Die Aktien von Lindt & Sprüngli haben am Dienstag ihre Abwärtsdynamik mit einem Minus von 1,6 Prozent fortgesetzt und notieren aktuell bei 92'600 Franken. Damit bewegen sich die Valoren des Premium-Schokoladenherstellers nur noch hauchdünn über ihrer nächsten technischen Unterstützung. 

Mit dem aktuellen Niveau rückt zudem das 52-Wochen-Tief bei 91'900 Franken in greifbare Nähe, wobei ein Durchbrechen der Marke von 92’400 Franken die Titel bis auf 90’000 Franken senden könnte. Seit dem Zwischenhoch von über 130'000 Franken zu Beginn des Jahres summieren sich die Kursverluste damit auf mehr als 28 Prozent. 

Neben den Sorgen um die operative Entwicklung belastet eine frische Hiobsbotschaft aus den USA die Stimmung der Marktteilnehmerinnen und Marktteilnehmer. Die Kanzlei International Rights Advocates hat beim Gericht im District of Columbia Klage gegen den Konzern eingereicht. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, seine Bemühungen zur Bekämpfung von Kinderarbeit in den Kakao-Bezugsländern Ghana und Elfenbeinküste falsch darzustellen und trotz gegenteiliger Versprechen weiterhin davon zu profitieren. Lindt & Sprüngli weist die Vorwürfe zwar entschieden zurück und verweist auf systematische Überwachungssysteme, doch der Reputationsschaden sorgt für zusätzliche Nervosität. Bereits die Halbjahreszahlen hatten offenbart, dass das organische Umsatzwachstum von 4,3 Prozent ausschliesslich auf Preiserhöhungen von 11,8 Prozent basierte, während das Absatzvolumen markant um 7,5 Prozent einbrach.

Aus charttechnischer Sicht steht der Titel nun vor Richtungsentscheidungen. Auf der Unterseite fungiert die Marke von 92'400 Franken als unmittelbare Unterstützung, gefolgt vom 52-Wochen-Tief bei 91'900 Franken. Sollte dieser Halt brechen, droht eine Ausweitung der Korrektur unter die nächste psychologische Schwelle von 90'000 Franken. 

Um das angeschlagene Chartbild aufzuhellen, müssten die Papiere zunächst die Hürden bei 95’000 Franken sowie 96’400 bis 97’000 Franken überwinden. Ein nachhaltiges Kaufsignal entsteht jedoch erst bei einem Wiederanstieg über die Marke von 100'000 Franken. Daran sind die Titel allerdings in diesem Sommer bereits sechs Mal gescheitert.

Auf fundamentaler Ebene bietet die historische Bewertung zumindest eine gewisse Stütze. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 27,4x und notiert damit deutlich unter dem 20-jährigen Durchschnitt von 33x. Der Unternehmenswert zum operativen Ergebnis (EBITDA) notiert mit einem Verhältnis von 16,6x gar auf einem 13-Jahre-Tief. Die Kern-Ebit-Marge entwickelte sich trotz des Mengeneinbruchs mit einem leichten Anstieg überraschend positiv, was die Preissetzungsmacht des Unternehmens unterstreicht. 

Allerdings geraten die Konsumentenpreise nach der Teuerungswelle an ihre Grenzen. Eine nachhaltige Erholung des Zahlenkranzes hängt davon ab, ob auch die Mengen wieder belebt werden können und die in diesem Jahr volatilen Kakaopreise für eine erhoffte Entlastung auf der Kostenseite sorgen könnten.

Im Analystenlager zeigt sich eine ausgeprägte Spaltung hinsichtlich der künftigen Perspektiven. Das Wall-Street-Segment gibt sich skeptisch: US-Häuser wie Jefferies stufen den Titel mit «Underperform» und einem Kursziel von 81'660 Franken ein, da sie die Preisstrategie für nicht dauerhaft tragfähig halten. Demgegenüber empfehlen Institute wie Research Partners oder Julius Bär die Valoren mit Kurszielen von bis zu 129'000 Franken zum Kauf. 

Insgesamt stehen derzeit fünf Kaufempfehlungen vier Halte- und fünf Verkaufsurteilen gegenüber. Seit Präsentation der Halbjahreszahlen überwogen mit sechs Kurszielsenkungen und nur einer Erhöhung die negativen Revisionen. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel liegt aktuell bei 105'200 Franken, was einem kalkulatorischen Aufwärtspotenzial von rund 13,6 Prozent entspricht.

Für Anleger stehen in den nächsten Monaten vor allem zwei Faktoren im Fokus: die Volumenentwicklung und das Lieferketten-Monitoring. Da der Konzern auf Quartalsberichte verzichtet, bringen erst die Finanzergebnisse Mitte Januar 2027 Klarheit darüber, ob die Rückkehr zu Mengenwachstum ohne Margenopfer gelingt. Solange der Markt bessere Anlagemöglichkeiten anderswo sieht, dürfte die Aktie bis dahin mangels nennenswerter Impulse von Skepsis geprägt bleiben.

Luca_Niederkofler
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