Magdalena Martullo - Ems-CEO: «Die Konjunktur bleibt unter Druck»

Ems-CEO Magdalena Martullo ist für die Weltwirtschaft weiterhin skeptisch. Was sie vom wichtigen Automarkt erwartet und warum die Ems-Aktie ein Rendite-Titel bleibt, sagt sie im cash-Video-Interview.
08.02.2019 15:09
Von Ivo Ruch
Magdalena Martullo-Blocher ist CEO der Ems-Gruppe.
Bild: cash

Vor genau einem Jahr war Magdalena Martullo eine der ersten Schweizer CEO, die vor einer Abschwächung der Konjunktur warnte. Die Aktienmärkte waren im Januar 2018 regelrecht eingebrochen, als Martullo gegenüber cash.ch sagte: "Wenn die Börsen weiter fallen, werden wir einen Konjunkturwechsel haben". Heute weiss man, dass die globale Wachstumsdynamik vor Jahresfrist ihren Höhepunkt erreichte und seither rückläufig ist.

Das dürfte in diesem Jahr so weitergehen, sagt Martullo gegenüber cash.ch: "Die Konjunktur wird 2019 unter Druck bleiben". So wächst zum Beispiel Chinas Wirtschaft so langsam wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr und im grossen Euro-Land Italien war das Wirtschaftswachstum zu Jahresende gar negativ.

Ob es in bestimmten Regionen allerdings zu einer Rezession komme, hängt laut Martullo vom Handelsstreit zwischen den USA und China ab. "Wenn die USA wirklich in grossem Ausmass Zölle erhebt, würde China in eine Rezession fallen. Ich glaube aber, die beiden Länder haben grosses Interesse an einer Einigung", so die Ems-Chefin im cash-Video-Interview.

Aktienkurs im Hoch

Trotz des raueren Umfelds konnte Ems-Chemie 2018 weiter wachsen. Der Umsatz stieg um 8 Prozent auf 2,3 Milliarden Franken und auch der Nettogewinn erreichte mit 522 Millionen Franken eine neue Bestmarke. Den Aktionären soll eine ordentliche Dividende von 15,50 Franken pro Aktie und eine ausserordentliche Dividende von 4,25 Franken zufliessen - also insgesamt 19,75 Franken. Im Vorjahr hatte es 18,50 Franken pro Aktie gegeben.

Beim Gewinn und bei der Dividende hat Ems die Erwartungen von Finanzanalysten übertroffen, was sich auch im Aktienkurs widerspiegelt. Dieser steigt bis 14 Uhr um 3 Prozent auf rund 520 Franken, während der breite Schweizer Aktienmarkt im Minus steht. Damit ist die Ems-Aktie allerdings immer noch weit entfernt von ihrem Stand vor Jahresfrist, als der Kurs nahe an 700 Franken stand.

Vom Höhepunkt entfernt: Die Ems-Aktie in den letzten fünf Jahren (Quelle: cash.ch)

Sind die Investoren also skeptischer für Ems als die Unternehmensführung, die für 2019 einen Nettoumsatz und ein Betriebsergebnis (EBIT) mindestens auf Vorjahresniveau erwartet? "Wir werden uns besser entwickeln als die Konjunktur. Aber die Autotitel waren stark betroffen an der Börse", sagt Martullo. Tatsächlich kann sich auch Ems der Verlangsamung im Automobilsektor, der rund 60 Prozent zum Gesamtumsatz beiträgt, nicht entziehen.

Grosse Hoffnungen setzt der Konzern stattdessen auf die USA, wo der Umsatzanteil derzeit bei knapp 17 Prozent liegt – hinter Europa und Asien. Wie Martullo an der Medienorientierung mitteilte, soll bis 2022 die Verkaufs- und Entwicklungsmannschaft in den USA verdoppelt werden. Neben der Autoindustrie setzt Ems dort vor allem auf den Bereich Konsumelektronik: Kopfhörer, Spielkonsolen oder intelligente Brillen gehören zu den möglichen Anwendungsbereichen, wie Martullo im Video-Interview vorführt:

Daneben äussert sich Magdalena Martullo im Video auch zur Dividendenpolitik von Ems und zu ihren privaten Aktieninvestments.

 

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