Beim Basler Pharmakonzern Roche haben in den letzten Oktobertagen Nicht-Exekutive Verwaltungsratsmitglieder Titel des von ihnen geleiteten Pharmakonzerns verkauft, und das nicht zu knapp: Insgesamt sind drei Pakete im Wert von total 10,63 Millionen Franken in der Datenbank der Börsenaufsicht SIX Exchange Regulation verzeichnet.
Die Verkäuferinnen oder Verkäufer mussten keine Gründe für die Management-Transaktionen angeben, weshalb die Ursachen nicht mit absoluter Sicherheit bestimmbar sind. Unwahrscheinlich ist allerdings, dass die millionenschweren Titel-Verkäufe ein Misstrauensvotum gewesen sind. Denn Roche hat vor Kurzem einen soliden Quartalausweis vorgestellt und dabei auch die Guidance für das Gesamtjahr bestätigt. Zudem haben diverse Medikamente erhebliches Potenzial, so etwa das Lungenkrebsmedikament Divarasib, das Multiple-Sklerose-Mittel Fenebrutinib sowie Giredestrant gegen Brustkrebs, das dem Basler Pharmakonzern in den nächsten Jahren gemäss Schätzungen Milliardensummen einbringen soll.
Folglich ist eine andere Erklärung als ein Misstrauensvotum für die Management-Verkäufe plausibler: die Realisierung von Gewinnen. Denn die Roche-Anteilsscheine sind seit Jahresbeginn um über 21 Prozent vorgerückt, wodurch sie den Swiss Market Index (SMI), der knapp 10 Prozent zulegte, deutlich übertroffen und sich einem neuen Allzeithoch angenähert haben. Dieses stammt aus dem April 2022 und beträgt 404,20 Franken. Das sind lediglich 0,8 Prozent mehr als die aktuelle Notierung und auch 6,5 Prozent mehr als der Stand von Mitte Oktober.
Wer die Titel schon einige Zeit gehalten und nun Ende Oktober auf dem deutlich erhöhten Niveau verkauft hat, realisierte beträchtliche Gewinne. So gelöstes Geld kann dann zum Beispiel für private oder andere Vorhaben eingesetzt werden.
Eine andere Frage ist, ob ein späterer Verkauf nicht noch lukrativer gewesen wäre. Zu einem solchen Schluss kommt man, wenn man das von der Deutschen Bank neu gesetzte Kursziel in Rechnung stellt. Der zuständige Analyst hat vor wenigen Tagen von 340 auf 500 Franken erhöht sowie das Rating von «Hold» auf «Buy» angehoben. Sofern seine Prognose eintrifft, wird selbst das bisherige Allzeithoch - 404,20 Franken - geradezu pulverisiert.
Der Experte der Deutschen Bank ist allerdings deutlich zuversichtlicher als der Konsens. Das durchschnittliche Kursziel für den Roche-Partizipationsschein liegt bei 396,40 Franken. Gemessen daran hat der Titel keine Luft nach oben mehr. Derweil stufen zwölf Analysten den Titel mit «Kaufen» ein. Sechs sind für «Neutral», einer sagt «Verkaufen».

