisherige Managementteam sollen gemäss den Angaben das Unternehmen weiterhin leiten. "Wir begrüssen das Investment von EQT in die Kuoni Group, was die Attraktivität unserer Geschäftsaktivitäten unterstreicht," sagt der erst seit kurzem amtierende Konzernchef. Die im November 2015 angekündigten operativen Massnahmen zur Umsetzung der definierten Strategie sollen wie geplant 2016 umgesetzt werden. Mit den neuen Eigentümern könne die Umsetzung gar beschleunigt werden, gibt er sich zuversichtlich.

Stiftung bleibt engagiert

Die bisherige Ankeraktionärin "Kuoni und Hugentobler-Stiftung" wird weiterhin aktiv am Unternehmen beteiligt bleiben. Dies erfolge in Übereinstimmung mit dem Stiftungszweck, Kuoni auf solider Grundlage langfristig zu erhalten, wie es heisst. EQT und die Stiftung sind dazu am 1. Februar 2016 eine entsprechende Vereinbarung eingegangen. Darin werden die gemeinschaftliche Führung von Kuoni durch EQT und die Stiftung, die Eckpunkte der künftigen Entwicklung der Gruppe sowie die weitere Beteiligung der Stiftung an Kuoni geregelt. Die wichtigsten Eckpunkte der Vereinbarung sollen im Angebotsprospekt veröffentlicht werden.

Die heutige Ankündigung erfolgt gemäss Kuoni nach einem wochenlangen Bieterprozess, an dem nebst EQT verschiedene andere interessierte Parteien involviert gewesen seien. Der Angebotsprospekt soll gemäss den Angaben um den 22. Februar 2016 veröffentlicht werden. Die Angebotsfrist wird voraussichtlich vom 8. März 2016 bis zum 6. April 2016 dauern, wie es heisst.

Kuoni hatte sich in den letzten Jahre selber radikal umgebaut. Das gesamte Geschäft mit der Organisation und dem Vertrieb von Reisen für Privatpersonen wurde verkauft. Das europäische Reiseveranstaltergeschäft ging an den deutschen Rewe-Konzern. Zwei der drei verbliebenen Sparten verkaufen Reisekomponenten an andere Reisefirmen, die dritte bearbeitet im Auftrag von Regierungen Visa-Anträge. Im Zuge des Konzernumbaus war auch die Konzernspitze ausgetauscht worden.

(AWP/cash)