«Markt hat wie erwartet reagiert»

Laut SNB-Präsident Thomas Jordan hat die Krise in Russland zu starken Druck auf den Franken ausgeübt. Deshalb wurden Negativzinsen nötig. Im Video-Interview sagt er zudem, welche weiteren Massnahmen denkbar sind.
18.12.2014 13:28
Von Ivo Ruch
Thomas Jordan: «Der Franken wird weniger attraktiv».
Bild: cash

Die überraschende Einführung von Negativzinsen auf Frankenguthaben ab dem 22. Januar 2015 begründet die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit dramatischen Veränderungen an den Finanzmärkten. "Die Krise in Russland hat zu grossem Druck auf den Franken geführt. Wir sind zum Schluss gekommen, dass Negativzinsen zum jetzigen Zeitpunkt das richtige Instrument sind, um den Mindestkurs zu stützen", sagt SNB-Präsident Thomas Jordan im Video-Interview.

Der Druck ist so gross geworden, dass die SNB in den letzten Tagen habe intervenieren und den Mindestkurs durchsetzen müssen, so Jordan weiter. Insbesondere seit der SNB-Sitzung vom Donnerstag vergangener Woche hatte der Euro-Franken-Kurs um den Wert 1,2010 Franken geschwankt. "Mit den Negativzinsen in der Schweiz werden der Franken und Anlagen in Franken weniger attraktiv", sagt Jordan.

Zudem schliesst Jordan weitere Massnahmen nicht aus, sollte die erhoffte Wirkung an den Finanzmärkten nicht eintreffen. Das könnte eine weitere Senkung des Zinssatzes sein oder auch eine Einschränkung des Freibetrags gegenüber den Banken.

ZKB kündigt Reaktion an

Am Devisenmarkt hat der Kurs des Franken auf die Ankündigung der SNB reagiert. In einer ersten Reaktion ist er bis auf 1,2093 angestiegen. Später hat er sich bei 1,2054 eingependelt. Für eine definitive Beurteilung ist es laut Jordan noch zu früh, weil Anleger zuerst verstehen müssten, wie dieses neue Instrument funktioniert. Fürs erste scheint er aber zufrieden: "Der Markt hat so reagiert, wie erwartet."

Viele Privatanleger fragen sich nun, ob auch Banken einen Strafzins auf ihre Spareinlagen erheben werden. Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat bereits mitgeteilt, im Falle von grossen Geldzuflüssen Gegenmassnahmen zu ergreifen. Die ZKB "kann und wird" mit der Rückweisung von Zuflüssen oder mit Konditionenanpassungen auf Einzelgeschäften reagieren, heisst es. Allerdings sollen Kleinsparer und KMU davon nicht betroffen sein.

"Wir gehen davon aus, dass jene Banken, die sehr viel Geld deponiert haben, ihre Zusatzkosten weiterverrechnen werden", sagt Jordan zu diesem Thema. Gut möglich also, dass nach der ZKB auch weitere Banken an Alternativmöglichkeiten denken.

(mit Material von AWP)

Im Video-Interview nimmt Thomas Jordan zudem Stellung zum Thema Hypothekarzinsen.