Bei landesweiten Protesten unter anderem gegen hohe Lebenshaltungskosten kam es zu massiven Ausschreitungen. Gewaltbereite Gruppen lieferten sich Strassenschlachten mit der Polizei. Hunderte Geschäfte wurden geplündert. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Landesweit wurden mehr als 2000 Personen festgenommen, über 600 Beamte wurden nach Angaben des Innenministeriums verletzt. In Paris starb ein Demonstrant an einem Herzstillstand. In Limoges wurde das historische Rathaus in Brand gesteckt.
Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt am Sonntagabend in einer Fernsehansprache scharf. «Nichts rechtfertigt das, nichts erklärt das, nichts entschuldigt das», sagte Macron. «Heute Abend empfinden wir alle Wut und Scham.» Auch die rechtsextreme Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen rief zur Ruhe auf. Gewalt sei keine Meinung und Zerstörung keine Ausdrucksform, erklärte sie in einer Videobotschaft.
Am Samstag hatten sich mehr als eine halbe Million Menschen an überwiegend friedlichen Demonstrationen beteiligt. Am Sonntag gab es in Paris und Marseille erneut Zusammenstösse. Die Regierung machte linksextreme Gruppen und Kriminelle für die Eskalation verantwortlich.
Die Proteste hatten im September wegen des Lehrermangels an Schulen in Arbeitervierteln begonnen. Inzwischen richten sie sich generell gegen soziale Ungleichheit, Kürzungen bei den öffentlichen Ausgaben und die Inflation. Die Unruhen setzen Macron vor der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr zusätzlich unter Druck. Macron selbst darf bei der Wahl nicht mehr antreten. Umfragen deuten auf einen Wahlsieg der Rechtspopulistin Marine Le Pen hin.
Macron kündigte an, prüfen zu lassen, ob es im Vorfeld der Proteste Versäumnisse bei den Geheimdiensten oder der Vorbereitung der Polizei gegeben habe. Präfekten und Bürgermeister sollen künftig bestimmte Versammlungen verbieten können. Zudem forderte Macron für diese Woche einen Runden Tisch mit Schülern, Lehrern, Gewerkschaften und Wirtschaftsvertretern, um konkrete Lösungen für die Krise zu erarbeiten.
In Limoges wurde am Samstag das 143 Jahre alte Rathaus bei einem Brandanschlag weitgehend zerstört. «Es gab die klare, vorsätzliche Absicht, das Rathaus niederzubrennen, und die Menschen im Inneren fürchteten um ihr Leben», sagte Bürgermeister Guillaume Guerin der Nachrichtenagentur Reuters.
In Städten von Lille im Norden bis Marseille im Süden wurden Geschäfte geplündert und öffentliche Gebäude beschädigt. In Bordeaux drang ein maskierter Mob in die Residenz des örtlichen Präfekten ein. Zerschlagene Schaufenster, ausgebrannte Fahrräder und Graffiti zeugten von der Gewalt in der Hauptstadt Paris. «Hier ist es wie in einem Kriegsgebiet», sagte der niederländische Unternehmer Tije De Boer. Er war nach eigenen Angaben mit seinen Kindern für einen Besuch bei einem Freund nach Paris gekommen.
Die wirtschaftlichen Schäden der jüngsten Ausschreitungen sind enorm: Allein der Einzelhändler Carrefour meldete 50 beschädigte und 20 geplünderte Filialen mit einem Schaden in zweistelliger Millionenhöhe.
(Reuters)

