Macht die SNB am Donnerstag ernst?

Mit ihren Aussagen haben Vertreter der SNB zuletzt Zinssenkungsspekulationen losgetreten. Am Donnerstag wird sich zeigen, ob das bloss verbale Interventionen gegen den starken Franken waren.
17.09.2014 08:30
Von Lorenz Burkhalter
Steht vor keiner einfachen Aufgabe: Die Schweizerische Nationalbank.
Steht vor keiner einfachen Aufgabe: Die Schweizerische Nationalbank.
Bild: cash

Im Hinblick auf die geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) vom Donnerstag stockt vielen Marktteilnehmern der Atem: Sind die Entscheidungsträger nach der jüngsten Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) ebenfalls zu Interventionen gezwungen?

Immerhin liegt das Zielband für den 3-Monats-Libor schon heute bei 0 bis 0,25 Prozent und der aktuelle Referenzzinssatz am Geldmarkt mit 0,01 Prozent am ganz unteren Ende dieses Bands. Ausserdem notiert der Euro in unmittelbarer Reichweite zum im September vor drei Jahren eingeführten Mindestkurs.

Spätestens nach Äusserungen des stellvertretenden Direktorium-Mitglieds Thomas Moser in der Finanzpresse kursieren hierzulande Zinssenkungsspekulationen. Er schliesst die Einführung von Negativzinsen in der Schweiz nicht aus.

Dem hält die Währungsstrategin der Commerzbank in einem Kommentar jedoch entschieden entgegen. Moser habe nichts anderes gesagt, als der SNB-Präsident Thomas Jordan nach dem letzten Zinsentscheid von Mitte Juni. Die Botschaft der Expertin ist klar: Sie rechnet anlässlich der geldpolitischen Lagebeurteilung vom Donnerstag mit einem Nullentscheid. Eine Einführung von Negativzinsen sei zwar wahrscheinlicher aber nicht sehr wahrscheinlich geworden, so schreibt sie.

Devisenmarktinterventionen das bevorzugte Instrument

Die Geldpolitik der SNB werde in letzter Zeit stark von der Sorge über zunehmende Ungleichgewichte im Hypothekar- und Immobilienmarkt dominiert, so die Strategin weiter. Diese Ungleichgewichte würden durch niedrige Zinsen begünstigt und seien ein Risiko für die Finanzstabilität. Das habe SNB-Präsident Thomas Jordan schon im Januar gesagt. Der Währungsstrategin der Commerzbank zufolge gibt es keine Hinweise darauf, dass sich an dieser Sichtweise grundsätzlich etwas geändert hat.

Devisenmarktinterventionen dürften daher das von der SNB bevorzugte Instrument bleiben, sollte der Druck auf die Untergrenze zu gross werden. Zu guter Letzt spreche auch ein praktischer Grund gegen eine baldige Zinssenkung: Die bisherigen Lockerungen der EZB hätten zu keinem Test der Untergrenze geführt. Die SNB täte deshalb gut daran, noch einen Pfeil im Köcher zu behalten, seien weitere Massnahmen seitens der EZB doch nicht auszuschliessen.