Luxusgüterindustrie - Swatch schreibt in der Coronakrise rote Zahlen

Die Pandemie und die rund um den Globus ergriffenen Massnahmen zur Bekämpfung des Virus hinterlassen tiefe Spuren in der Rechnung von Swatch. Nach Jahren sprudelnder Gewinne hat Swatch 2020 rote Zahlen geschrieben.
28.01.2021 13:30
Laden von Swatch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.
Laden von Swatch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.
Bild: cash

Der Umsatz des Weltmarktführers ist im letzten Jahr um knapp ein Drittel auf noch 5,6 Milliarden Franken eingebrochen, wie Swatch am Donnerstag mitteilte. Zum Schutz der Profitabilität hat die Gruppe Gegensteuer gegeben, die Kosten gesenkt und dabei Läden geschlossen und rund zehn Prozent des Personal abgebaut.

Letztlich blieb dem Konzern trotz aller Bemühungen mit 52 Millionen Franken nur noch ein sehr kleiner Betriebsgewinn. Und unter dem Strich resultierte gar ein Verlust von 53 Millionen Franken, nachdem im Jahr davor noch ein Gewinn von 748 Millionen Franken erzielt wurde.

Den Aktionären will Swatch eine deutlich kleinere Dividende ausschütten. Je Inhaberaktie soll sie um mehr als ein Drittel auf 3,50 Franken gekürzt werden.

Erholung in China

Das Jahr 2020 war für die Uhrenbranche eines zum Vergessen. Dabei verlief das erste Halbjahr deutlich schlechter als das zweite. Auch Swatch litt darunter, dass im Frühjahr in vielen Ländern auf staatliche Anordnung hin das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben stark eingeschränkt wurde und der für die Branche wichtige Tourismus praktisch zum Erliegen kam.

Dabei kam erschwerend hinzu, dass sich Covid-19 anfangs 2020 von dem für Swatch wichtigsten Markt China aus in alle Welt ausgebreitet hat. Dabei hatten schon vor der Coronakrise die Unruhen in der ehemals grössten Absatzregion Hongkong dem Uhrenkonzern das Geschäft erschwert.

Als die Pandemie-Massnahmen im Laufe des Jahres wieder weltweit gelockert wurden, erholten sich auch die Uhrenexporte Monat für Monat. Die Branche profitierte von der starken Erholung in China: Ins "Reich der Mitte" stiegen die Schweizer Uhrenexporte im vergangenen Jahr um einen Fünftel.

Die gesamten Uhren-Ausfuhren sackten im Jahresvergleich dennoch um mehr als 20 Prozent ab. Nach Hongkong brachen die Verkäufe gar um 37 Prozent ein.

Starkes Wachstum im E-Commerce

Swatch steigerte den Umsatz in der zweiten Jahreshälfte gegenüber der ersten trotz Covid-19 Massnahmen und weiterer Lockdowns stark. Dabei habe sich das Wachstum in China nicht nur im 2. Halbjahr, sondern auch im Gesamtjahr zweistellig entwickelt, teilte Swatch weiter mit. Und in den USA seien die Verkäufe im Dezember auf das Vorjahresniveau zurückgekehrt.

Allerdings leiden die von Swatch betriebenen Geschäfte an den Flughäfen und Reisedestinationen bis heute stark unter den ausbleibenden Touristen. Obwohl sich der über E-Commerce mit einem Umsatzwachstum von 70 Prozent stark entwickelte, konnten die Einbussen im traditionellen Retailgeschäft nicht kompensiert werden. Bei den Marken im mittleren und unteren Preissegment erreicht Swatch über den Onlinehandel inzwischen einen Anteil am Umsatz zwischen 20 und 30 Prozent.

Dass der Absatzrückgang bei Swatch grösser ausfiel als die Schweizer Uhrenexporte insgesamt, dürfte vor allem daran liegen, dass von der Erholung vor allem das höherpreisige Segment profitierte. Der Absatz tiefpreisiger Zeitmesser ist derweil erneut stark zurückgegangen. Swatch hat sowohl günstige Plastikuhren als auch luxuriöse Zeitmesser im Angebot.

Bei Swatch bleibt man aber optimistisch: 2021 rechnet die Gruppe um Firmenchef Nick Hayek mit einem starken Nachholbedarf des Konsums, sobald sich die Gesundheitslage normalisiert hat und die Reisebeschränkungen gelockert werden. Die Chancen, dass sich die Umsätze in Lokalwährungen im laufenden Jahr denjenigen von 2019 annähern und sich auch die Margen verbessern werden, seien intakt. Als Umsatztreiber dürften sich auch die zahlreichen neuen Produkte erweisen.

(AWP)

 
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