Lohn kommt erst an 4. Stelle

Was treibt Angestellte an, jeden Morgen zur Arbeit zu gehen? Und wie können Führungskräfte ihre Mitarbeitenden motivieren? Im cash-Video-Interview gibt Personalexperte Hans Münch von Towers Watson Auskunft.
27.10.2014 01:05
Von Ivo Ruch
Hans Münch leitet bei Towers Watson den Bereich Talents & Rewards.
Bild: cash

Die gute Nachricht vorneweg: Die Schweizer Arbeitnehmerschaft ist grundsätzlich zufrieden mit ihrer Beschäftigung. Nur 20 Prozent schauen sich immer mal wieder nach anderen Job-Möglichkeiten um. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Beratungsunternehmens Towers Watson, bei der in 28 Ländern 32'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befragt wurden, darunter 505 in der Schweiz.

"Grundsätzlich verharren Mitarbeiter in der Schweiz relativ lange sehr zufrieden und engagiert in den Unternehmen", sagt Hans Münch, Leiter Talents & Rewards bei Towers Watson im Video-Interview mit cash.

Mitarbeiter sind aber nur dann motiviert und engagiert, wenn gewisse Bedingungen erfüllt sind. Dazu gehört, dass Angestellte wissen, was die Firma erreichen will und was ihre Rolle dabei ist. "Wenn der Mitarbeiter die Erwartungen und seinen Beitrag versteht, und auch die Arbeit selbstständig gestalten kann, dann ist er sehr engagiert. Es braucht also Kopf, Herz und Hand", so Münch.

Kommunikation und Feedback

Damit dieses "nachhaltige Engagement" erreicht werden kann, wie es in der Studie genannt wird, sind die Führungskräfte gefragt. Sie müssen die Unternehmensziele klar formulieren und ihre Mitarbeiter mit Respekt behandeln. Ebenfalls unabdingbar ist eine gute Feedback-Kultur. "Kritik und Lob sollen angebracht und entsprechend transparent belohnt werden", sagt Hans Münch. Vorgesetzte sollten deshalb dazu stehen, wenn sie die Spreu vom Weizen trennen und das den Mitarbeitenden auch auf positive Art und Weise kommunizieren. "Wir erleben beispielsweise oft, dass Manager in einem Performancegespräch etwas ankündigen, das dann aber nirgends auf dem Lohnzettel zu finden ist."

Nach der internen Kommunikation und der Rolle des Vorgesetzten empfinden es die Schweizer Arbeitnehmer als wichtig, dass ihr Unternehmen nach aussen ein positives Bild abgibt. Interessant: Das Thema Gehalt folgt erst auf Platz vier der Kriterien für engagierte Arbeit.

Lücke zwischen Leistung und Lohn

Die Lohnunterschiede zwischen Frau und Mann schlagen sich laut Münch nicht in der Zufriedenheit der Angestellten nieder. Obwohl der Grundsatz der Lohngleichheit für beide Geschlechter sowohl in der Bundesverfassung wie auch im Gleichstellungsgesetz verankert sind, verdienen Frauen in der Schweiz durchschnittlich 20 Prozent weniger als Männer, wie aktuelle Zahlen zeigen. Doch die Befragung von Towers Watson habe ergeben, dass beide Geschlechter gleich zufrieden sind, so Münch. "Das Antwortverhalten ist interessanterweise diesbezüglich sehr gleich."

Auffällig ist hingegen, dass nur 33 Prozent der Schweizer Mitarbeiter empfinden, dass Leistungen auch gerecht vergütet werden. Dass also eine Lücke zwischen Leistung und Bezahlung klafft. Die Studienautoren ziehen deshalb das Fazit, dass in der Schweiz Leistungsanreize richtig gesetzt werden müssen, um hochtalentierte langfristig an das Unternehmen zu binden.

Andere Situation bei Jobwechsel

Geht es jedoch darum, den Job zu wechseln, stehen andere Faktoren im Vordergrund. Denn Schweizer Angestellte suchen in erster Linie eine herausfordernde Arbeit und Autonomie am Arbeitsplatz. Das ist ein grosser Unterschied zum Ausland, wo Geld und Jobsicherheit wichtiger sind. Das liegt laut Towers-Watson-Analyse an den unterschiedlichen konjunkturellen Situationen.

Während beispielsweise die Wirtschaft des Euroraums in die Rezession zurückzufallen droht, liegen die Wachstumsprognosen für die Schweiz bei rund 1,5 Prozent. Das hat Folgen für die Arbeitslosigkeit: In der Schweiz liegt sie bei 3 und in der Eurozone bei 11,5 Prozent.