Lebensmittelindustrie - Nestlé muss sich für Wachstumsziele noch strecken

Nestlé kann das Tempo nicht wie gehofft steigern: 2019 erzielte der Nahrungsmittelriese zwar das stärkste Wachstum seit vier Jahren, muss sich aber von seinen Jahreszielen 2020 verabschieden. Eine Tageszusammenfassung.
13.02.2020 18:29
Nestlé-CEO Mark Schneider bei einem Auftritt am Fortune Global Forum 2019 in Paris.
Nestlé-CEO Mark Schneider bei einem Auftritt am Fortune Global Forum 2019 in Paris.
Bild: imago images / IP3press

Das für 2020 angepeilte organische Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich werde Nestlé erst 2021/2022 erreichen, räumte er am Donnerstag ein. "Wir sind überzeugt, dass wir es nachhaltig schaffen werden. Es wird nur ein oder zwei Jahre länger dauern." Für dieses Jahr peilt er aber eine weitere Verbesserung an. Mark Schneider gestand ein, dass sich Nestlé zuletzt von mehr Geschäften - darunter die stark wachsende Hautpflegesparte - getrennt als neue zugekauft habe.

Hier sei mehr Balance nötig. Sorgenkind bleibt das schwächelnde Wassergeschäft. Darüber hinaus trüben sich die Geschäftsaussichten für China, der zweitgrösste Markt von Nestlé, wegen des dort grassierenden Coronavirus ein.

"Die Prognose ist wahrscheinlich keine Überraschung angesichts der Entwicklungen in China", sagte Jon Cox von Kepler Cheuvreux. Viele Analysten hatten das Wachstumsziel von Nestlé bereits infrage gestellt. Die Aktien verloren an der Schweizer Börse dennoch mehr als zwei Prozent.

Auswirkungen von Coronavirus schwer abschätzbar

Schneider betonte, es sei noch zu früh, die finanziellen Auswirkungen des Coronavirus zu beziffern. Der Betrieb in China sei Anfang der Woche wieder aufgenommen worden, allerdings in reduziertem Umfang. "Der Ausbruch des Coronavirus hat in den vergangenen Wochen von unserem Team in China ausserordentliche Anstrengungen abverlangt."

Noch habe nicht jeder Mitarbeiter zu seinem Arbeitsplatz zurückkehren können. Aber Nestlé versuche so weit wie möglich sicherzustellen, seine Kunden beliefern zu können.

Die Volksrepublik ist mit einem Umsatzanteil von rund acht Prozent der zweitwichtigste Markt von Nestlé. Dort waren zuletzt die Säuglingsnahrung der Schweizer und die Marke Yinlu für Erdnussmilch und Reisbrei weniger gefragt.

Organisches Umsatzwachstum von 3,5 Prozent

Insgesamt erzielte Nestlé im vergangenen Jahr ein um Sondereffekte bereinigtes organisches Umsatzwachstum von 3,5 Prozent - soviel wie seit 2015 nicht mehr. "Wir erzielten 2019 klare Fortschritte", sagte Schneider.

"Dank der starken Dynamik in den USA und bei den Purina Heimtierprodukten weltweit beschleunigte sich das organische Wachstum." Der Umsatz stieg um 1,2 Prozent auf 92,6 Milliarden Franken.

Die operative Rendite verbesserte sich auf 17,6 von 17 Prozent vor Jahresfrist, damit hat Nestlé zumindest sein Renditeziel bereits ein Jahr früher als geplant erreicht.

Fertigprodukte weniger gefragt

Die Branche steht unter Druck, da Konsumenten zunehmend zu frischen und gesünderen Nahrungsmitteln greifen, während Fertigprodukte zu Ladenhütern werden. Auch Nestlé, bekannt für Marken wie Nescafe, Maggi und KitKat, will von diesem Trend profitieren und hat unter anderem vegane Burger auf den Markt gebracht.

Das organische Wachstum von Nestlé hat sich seit Schneiders Amtsantritt verbessert, er hat den Konzern kräftig umgebaut. Der Konzernchef schliesst auch grössere Übernahmen nicht aus, am vielversprechendsten seien aber kleinere und mittelgrosse Zukäufe, sagte er.

Weitere Desinvestitionen möglich

Daneben gibt es aber noch Baustellen. Schneider deutete an, dass sich das Unternehmen von weiteren Geschäften trennen könnte: "Mit weiteren entschlossenen Massnahmen werden wir uns den Geschäftsbereichen annehmen, die unter den Erwartungen liegen." Nestlé habe "noch mehr vor".

Zuletzt hatte vor allem das Wassergeschäft mit Marken wie Vittel und San Pellegrino wegen Preisdruck und schwacher Nachfrage in Europa geschwächelt.

Um gegenzusteuern, übertrug Schneider Anfang des Jahres die Verantwortung für das bislang zentral geführte Geschäft an die einzelnen Regionen. Noch im ersten Halbjahr will er zudem eine neue Strategie für den Bereich vorlegen.

(Reuters)

 

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