Der an der Börse in Guangzhou gehandelte Kontrakt für Lithiumcarbonat - eine raffinierte Form des Metalls, die in Batterien für Elektrofahrzeuge und grossen Energiespeichersystemen (ESS) verwendet wird und oft zu volatilen Kursbewegungen neigt - ist von über 160'000 Yuan Anfang September auf unter 120'000 Yuan (17'900 US-Dollar) pro Tonne abgerutscht. Dieser Preiseinbruch markiert den Abschluss eines ansonsten dynamischen Jahres für die Branche in China, dem weltweit grössten Markt.

Engpässe bei der Minenproduktion, starkes Exportwachstum und der Aufstieg von Grossbatteriespeichern als wesentlicher Nachfragetreiber hatten den Markt belebt, nachdem dieser 2025 seinen Tiefpunkt erreicht hatte. Vor einem Jahr lag der Kurs für den Guangzhou-Kontrakt noch bei rund 74'000 Yuan pro Tonne. Doch der Optimismus schwindet zunehmend.

«Es wachsen die Zweifel, ob die Nachfragedynamik bis Jahresende ausreicht, um die zuletzt verzeichnete hohe Zellproduktion aufzunehmen», sagte Adam Megginson, leitender Analyst für Lithiumpreise bei der Beratungsfirma Benchmark Mineral Intelligence. «Hier geht es nicht um die unmittelbare Nachfrage, sondern um Sorgen hinsichtlich der mittelfristigen Nachfragestabilität.»

Wie viele chinesische Industriezweige – auch die erfolgreichen – haben Batteriehersteller im Verhältnis zur Nachfrage Überkapazitäten aufgebaut. Um dem zu begegnen, hat die Regierung in diesem Monat den Bau neuer Projekte gestoppt. Die Einführung einer Verbrauchsteuer auf Lithium-Ionen-Batterien sowie makroökonomischer Gegenwind trüben die Nachfrageaussichten zusätzlich.

Globale Handelshemmnisse, insbesondere in der Europäischen Union, und eine straffere Geldpolitik in den USA bergen weitere Risiken für den Ausblick. In dieses Umfeld hinein sorgte Anfang des Monats eine private Erhebung zu den chinesischen Lagerbeständen für Überraschung in der Branche: Sie wies auf deutlich grössere Vorräte hin als erwartet, was eine hitzige Debatte auslöste und den Fokus auf die tatsächliche Nachfragesituation lenkte.

Auch der Kurssturz der Aktien von Contemporary Amperex Technology, dem weltweit grössten Hersteller von Batterien für Elektrofahrzeuge, sorgte für negative Schlagzeilen. Dennoch gibt es Stimmen ausserhalb Chinas, die die Nervosität und den starken Preisrückgang für übertrieben halten.

«Mir scheint, der Rückgang ist eher auf die Stimmung bestimmter Anleger zurückzuführen als auf den Markt selbst», sagte Ignacio Mehech, CEO des chilenischen Bergbauunternehmens CleanTech Lithium. «Es liegen dem keine fundamentalen Marktdaten zugrunde, und die Entwicklung dürfte sich kurzfristig umkehren, da Analysten für die kommenden Jahre weiterhin ein Defizit erwarten», erklärte er in einem Interview in Santiago.

Der chinesische Markt für Elektrofahrzeuge schwächelt, und es besteht ein wachsendes Missverhältnis zwischen der Produktion von Batteriezellen für Energiespeichersysteme (ESS) und den tatsächlichen Installationen, so Jordan Roberts, Senior Analyst bei der Beratungsfirma Project Blue. Auch die Erwartung eines verbesserten Lithiumangebots bis ins Jahr 2027 habe eine Rolle gespielt, fügte er hinzu.

«Dennoch deutet das grundlegende Verhältnis von Angebot und Nachfrage für den Rest des Jahres weiterhin auf monatliche Defizite hin; dies dürfte zu einem anhaltenden Lagerabbau führen – wenn auch in langsamerem Tempo –, was die Preise stützen sollte», sagte er.

(Bloomberg/cash)