Leasen oder kaufen: Was lohnt sich mehr?

Ein Auto leasen ist hierzulande populär. Doch nicht immer lohnt sich ein solches Geschäft. cash zeigt auf, was vor Abschluss eines Leasing-Vertrags zu beachten ist und welche Finanzierungs-Alternativen es gibt.
21.07.2014 01:05
Von Ivo Ruch
In der Schweiz ist ein Grossteil der Autos geleast.
In der Schweiz ist ein Grossteil der Autos geleast.
Bild: Bloomberg

Die Schweiz ist ein Leasing-Land. Fast die Hälfte aller neu zugelassenen Autos auf Schweizer Strassen gehören nicht den Lenkern, sondern einem Leasing-Unternehmen. Allein bei Personenwagen wurden im letzten Jahr fast 200'000 Neuabschlüsse unterschrieben. Insgesamt sitzen 710'000 Personen hinter dem Steuer eines geleasten Fahrzeugs. Gerade die Untersuchung der Wettbewerbskommission von letzter Woche zeigt: Weil Leasing so viele Lenkerinnen und Lenker betrifft, haben Leasing-Firmen eine grosse Macht. Der Jahresumsatz der Branche lag 2013 bei über sieben Milliarden Franken.

Trotz der starken Verbreitung von Leasingverträgen sollte man wissen: Solche Verträge sind keine Schnäppchen und nicht für jede Person geeignet. Folgende Punkte sollten daher vor dem Abschluss eines Vertrags beachtet werden:

1. Budget

Vor jeder Anschaffung eines Autos sollte man sich zuallererst fragen, wie viel das Fahrzeug monatlich insgesamt kostet. Denn zusätzlich zur Leasingrate fallen Ausgaben für die obligatorische Vollkaskoversicherung, zusätzliche Reifen oder die Servicepflicht an. Bei jedem Fahrzeug kommen noch Steuern und Treibstoffkosten obendrauf. Diese zusätzlichen Kosten können gut und gerne das Doppelte der Leasingraten betragen. "Nur wenn genug vom Budget entbehrt werden kann, sollte eine Anschaffung in Betracht gezogen werden", sagt Felix Schneuwly, Leasing-Experte bei comparis.

Personen, die genug Geld haben, um ein Auto bar zu bezahlen, sollten das auch tun. Denn bei einem Leasing-Modell verdient immer eine Drittpartei mit. Und bei einer Barzahlung ist der Verhandlungsspielraum für einen Rabatt um einiges grösser - laut Schneuwly kann dieser bis zu 10 Prozent betragen.

2. Angestellt oder selbständig? 

Ein Leasing lohnt sich unter Umständen für selbstständig Erwerbende, weil dann die monatlichen Raten von den Steuern abgezogen werden können. Auch Firmen greifen oft auf dieses Finanzierungsmodell zurück. Das Kapital steht dann für die unternehmerische Tätigkeit zur Verfügung und ist nicht in Autos gebunden.

3. Laufzeit des Vertrags

Der Touring Club Schweiz (TCS) empfiehlt, die Lebensumstände und die Vertragsdauer aufeinander abzustimmen. Eine Vertragsdauer von vier Jahren sollte laut TCS nicht überschritten werden. Denn ein Zahlungsausfall bei Arbeitslosigkeit, ein Todesfall oder andere Notfälle können unerwartet schnell eintreten. Insbesondere junge Leute, die flexibel sein möchten und beispielsweise längere Reisen planen, sollten bei langen Vertragsdauern vorsichtig sein. Beim Leasing bleibt das Fahrzeug stets im Besitz des Kreditgebers, auch nach Ablauf der Vertragszeit. Zwar kann das Fahrzeug unter Umständen übernommen werden, aber der zu bezahlende Restwert beträgt gut und gerne mehrere tausend Franken.

4. Ausstieg aus dem Vertrag

Weil das Auto am Anfang viel rascher an Wert verliert, als mit der monatlichen Rate abgegolten wird, kann ein vorzeitiger Ausstieg teuer werden. Deshalb ist unabdingbar, die Kosten dafür vor Vertragsabschluss genau zu prüfen. Der TCS rät: "Damit man nicht ohne Auto dasteht, ist die Erfüllung des Vertrages oft doch noch attraktiver als der Ausstieg."

5. Privatkredit als Finanzierungsalternative

Neben dem Leasing gibt es auch die Möglichkeit, ein Auto mittels eines Privatkredits zu finanzieren. Dabei stellt ein Finanzinstitut dem Kreditnehmer den Kaufbetrag des Autos zur Verfügung und erhält dafür Ratenzahlungen über eine bestimmte Laufzeit. Der Vorteil: Anders als beim Leasing gehört das Fahrzeug von Anfang an dem Kreditnehmer. Allerdings sind bei einem Kredit die Zinsen höher als bei der Leasing-Variante. Das Leasing hat zudem den Vorteil, dass Autokauf und Kredit in der Regel aus einer Hand stammen.

6. Ein Auto teilen

Mobility ist ein vor 17 Jahren ins Leben gerufenes genossenschaftlich organisiertes Carsharing-Unternehmen. Heute teilen sich über 100'000 Kunden 2650 rote Mobility-Autos. Wer davon profitieren will, bezahlt pro Jahr 290 Franken. Eine einstündige Fahrt mit der günstigsten Kategorie kostet beispielsweise 2,80 Franken plus 52 Rappen pro gefahrenen Kilometer. Laut Angaben von Mobility beträgt das Sparpotenzial pro Jahr bis zu 4000 Franken. Zudem testet Mobility derzeit eine Alternative namens "Catch a car". Dabei kann ein Auto an einem beliebigen Standort abgeholt und abgestellt werden. Per Smartphone-App werden freie Autos angezeigt.

Unabhängig davon, für welche Mobilitätslösung man sich letztendlich entscheidet, lohnt es sich, die verschiedenen Anbieter miteinander zu vergleichen und sich möglichst viele Informationen zu beschaffen. "Ist man gut informiert, hat man bei Verhandlungen auch mehr Argumente zur Hand", sagt Schneuwly von comparis. Und nur so könne man sich entscheiden zwischen kaufen, leasen oder sein lassen.